Ifo-Geschäftsklimaindex März 2020

Riesige Unsicherheit Ifo: Die Chefetagen fürchten eine kräftige Rezession

Stand: 19.03.2020, 10:40 Uhr

Die Corona-Krise schürt in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft ernste Rezessionssorgen. Der Geschäftsklimaindex sinkt auf den niedrigsten Wert seit 2009.

"Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die vom Institut ermittelten Daten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im März auf 87,7 Punkte, nach 96,0 Zählern im Februar, wie das Münchner Ifo-Institut nach vorläufigen Ergebnissen zur Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Dies ist der stärkste Rückgang seit 1991 und der niedrigste Wert seit August 2009.

Zwischen schlimm und nicht ganz so schlimm  

Wegen der weltweiten Auswirkungen des Coronavirus befürchten die meisten Ökonomen 2020 erwartungsgemäß für die exportlastige deutsche Wirtschaft einen deutlichen Konjunktureinbruch. In der Finanzkrise 2009 war die Konjunktur um fast sechs Prozent eingebrochen.

Ausgeschlossen ist das auch in diesem Jahr nicht. Bei größeren Produktionseinschränkungen sei ein Einbruch der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent denkbar, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Donnerstag in München. Wenn es nicht ganz so schlimm werde, könne das Minus bei nur 1,5 Prozent liegen.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. | Bildquelle: Ifo-Institut

"Sowohl die Unsicherheit als auch die Abwärtsrisiken sind sehr groß", sagte Fuest. "Niemand weiß genau, wie sich die Absagen und Schließungen wirtschaftlich auswirken." Der weitere Verlauf der Konjunktur hänge stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie und von Entscheidungen in anderen Ländern ab.

Nur vorläufige Daten

Das Ifo-Institut will die endgültigen Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage am 25. März bekanntgeben. "Angesichts der ungewöhnlichen Lage" wegen der Virus-Pandemie legten die Münchner Forscher nun erstmals seit Beginn der Erhebung 1949 vorläufige Daten vor. Für das Geschäftsklima werden Manager aus Industrie, Dienstleistungssektor, Baubranche sowie Groß- und Einzelhandel gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen.

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Der Dax reagiert praktisch nicht auf die aktuellen Ifo-Daten. Das ist auch kaum überraschend, denn dass eine scharfe Rezession zu befürchten steht, ist allgemein bekannt.

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Dr. Friederike Köhler-Geib

Friederike Köhler-Geib, KfW:
"Der Einbruch beim vorläufigen Ifo-Geschäftsklima ist zwangsläufig, denn die ökonomischen Kosten der Corona-Krise sind allgegenwärtig. Durch die soziale Distanzierung zur Eindämmung des Virus müssen viele Dienstleistungsunternehmen das Geschäft zeitweise komplett einstellen. Aber auch die Industrie leidet durch einen Nachfrageeinbruch, den Ausfall von Mitarbeitern und gestörte Lieferketten.

Dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 10 bis 15 Prozent einbricht, ist leicht vorstellbar. Problematisch ist vor allem die enorme Unsicherheit darüber, ab wann eine Rückkehr zur Normalität möglich sein wird. Die Bundesregierung hat dafür gesorgt, dass die KfW zusammen mit der Kreditwirtschaft die Unternehmen schnell, effektiv und unkompliziert mit Liquidität versorgen kann."