Ifo-Geschäftsklimaindex April 2020

"Katastrophale Stimmung" Ifo-Geschäftsklima: Kein Boden in Sicht

Stand: 24.04.2020, 10:41 Uhr

Gestern sackte das GfK-Konsumklima auf ein Rekordtief, heute folgt das Ifo-Geschäftsklima in tiefste Tiefen nach. Nicht nur Verbraucher, auch die Chefetagen sind also in der schlechtesten Stimmung, die je gemessen wurde.

Die Corona-Krise drückt die Stimmung in den deutschen Chefetagen auf ein historisches Tief. Der Geschäftsklimaindex für April fiel auf 74,3 Punkte von 85,9 Zählern im März. Dies ist der niedrigste jemals gemessene Wert. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 80,0 Punkte gerechnet.

Der Index der Geschäftserwartungen liegt bei 69,4 Punkten und die Lageeinschätzungen belaufen sich auf 79,5 Punkten. Das heißt, die vom Ifo-Institut befragten Manager schätzten ihre Lage schlechter ein und blicken auch skeptischer in die Zukunft. "Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Coronakrise treffe die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts: katastrophale Stimmung in den Chefetagen. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Krise ist das neue Normal

Laut den Münchner Forschern waren etwa 20 bis 25 Prozent der Antworten der Befragung nach der Mitte des Monats erfolgten Ankündigung der Lockerung des Shutdowns eingegangen. Die Viruskrise trifft die Wirtschaft hierzulande und im gesamten Euroraum derzeit mit voller Wucht. Fast ein Fünftel der deutschen Unternehmen plant laut Ifo-Institut im Zuge der Virus-Krise einen Stellenabbau.

Die Stimmungseintrübung bei deutschen Unternehmen hat sich fortgesetzt, meint Helaba-Experte Ulrich Wortberg. "Die Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivitäten dürfte in Zukunft zwar helfen, mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität ist aber nicht zu rechnen."

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Ein Tiefpunkt, und dann nochmal ein niedrigerer Tiefpunkt

Der Dax reagierte mit leichten Abschlägen auf die frischen Ifo-Daten. Auch der Euro gab etwas nach. Allerdings hatten beide bereits zuvor tief im Minus gestanden. Hinzu kommt, dass der Markt mit einer negativen Überraschung sozusagen gerechnet haben dürfte.     

Am Donnerstag war das GfK-Konjunkturbarometer ebenfalls auf ein Rekordtief gesunken. Das Konsumklima befinde sich derzeit im freien Fall, wie GfK-Experte Rolf Bürkl betont hatte.  

ts

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"Wir werden alle ärmer werden" Stimmen zum Ifo-Index

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank
"Der Index liegt nun deutlich unter den Werten des Jahres 2009. Das zeigt dann auch, was uns in den kommenden Monaten noch erwartet. Die einfache Botschaft lautet: Massive Einkommensverluste stehen bevor. Wir alle werden ärmer werden. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für sämtliche Volkswirtschaften. Manchmal ist es besser, die ungeschminkte Wahrheit zu hören. Die deutsche Konjunktur wird noch längere Zeit mit dem Corona-Virus zu kämpfen haben. Doch selbst, wenn die Pandemie mittels eines Impfstoffes überwunden wurde, werden die Langzeitfolgen immens sein. Lieferketten dürften hinterfragt werden. De-Globalisierungstendenzen könnten sich verstärken."