Ifo-Geschäftsklimaindex Juli 2019
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Konjunktur in schwierigem Fahrwasser Ifo-Index: Immer weiter abwärts

Stand: 25.07.2019, 11:11 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft trübt sich schneller ein als befürchtet. Der Geschäftsklima-Index ist im Juli noch weiter gefallen. Besonders im verarbeitenden Gewerbe ist die Stimmung im freien Fall.

Im Juli ist das Barometer für das Geschäftsklima von 97,4 Punkten auf 95,7 Punkte gefallen, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit April 2013. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 97,1 Punkte erwartet.

"Die deutsche Konjunktur befindet sich in schwierigem Fahrwasser", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage schlechter. Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate und damit bis ins nächste Jahr hinein werden skeptischer beurteilt. Mit einer Besserung der Lage sei vorerst nicht zu rechnen, denn die Unternehmer blickten pessimistischer auf die kommenden sechs Monate.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. | Bildquelle: Ifo-Institut

Droht jetzt eine Rezession?

Die besonders exportabhängige deutsche Wirtschaft leidet unter dem Ende Oktober anstehenden EU-Austritt Großbritanniens sowie unter dem von US-Präsident Donald Trump entfachten Handelsstreit. Zudem haben sich auch die Wachstumsaussichten in der EU verschlechtert. Daher schwindet zusehends die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung. Fachleute schließen inzwischen eine Rezession im Frühjahr und Sommer nicht mehr aus - also zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.

Glaubt man der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts ist die Stimmung in der deutschen Industrie im freien Fall. Davon zeugen auch die zahlreichen Gewinnwarnungen der letzten Wochen, allen voran aus der Autobranche. Die flaue Autokonjunktur macht auch Firmen wie BASF und Covestro zu schaffen, die im zweiten Quartal heftige Gewinneinbußen hinnehmen mussten.

Helaba-Experte Patrick Boldt kommentiert: "Eine Belebung der konjunkturellen Dynamik zeichnet sich mit der Datenveröffentlichung nicht ab. Die Spekulationen auf geldpolitische Lockerungsmaßnahmen seitens der Europäischen Zentralbank bleiben somit bestehen. In diesem Zusammenhang richtet sich der Fokus nun auf die heutige Zinsentscheidung der EZB sowie die Pressekonferenz um 14:30 Uhr."

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Der Dax zeigt sich von den Ifo-Daten nur wenig beeindruckt. Immerhin musste er nach Veröffentlichung der Daten einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Der Euro gab leicht nach.      

lg

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"Das hört sich nicht gut an" Das sagen Experten zum Ifo-Index

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe
"Das Geschäftsklima schürt die Rezessionssorgen. Damit setzt sich die Negativ-Entwicklung aus dem vergangenen Quartal fort. Da es nicht nach einer Lösung der globalen Handelskonflikte aussieht und der Brexit verunsichert, droht die Konjunktur stärker nach unten zu kippen. Dies auch deshalb, weil sich der Dienstleistungssektor aktuell anzustecken beginnt. Auch wenn eine ausgeprägte Konjunkturdelle bisher wahrscheinlicher ist als eine echte Rezession: Die konjunkturellen Zeiten werden turbulenter."