Ifo-Geschäftsklimaindex Mai 2020

Nach katastrophalem Vormonat Ifo-Geschäftsklima: Stimmung erholt sich

Stand: 25.05.2020, 10:41 Uhr

Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen hat sich wieder etwas erholt. Besonders die Erwartungen hellten sich im Mai deutlich auf, wie die neueste Umfrage des Münchener Ifo-Instituts zeigt.

Danach ist der Geschäftsklimaindex im Mai um 5,3 Punkte auf 79,5 Punkte gestiegen, nach 74,2 Punkten im April. Volkswirte hatten im Mittel mit einem Zuwachs auf 78,5 Punkte gerechnet. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich deutlich. Mit 80,1 Punkten übertrafen sie ebenfalls die Prognosen der Ökonomen, die nur mit 75 Punkten gerechnet hatten.

Die aktuelle Lage beurteilten die Unternehmen allerdings nochmals etwas schlechter (78,9 Punkte) als im April. Dennoch zeige das Ergebnis der jüngsten Umfrage, dass die ersten Lockerungen für einen Hoffnungsschimmer sorgen, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Dass der Geschäftsklimaindex sich wieder verbessert hat, ist laut Ifo vor allem dem verarbeitenden Gewerbe zu verdanken. Von Optimismus seien die Industriefirmen aber noch weit entfernt, warnen die Konjunkturforscher.

Erste Hoffnungsschimmer

Auch im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima nach dem historischen Tief im April wieder merklich verbessert. Das liege an deutlich gestiegenen Erwartungen, aber die Dienstleister schätzten auch ihre aktuelle Lage etwas besser ein, so das Ifo-Institut. Dennoch überwiege bei den Unternehmen noch immer der Pessimismus.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts: katastrophale Stimmung in den Chefetagen. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Im Handel ist der Geschäftsklimaindex ebenfalls deutlich gestiegen. Hier haben sich sowohl die Lageeinschätzungen als auch die Erwartungen spürbar erholt. "Insbesondere im Einzelhandel verbessern die Lockerungen die Stimmung", sagte Fuest.

Hoffnung gibt es auch im Bauhauptgewerbe. Hier ist der Index wieder gestiegen, nachdem er zuletzt mehr als ein halbes Jahr gefallen war. Grund hierfür war ein historischer Anstieg der Erwartungen. Die aktuelle Lage schätzten die Baufirmen etwas schlechter ein.

Noch keine Rückkehr zur Normalität

Die Viruskrise trifft die Konjunktur mit voller Wucht. Sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Investitionen ließen die deutsche Wirtschaft bereits zum Jahresanfang einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Januar bis März um 2,2 Prozent zum Vorquartal und damit so stark wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 nicht mehr. Im laufenden zweiten Quartal dürfte das BIP wegen des Lockdowns noch deutlich stärker schrumpfen. Erst danach rechnen Fachleute mit einer allmählichen Erholung.

Die Lockerungsmaßnahmen haben die Stimmung der deutschen Unternehmen zwar etwas verbessert, so dass es Hoffnung gibt, dass die Wirtschaft das Tief hinter sich gelassen hat, erklärt Ulrich Wortberg von der Helaba. Von einer Rückkehr zur Normalität könne allerdings noch nicht gesprochen werden, weil das Stimmungsniveau weiterhin sehr niedrig sei. So liege der Gesamtindex unterhalb des bisherigen Rekordtiefs, das während der Finanzkrise im Jahr 2009 erreicht wurde (79,9).

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Dax und Euro legen zu

Der Dax reagierte mit leichten Aufschlägen auf die Ifo-Daten, kletterte über die Schwelle von 11.200 Punkten. Auch der Euro legte etwas zu und nähert sich der Marke von 1,09 Dollar.

lg

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"Noch keine Rückkehr zur Normalität" Stimmen zum Ifo-Index

Dr. Klaus Wohlrabe, Ifo-Institut

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe
"Die deutsche Wirtschaft sieht wieder Licht am Ende des Tunnels." Wie lange es dauern werde, bis sie aus dem Tunnel herauskomme, lasse sich an der jüngsten Konjunkturumfrage aber nicht ablesen. Auch die Erwartungen an den Export, in den vergangenen Jahren die Stütze der Konjunktur, hätten sich leicht verbessert, sagte Wohlrabe. "Die Unternehmen gehen weiter von Exportrückgängen aus, aber nicht mehr in ganz so dramatischem Ausmaß wie im Vormonat."