Jerome Powell und die Zinsen

Marktspekulationen Globale Zinssenkung am Mittwoch?

Stand: 02.03.2020, 08:31 Uhr

Der ehemalige US-Notenbank-Insider und Top-Ökonom der US-Bankenlobby Bill Nelson hat infolge der Coronavirus-Angst eine globale Zinssenkung der Zentralbanken vorausgesagt. Auch aus Japan gibt es Signale.

BOJ-Chef Haruhiko Kuroda sagte in einer Eilmeldung am Montag, die Zentralbank werde die notwendigen Schritte unternehmen, um die durch den Ausbruch des Coronavirus erschütterten Märkte zu stützen. "Die BOJ wird die Entwicklungen aufmerksam verfolgen und sich bemühen, die Märkte zu stabilisieren und ausreichende Liquidität über Marktoperationen und Ankäufe von Vermögenswerten zu bieten", sagte er.

Kurodas Äußerung folgt der Äußerung des Vorsitzenden der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, der sich am Freitag ähnlich zur US-Geldpolitik geäußert hatte. Der ehemalige Fed-Banker Bill Nelson geht von einer globalen Zinssenkung der Zentralbanken am Mittwoch aus.

Japanische Zentralbank in Tokio

Japanische Zentralbank in Tokio. | Bildquelle: picture alliance/Jiji Press Photo

Immer wieder Mittwochs…

Sollte sie stattfinden, erwartet Nelson eine Senkung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt. Seiner Ansicht nach werde die Maßnahme diesen Mittwoch, den 4. März, noch vor Öffnung des US-Aktienmarktes verkündet.

Nelson wies darauf hin, dass vorherige großen koordinierten Aktionen im Dezember 2007, Oktober 2008 und November 2011 alle an einem Mittwoch stattfanden. Die Entscheidung werde laut Nelson auch einen Leitfaden ("forward guidance") in Bezug auf künftige geldpolitische Maßnahmen enthalten. Seine prognostizierte Zinssenkung schränkte Nelson jedoch ein: "Wenn die Märkte am Montag und Dienstag ruhig sind, bin ich mir nicht sicher, was passieren wird."

Was würde eine Lockerung bringen?

Wirtschafts- und Finanzkrisen werden typischerweise durch Engpässe in der Geldversorgung verrschärft. So kam in der jüngsten Finanzkrise das Interbankengeschäft zeitweise völlig zum Erliegen. Geldspritzen der Notenbanken versprechen hier Linderung. Für die Finanzmärkte wäre vor allem die psychologische Wirkung wichtig. Die Notenbanken würden signalisieren, dass sie die Märkte für die Dauer der Krise stützen wollen.

Keine Zinssenkung: Null Prozent

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Eine Zinssenkung der Fed wird aller Wahrscheinlichkeit nach im März ohnehin kommen. An den US-Börsen wird inzwischen fest damit gerechnet. Nach den jüngsten Daten des Fed-Barometers der Terminbörse CME rechnen Investoren inzwischen zu 100 Prozent damit, dass die Fed am 18. März ihre Leitzinsen um mindestens um 25 Basispunkte herabsetzt. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie nicht an den Zinsen rüttelt, wird dagegen bei null Prozent gesehen.

Die Federal Reserve hatte im vergangenen Jahr drei Mal ihre Zinsen nach unten gesetzt. Aktuell liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent.

In Erwartung der Zinssenkung der US-Notenbank Fed kaufen Anleger Gold. Das häufig als Inflationsschutz dienende Edelmetall verteuert sich um 1,2 Prozent auf 1603,10 Dollar je Feinunze.

ts/rtr