Ifo-Geschäftsklimaindex Mai 2019
Video

Manager mit Sorgenfalten Ifo-Index: Konjunktur aus dem Tritt

Stand: 23.05.2019, 10:24 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai noch stärker eingetrübt als erwartet. Wie soll man bei ewigen Brexit-Chaostagen, schwächelnder Konjunktur und Handelskonflikten auch gute Laune haben?

Das Barometer für das Ifo-Geschäftsklima fiel auf 97,9 Punkte von 99,2 Zählern und damit das zweite Mal in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem leichten Rückgang auf 99,1 Punkte gerechnet.

„Der deutschen Konjunktur fehlt es weiterhin an Schwung“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage ungünstiger, die Aussichten für die kommenden sechs Monate blieben aber unverändert.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. | Bildquelle: Ifo-Institut

„Stimmung verschlechtert sich“

„Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich“, kommentiert Helaba-Volkswirt Patrick Boldt. Konjunktursorgen blieben bestehen. Positiv zu werten sei allerdings, dass die Erwartungskomponente stabil geblieben sei. Boldt sieht „Brexit“-Verunsicherung und Handelskonflikt als Belastungsfaktoren.

Die deutsche Wirtschaft hat jüngst ihre Stagnation von Ende 2018 abgeschüttelt. Zwischen Januar und März zog die Konjunktur um 0,4 Prozent zum Vorquartal an. Das liegt vor allem an der robusten Inlandsnachfrage. So legte der Konsum angesichts von Rekordbeschäftigung und höheren Löhnen um 1,2 Prozent zu.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.208,34
Differenz relativ
+0,21%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1044
Differenz relativ
+0,20%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.465,92
Differenz relativ
-0,35%

Insgesamt droht der Wirtschaft 2019 aber ein schwächeres Jahr. Die Bundesregierung rechnet deshalb nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent. 2018 hatte es zu 1,4 Prozent gereicht. Der Dax reagierte zunächst kaum auf die negativen Daten, gab dann aber deutlicher nach. Auch der Euro reagierte mit Kursverlusten gegenüber dem Dollar.

ts

1/6

"Eine herbe Enttäuschung" Das sagen Experten zum Ifo

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank, Liechtenstein
"Der Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex war gewissermaßen „vorprogrammiert“. Die fortwährenden Handelskonflikte zwischen den USA und China belasten nicht nur die Stimmung, sondern haben auch handfeste Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf der Unternehmen. Dies zeigt auch die schlechtere Einschätzung der Unternehmen zur aktuellen Situation gegenüber dem April. Die rückläufigen Auftragseingänge spiegeln dies wider. Aussenwirtschaftlich gibt es also derzeit kaum oder zu wenig Rückenwind für die deutsche Industrie.

Die Hoffnungen beruhen nun auf einer wirtschaftlichen Belebung im zweiten Halbjahr. Die konjunkturstützenden Maßnahmen der chinesischen Regierung aber auch der schwache Euro könnten das Exportgeschäft beleben. Vorerst bleibt die Situation aber wackelig: Noch ist nicht sicher, ob das deutsche Wachstum im zweiten Quartal überhaupt ein positives Vorzeichen trägt."