GfK-Konsumklima-Index Juni 2018 10,7
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Italien am Horizont GfK: Kauflaune leicht eingetrübt

Stand: 24.05.2018, 09:11 Uhr

Die Summe der weltpolitischen Krisen und Probleme hinterlässt langsam Spuren. Das GfK-Verbrauchervertrauen sinkt zum zweiten Mal in Folge. Anlass zur Sorge gebe es aber noch nicht, meint GfK-Experte Rolf Bürkl. Das könnte sich aber bald ändern.

Die Nürnberger GfK-Marktforscher prognostizieren für Juni einen Rückgang ihres Konsumbarometers zum Vormonat um 0,1 auf 10,7 Punkte. "Das Niveau des Indikators ist aber nach wie vor gut", sagte GfK-Fachmann Bürkl. 2.000 Verbraucher werden monatlich nach ihrer Stimmung befragt. "Die Konjunktur- und Einkommensaussichten zeigen sich im Mai auf gutem Niveau stabil, während die Kauflaune etwas weniger euphorisch ist", ergänzt Bürkl.

Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch US-Präsident Donald Trump habe die Stimmung der Konsumenten nicht sonderlich beeinträchtigt. "Die Verschärfung der geopolitischen Lage sehen die deutschen Konsumenten im Großen und Ganzen noch gelassen", betonte Bürkl.

Italien-Szenario mit Sprengkraft

Der Teilindikator zur Konjunktur verharrte bei 37,4 Punkten. "Allerdings zeigt der Verlauf des Indikators seit Anfang des Jahres, dass nach Einschätzung der Konsumenten die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland etwas nachlassen könnte", sagte Bürkl. Die Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 0,3 Prozent und damit nur halb so stark wie noch Ende 2017.

Die Erwartungen an das künftige Einkommen stiegen um 0,7 auf 54,2 Zähler und halten damit laut GfK ihr "exzellentes Niveau". Nur die Bereitschaft für größere Einkäufe ließ leicht nach. Hier sank das Barometer um 4,1 auf 55,9 Punkte. Trotzdem sei diese sogenannte Anschaffungsneigung weiter auf einem sehr hohen Stand.

»Wenn die Regierung in Rom zustande kommt und auch tatsächlich ihr Programm umsetzt, wird das zum einer Explosion der Verschuldung in Italien führen. Das wäre eine Politik, die in eine neue europäische Finanzkrise hineinlaufen würde - in einigen Faktoren verschärfter als die in Griechenland.«

Rolf Bürkl, GfK-Konsumforscher

Gestern hatte der GfK-Konsumforscher Bürkl vor schweren wirtschaftlichen Folgen der künftigen italienischen Koalitionsregierung aus Fünf-Sterne-Partei und fremdenfeindlicher Lega gewarnt. "Italien könnte größere Sprengkraft entfalten als andere Krisenherde."

ts

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Die wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren boerse.ARD.de erklärt

Ifo-Geschäftsklimaindex
Der weitaus wichtigste konjunkturelle Frühindikator in Deutschland ist der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Börsianer den Index, der gegen Ende jedes Monats veröffentlicht wird.

Für den Index befragen die Wirtschaftsforscher rund 9.000 deutsche Unternehmen, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate einschätzen. Die Gegenwart müssen die Unternehmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen. Bei dem Blick in die nahe Zukunft darf es gemäß Fragebogen "besser", "gleich" oder "schlechter" laufen. Das Ifo-Institut saldiert die Prozentanteile der positiven und negativen Antworten, gewichtet diese nach Branchen und bildet dann den Mittelwert. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zum Basisjahr 2015 gesetzt.

Die Marktteilnehmer blicken fast ausschließlich auf die Veränderung des Gesamtindex im Vergleich zum Vormonat. Steigt der Index, hellt sich die Konjunkturlage in Deutschland auf. Sinkt er, trüben sich die Aussichten ein. Als besonders aussagekräftig gilt die Tendenz über mehrere Monate. Steigt der Ifo-Index drei Mal in Folge, lässt dies einen Konjunkturaufschwung erwarten.