ZEW-Konjunkturindex Juni 2018: -8,2
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ZEW-Index trübt sich ein Handelsstreit dämpft Konjunkturstimmung

Stand: 12.06.2018, 11:31 Uhr

Die Finanzprofis sehen zunehmend dunklere Wolken am Horizont. Wegen Italien und des Trump-Protektionismus beurteilen sie die Konjunktur-Aussichten skeptischer. Das lässt sich am neuesten ZEW-Index ablesen.

Das vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Barometer für die Konjunkturerwartungen sackte im Juni um 7,9 Zähler auf minus 16,1 Punkte ab. Das ist der tiefste Stand seit September 2012.

Die gegenwärtige Lage schätzen die Experten ebenfalls schlechter ein als zuletzt. Der ZEW-Index für die Lagebewertung sank auf 80,6 Punkte. Volkswirte hatten 85,0 Zähler prognostiziert.

"Handelskonflikt und Italien hinterlässt Spuren"

"Die jüngste Eskalation im Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten sowie Befürchtungen hinsichtlich einer das Finanzsystem destabilisierenden Politik der neuen italienischen Regierung hinterlassen ihre Spuren im Konjunkturausblick", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Hinzu seien schlechter als erwartete Daten für Exporte, Produktion und Aufträge der deutschen Industrie für April gekommen. "Der Ausblick für die nächsten sechs Monate hat sich in Folge deutlich verschlechtert."

Dax gibt Gewinne ab

Der ZEW-Index bremste die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Der Dax gab seine Kursgewinne fast vollständig auf. Der Euro hielt sich bei knapp unter 1,18 Dollar.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Jeden Monat befragt das ZEW 207 Analysten und Anlegern zu ihren Konjunktureinschätzungen. Die Umfrage ist neben dem Ifo-Index einer der wichtigsten Frühindikatoren in Deutschland.

nb

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Stimmen zum ZEW-Index "Hinweise auf verlangsamtes Wachstum"

Jens Kramer, Ökonom bei der NordLB

Jens Kramer, Ökonom der NordLB:
"Zum Zeitpunkt der Erhebung - die  Rückmeldungen mussten beim ZEW spätestens am gestrigen Nachmittag eingehen - konnte die geopolitische Drohkulisse kaum erschreckender sein. US-Präsident Trump hat handstreichartig jede auch noch so minimalistische Übereinkunft zwischen seinem Land und den übrigen großen Industrienationen gesprengt und dabei eimerweise Öl in den Schwelbrand eines drohenden Handelskriegs gegossen. In Italien wiederum erschüttert eine panpopulistische  Regierung mit ihrer wirren Politagenda den allerletzten Glauben an Nachhaltigkeit und Stabilität in dem bis über beide Ohren verschuldeten Land - und an die europäische Solidarität. Daran gemessen überrascht die vom ZEW berichtete Stimmungseintrübung nicht. Ein Blick auf einige Details der Umfrage offenbart, dass den befragten Finanzmarktexperten insbesondere die Ereignisse in Italien die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben haben. Die Konjunkturerwartungen für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone brachen geradezu dramatisch um 31,7 auf minus 48,4 Punkte ein. Ob und wie sehr die sich in Rom zusammenbrauende Mixtur aus Euroskepsis, Fremdenfeindlichkeit und ungesunder Verschuldungspolitik dem gemeinsamen Währungsraum zusetzt, wird sich noch zeigen."