Ifo-Geschäftsklimaindex März 2020 korrigiert 25. 03. 2020

Zweite Veröffentlichung Ifo-Index: Alles noch viel schlimmer

Stand: 25.03.2020, 10:22 Uhr

Das Ifo-Geschäftsklima ist wegen der Corona-Krise noch stärker eingebrochen als bisher befürchtet.

Die von der Corona-Krise ausgelöste Rezessionsangst in den deutschen Chefetagen ist laut Ifo-Institut noch größer als gedacht. Der am Mittwoch veröffentlichte endgültige Geschäftsklimaindex für März fiel auf 86,1 Punkte von 96,0 Zählern im Februar.

"Dies ist der stärkste jemals gemessene Rückgang im wiedervereinigten Deutschland und der niedrigste Wert seit Juli 2009", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest zu den aktualisierten Daten. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Schock."

Die Führungskräfte blickten deutlich pessimistischer auf die Lage und ihre Geschäftsaussichten. "Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen verdüsterten sich wie nie zuvor." Auf Basis vorläufiger Zahlen hatten die Münchner Ifo-Forscher vorige Woche bei der Umfrage unter rund 9000 Managern einen Wert von 87,7 ermittelt.

"Es ist davon auszugehen, dass es mindestens zwei Quartale lang eine schwere Rezession geben wird", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. "Es kann im Gesamtjahr einen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt zwischen fünf und 20 Prozent geben, je nach Länge des Shutdowns." Diesmal seien vor allem die Dienstleister betroffen, sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Aber auch für die Industrie könnte es noch schlimmer kommen. "Wir bewegen uns in Dimensionen wie in der Finanzkrise, eher noch etwas schlechter", betonte der Ökonom. "Der März war eine Katastrophe, der April ist bisher vor allem eine Drohung, frühestens der Mai könnte wieder ein Versprechen werden."

Dienstleistungen noch schwächer als Industrie

In der Industrie fiel der Index auf den niedrigsten Stand seit August 2009 - zugleich der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung. "Der Rückgang der Erwartungen ist mit Blick auf 70 Jahre Umfragen in der Industrie historisch einmalig", sagte Ifo-Chef Fuest. Viele Unternehmen hätten Produktionskürzungen angekündigt.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator so stark gefallen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 2005. Im Handel brach die Stimmung ebenfalls ein. Die Erwartungen stürzten auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. "Groß- und Einzelhandel sind gleichermaßen stark negativ getroffen." Positive Ausnahmen seien Lebensmittel- und Drogeriemärkte. Der Ausblick der Baubranche habe sich deutlich verschlechtert.

ME/rtr

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"Dimensionen wie in der Finanzkrise" Stimmen zum Ifo-Index

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW:
"Da wurde nochmal scharf nachgewaschen. Aber das ist kein Wunder, denn es kommen ja täglich neue Hiobsbotschaften. Gegenüber der Vorabveröffentlichung der Vorwoche gingen dementsprechend von den Unternehmen nochmals tiefere Werte zu Lage und Erwartungen ein. Das Bild wird jetzt aber immerhin etwas konkreter: Wir bewegen uns in Dimensionen wie in der Finanzkrise, eher noch etwas schlechter. Und dieses Mal sind vor allem die Dienstleister getroffen. Was nicht heißt, dass es in der Industrie nicht auch noch schlimmer kommen kann.

Der März war eine Katastrophe, der April ist bisher vor allem eine Drohung, frühestens der Mai könnte wieder ein Versprechen werden. Aber letztlich hängt alles vom Erfolg der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ab."