Ifo Geschäftsklimaindex Juni 2020

"Licht am Ende des Tunnels" Ifo-Geschäftsklima: Stimmung hellt sich weiter auf

Stand: 24.06.2020, 10:50 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im Juni kräftig von ihrem drastischen Einbruch in der Corona-Krise erholt. Es sei der stärkste jemals gemessene Anstieg, teilte das Ifo-Insitut mit. Doch die Ökonomen bleiben vorsichtig.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juni kletterte auf 86,2 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. "Dies ist der stärkste jemals gemessene Anstieg", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest: "Die deutsche Wirtschaft sieht Licht am Ende des Tunnels." Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg auf 85 Punkte gerechnet.

Die vom Ifo befragten Manager schätzten ihre Geschäftsaussichten deutlich besser ein. Mit 91,4 Punkten übertrafen sie ebenfalls die Prognosen der Ökonomen, die nur mit 87 Punkten gerechnet hatten. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise beurteilen die Chefs auch ihre Lage (81,3 Punkte) wieder günstiger als zuletzt.

Zweiter Anstieg in Folge

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Es ist der zweite Anstieg des wichtigen Konjunkturindikators in Folge, nachdem er im März und April krisenbedingt drastisch eingebrochen war. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Stimmung erneut deutlich, vor allem weil die Erwartungen so stark zulegten wie nie. "Die aktuelle Lage wird jedoch weiterhin von einer großen Mehrheit der Unternehmen als schlecht eingestuft", betonte Fuest.

Auch bei den Dienstleistern ging es im Zuge der Lockerungen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen "steil" nach oben. "Insbesondere nahm der Pessimismus mit Blick auf das kommende halbe Jahr deutlich ab." Im Handel und am Bau stieg der Geschäftsklimaindex ebenfalls. Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte im Reuters-Interview, das Konjunkturtal sei durchschritten. "Den Tiefpunkt haben wir hinter uns, es geht wieder aufwärts."

Mit der schrittweisen Lockerung der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie setze nun die wirtschaftliche Erholung ein, hatte auch das Bundeswirtschaftsministerium vor zwei Wochen erklärt. Der Weg dürfte aber steinig werden: Der exportabhängigen Industrie brachen die Aufträge im April in Rekordtempo weg. Sie fielen um 25,8 Prozent niedriger aus als im März.

Noch keine Rückkehr zur Normalität

Und auch Ökonomen warnen vor zu viel Optimismus und dämpfen die Euphorie. "Überschwängliche Freude kommt nicht auf. Der Stachel sitzt tief", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Der erste Schock sei zwar überwunden. "Doch das wirtschaftliche Schleudertrauma macht sich jetzt richtig bemerkbar." Die deutsche Wirtschaft werde an den Pandemie-Folgen noch lange leiden. "Bis sich die konjunkturellen Wunden schließen, können noch Jahre ins Land gehen."

"Die Stimmungsaufhellung ist ein Wendesignal ohne großen Wert. Es liegt nahe, dass diese sich bessert, wenn nach dem Stillstand wieder produziert und verkauft werden darf", betonte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Die Geschäftslage habe davon aber nur wenig profitiert, nicht zuletzt wohl auch wegen der schwierigen Auftragslage und der angespannten finanziellen Situation.

Wachstum ab dem dritten Quartal?

Die Corona-Krise traf die Konjunktur mit voller Wucht. Sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Investitionen ließen die deutsche Wirtschaft bereits zum Jahresanfang einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Januar bis März um 2,2 Prozent und damit so stark wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 nicht mehr.

Dr. Klaus Wohlrabe, Ifo-Institut

Dr. Klaus Wohlrabe, Ifo-Institut. | Bildquelle: ifo-Institut

Im laufenden zweiten Quartal dürfte das BIP nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen sogar um zehn bis elf Prozent einbrechen. Ab Sommer rechnen die meisten Experten dann mit einer spürbaren Belebung der Konjunktur. "Wir rechnen ab dem dritten Quartal wieder mit Wachstum", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Im Sommerquartal könnte es zu einem Plus von um die sieben Prozent reichen."

Die Umfrageergebnisse des Ifo-Instituts decken sich im Wesentlichen mit den am Vortag veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes des britischen Instituts IHS Markit. Auch dort kam es zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung. Und auch in Frankreich legte das Insee-Geschäftsklima stärker als prognostiziert zu. Harte Daten aus der Realwirtschaft, also etwa Produktionsdaten, liegen für aktuelle Monate noch nicht vor. Der positive Trend der Stimmungsindikatoren konnte also noch nicht bestätigt werden.

Euro und Dax können nicht profitieren

Die Umfragen zur Unternehmensstimmung aus Deutschland und Frankreich stützten den Euro zunächst nicht. Im Vormittagshandel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1298 US-Dollar. Sie notierte etwas niedriger als noch im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1318 Dollar festgesetzt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1861
Differenz relativ
+0,34%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.645,75
Differenz relativ
+0,82%

Und auch der Dax fiel im Vormittagshandel zeitweise um knapp zwei Prozent auf 12.250 Punkte. Zuletzt konnte er sich aber wieder leicht erholen.

tb

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"Vor Absturzgefahren in Acht nehmen" Stimmen zum Ifo-Index

Dr. Friederike Köhler-Geib

Friederike Köhler-Geib, KfW
"Die Unternehmen arbeiten sich Stück für Stück aus dem tiefen Rezessionstal heraus. Ihre Stimmung steigt zum zweiten Mal kräftig an. Der Weg zurück nach oben folgt jedoch einem schmalen Pfad, auf dem man sich trotz massiver wirtschaftspolitischer Sicherungsmaßnahmen jederzeit vor Absturzgefahren in Acht nehmen muss."