Ifo Geschäftsklimaindex Juli 2020

"Schrittweise Erholung" Ifo-Geschäftsklima: Dritter Anstieg in Folge

Stand: 27.07.2020, 10:40 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hellt sich im Juli weiter auf. Auch die Geschäftsaussichten und ihre Lage schätzen die vom Ifo-Institut befragten Manager günstiger ein.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juli legte auf 90,5 Zähler von 86,3 Punkten im Juni zu, wie das Münchner Ifo-Institut am Vormittag mitteilte. Es ist der dritte Anstieg in Folge: "Die deutsche Wirtschaft erholt sich schrittweise", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg auf 89,3 Punkte gerechnet. Die vom Ifo befragten Manager schätzten ihre Geschäftsaussichten und auch ihre Lage günstiger ein als zuletzt.

Dritter Anstieg in Folge

Es ist der dritte Anstieg des wichtigen Konjunkturindikators in Folge, nachdem er im März und April krisenbedingt drastisch eingebrochen war. In der Industrie wird die aktuelle Lage nicht mehr ganz so schlecht eingeschätzt wie in den Vormonaten. Zudem erwarten die Unternehmer in den kommenden Monaten bessere Geschäfte. Die Kapazitätsauslastung konnte von 70,4 auf 74,9 Prozent gesteigert werden. Sie liegt aber immer noch erheblich unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 83,5 Prozent.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindex nach einem starken Anstieg wieder im positiven Bereich angekommen. Die Dienstleister waren merklich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Zudem verbesserte sich der Ausblick auf die kommenden Monate deutlich.

Auch Handel und Baugewerbe laufen besser

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Auch im Handel setzte sich die Aufwärtsbewegung fort. Die Händler korrigierten ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage und die Erwartungen für die kommenden Monate merklich nach oben. Vor allem im Einzelhandel hat sich die Lage verbessert. Im Baugewerbe hellt sich das Klima ebenfalls weiter auf. Die Firmen waren mit ihrer aktuellen Lage zufriedener. Auch ihre Erwartungen fielen weniger pessimistisch aus.

Mit der Lockerung der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie hat die wirtschaftliche Erholung im Juli etwas Fahrt aufgenommen. Der Weg bleibt aber steinig. So folgt die Erholung auf einen beispiellosen Konjunktureinbruch im Frühjahr. Ökonomen gehen davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 9,0 Prozent geschrumpft ist.

Noch keine Rückkehr zur Normalität

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sieht keinen Grund zur Freude. "Die Unternehmen sind deutlich weniger zuversichtlich als die Aktienmärkte", betont er. Die Laune bessere sich zwar, allerdings nur behäbig. Vorsicht sei auch angebracht: Die Corona-Pandemie sammele derzeit neue Kraft, und der USA-China-Konflikt belaste.

Optimistischer beurteilt Patrick Boldt von der Helaba die Lage. "Das schlimmste der Krise scheint hinter uns zu liegen, und die Daten geben Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung", kommentierte er die Ifo-Daten. Bis zur Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten dürfte jedoch noch etwas Zeit vergehen, so Boldt.

Dax legt zu

Die Corona-Krise traf die Konjunktur mit voller Wucht. Sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Investitionen ließen die deutsche Wirtschaft bereits zum Jahresanfang einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Januar bis März um 2,2 Prozent und damit so stark wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 nicht mehr.

Im Sog überraschend guter Stimmungssignale aus der deutschen Wirtschaft hat der deutsche Leitindex Dax seine Lethargie ein Stück weit abgeschüttelt und drehte in der Spitze bis zu ein halbes Prozent ins Plus auf 12.908 Punkte. Zuvor hatte er noch leicht nachgegeben und damit an den schwachen Freitag angeknüpft. Der Euro reagierte kaum, notiert aber weiter oberhalb der am Morgen durchbrochenen Schwelle von 1,17 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1707
Differenz relativ
-0,54%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.594,39
Differenz relativ
+0,41%

lg

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"Noch ein gutes Stück vom Normalzustand entfernt" Stimmen zum Ifo-Index

Andreas Scheuerle, Deka Bank

Andreas Scheuerle, Dekabank
"Die Erholung schreitet voran, doch es ist weiterhin Sand im Getriebe. Darauf deutet die zähe Verbesserung bei der Lagebeurteilung in den letzten Monaten hin. Die Produktionstätigkeit wird Stück für Stück wieder hochgefahren, aber infolge der Gesundheitsschutzmaßnahmen, des Kostendrucks und der geschwächten globalen Nachfrage lässt die Normalität noch auf sich warten. Ob die Lage den hohen Erwartungen gerecht werden kann, ist alles andere als sicher: Steigende Infektionszahlen – nicht nur weltweit, sondern auch in Teilen Europas –, der US-amerikanisch-chinesische Konflikt sowie der Brexit haben das Potenzial, den Unternehmen die Stimmung und die Geschäfte zu vermiesen."