Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex von Oktober 2017 bis Juni 2018
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Im Abwärtstrend Ifo-Index: Die Stimmung trübt sich ein

Stand: 25.05.2018, 10:29 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni wieder eingetrübt, wie die neueste Umfrage unter Managern zeigt. Doch Ökonomen hatten mit einer noch schlechteren Laune gerechnet.

Der Geschäftsklima-Index fiel auf 101,8 von 102,3 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 101,7 Zähler gerechnet.

Das kam an der Börse gut an: Der Deutsche Aktienindex schnellte auf knapp 12.519 Punkte in die Höhe, muss seine Gewinne aber ebenso schnell wieder abgeben. Der Euro verbesserte sich ebenfalls auf 1,1660 Dollar, nachdem er zuvor auf 1,1625 gefallen war.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1387
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Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.066,41
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.222,76
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-0,11%

Rückenwind für die Wirtschaft flaut ab

Auch wenn die Aussichten für die kommenden sechs Monate unverändert geblieben sind, musste Ifo-Präsident Clemens Fuest konstatieren, dass der Rückenwind für die deutsche Wirtschaft weiter abflaut.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. | Bildquelle: Ifo-Institut

Angesichts des Handelsstreits mit den USA und des schwachen Jahresauftakts haben die führenden Institute ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland deutlich gesenkt. Das Ifo-Institut nahm seine Vorhersage für dieses Jahr von 2,6 auf 1,8 Prozent zurück, für 2019 von 2,1 auf 1,8 Prozent.

Keine Rezession in Sicht

Ulrich Wortberg, Ökonom bei der Helaba, ist weniger skeptisch. Es verdichteten sich Hinweise, dass die konjunkturelle Dynamik nachlässt. Anzeichen für eine starke Wirtschaftsabkühlung gebe es aber nicht, denn letztlich ist das Niveau des Ifo-Index noch immer hoch (die Ifo-Geschäftserwartungen sind stabil geblieben) und die Einkaufsmanagerindizes liegen weit im Expansionsbereich.

Auch Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, reagiert gelassen: "Das hätte schlimmer kommen können. Immerhin: Der nur leichte Rückgang gibt uns ein Gefühl dafür, dass die Story stimmen dürfte, wonach wir derzeit nur eine Konjunkturverlangsamung auf Normalmaß sehen, aber keinen Abschwung oder gar eine Rezession."

Allerdings hat sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal auf 0,3 Prozent halbiert. Wenngleich dazu auch Sondereffekte beitrugen, etwa die Grippewelle mit einer hohen Zahl an Arbeitsausfällen, Streiks und überdurchschnittlich viele Ferientage. Für das Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent - es wäre das kräftigste seit 2011.

lg

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"Es hätte schlimmer kommen können" Expertenstimmen zum Ifo-Index

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer
"Das Ifo-Geschäftsklima ist im Juni nach einer faktischen Stagnation im Vormonat wieder gefallen (von 102,3 auf 101,8; Konsens: 101,8). Der Trend weist damit weiter klar nach unten. Das zunehmende Risiko eines Handelskriegs spricht dafür, dass die eingetrübte Stimmung bei den Unternehmen nicht nur eine kurze Wachstumsdelle signalisiert, sondern einen Zwischenabschwung, der bis zum Ende des Jahres anhalten sollte. Unsere Wachstumsprognose für 2018 in Höhe von 2,0 Prozent bleibt mit Abwärtsrisiken versehen."