Christine Lagarde

EZB in der Corona-Krise Härteprobe für Lagarde

Stand: 10.03.2020, 15:47 Uhr

Schneller als gedacht muss die neue EZB-Präsidentin Farbe bekennen. Der Finanzmarkt schaut am Donnerstag auf Christine Lagarde wie noch nie. Die Signale, die sie sendet, können Entlastung bei den Konjunktursorgen bringen - oder sie verschärfen.

Keine leichte Aufgabe für Lagarde, wenn am Donnerstag die EZB zu einer geldpolitischen Sitzung zusammen tritt. Der Druck auf die EZB-Präsidentin ist immens, die Corona-Krise erfordert rasches und konsequentes Handeln, auch von der Notenbank. Aber welche Maßnahmen auch von der EZB beschlossen werden: Ob die Märkte in der gewünschten Richtung reagieren, ist bei keinem Maßnahmenpaket sicher.

Kleine Spielräume kreativ nutzen

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Unter Handlungsdruck setzt die Präsidentin vor allem die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank Fed. Auch sie muss nun ein Zeichen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie setzen, das erwartet der Markt.

Was sich nun hinter den "angemessenen und gezielten Maßnahmen" verbirgt, die Lagarde bereits in Aussicht gestellt hat, darüber wird heftig spekuliert. Angesichts rekordniedriger Leitzinsen bei de facto null ist der Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik klein geworden.

Experten erwarten aber, dass die Notenbank den bereits negativen Einlagenzins für Geschäftsbanken weiter senken wird. Wie stark, darüber sind sie sich nicht einig. Am Markt wird mehrheitlich damit gerechnet, dass der Einlagensatz für Banken von minus 0,50 auf minus 0,60 Prozent gesenkt wird. Würden die Zinsen noch weiter gesenkt, könnte das die Kreditvergabe durch die Banken noch stärker ankurbeln und würde Lagarde etwa nach Ansicht von Wolfgang Bauer, Fondsmanager im Anleiheteam von M&G-Investments, einen Star-Status verschaffen. Allerdings nur, wenn auch der gewünscht Effekt eintritt.

Wie weit werden die Käufe ausgeweitet?

Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer geht davon aus, dass die EZB auch eine Ausweitung der monatlichen Anleihenkäufe auf 40 von derzeit 20 Milliarden Euro für einen begrenzten Zeitraum von etwa sechs Monaten beschließt. "Die Notenbank dürfte dabei auf ihre Flexibilität verweisen, die es ihr ermöglicht, vorübergehend verstärkt Unternehmensanleihen oder etwa italienische Staatsanleihen zu kaufen, deren Kurse zuletzt gelitten hatten." Die Renditeaufschläge italienischer Staatspapiere zu vergleichbaren Bundesanleihen sind in Folge der Viruskrise zuletzt auf den höchsten Stand seit fast acht Monaten geklettert. Die US-Investmentbank JPMorgan rechnet mit einer Ausweitung der monatlichen Anleihenkäufe auf 30 Milliarden Euro für drei Monate. Auch wäre eine weitere Aufstockung auf bis zu 100 Milliarden Euro für einen gewissen Zeitraum im Bereich des Möglichen.

Hilfe für den Mittelstand

Nicht zuletzt gehen viele Volkswirte davon aus, dass die EZB zielgerichtete Langfrist-Geldspritzen (TLTRO) für Banken beschließt. Mit diesen soll dann speziell die Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen angekurbelt werden, die von der Krise besonders betroffen sind.

Handeln ist angesagt

Die Anreize für Banken müssten aber "sehr großzügig" sein, damit solche Firmen auch Kredite erhielten, so die US-Großbank. All diese Maßnahmen würden zudem auch darauf abzielen, die Finanzmärkte zu beruhigen. Psychologie ist in der derzeitigen Situation fast alles. Das denkt auch Reinhard Cluse, Volkswirt der Schweizer Großbank UBS: "Wir glauben, dass die Glaubwürdigkeit der EZB leiden würde, falls nicht rechtzeitig etwas kommt."