Sicht von unten auf den Eiffelturm vor sonnigem Himmel

Hoher Staatsanteil treibt die Wirtschaft Frankreich ist Europas neuer Motor

Stand: 07.11.2019, 16:28 Uhr

Langezeit stand Frankreich im Schatten des wirtschaftlich starken Deutschlands. Doch nun geht es mit unserem westlichen Nachbarn bergauf, während die deutsche Wirtschaft auf der Stelle tritt. Allerdings zahlen die Franzosen einen Preis dafür.

Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone - nach Deutschland. In letzter Zeit zeichnet sich aber ein Trend ab, der dafür spricht, dass Frankreich in Sachen Wachstum nicht nur Deutschland, sondern auch die Eurozone übertreffen wird. Das geht aus einer Analyse der Nachrichtenagentur "Bloomberg" hervor.

Nach monatelangem Streit deutet China aktuell an, eine Einigung im Zollstreit mit den USA erzielt zu haben. Den Auswirkungen des Handelskonflikts scheint Frankreich besser getrotzt zu haben als Deutschland. Wie die Grafik zeigt, stieg das französische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 um 0,2 Prozentpunkte stärker als in Deutschland. In den folgenden Jahren wird das Wachstum in Frankreich laut der Prognose um bis zu 0,8 Prozentpunkte stärker steigen als in Deutschland. Auch im Vergleich zur Eurozone wächst Frankreich überdurchschnittlich.

Frankreich mit wachsendem BIP

Frankreich übernimmt die Führung. | Bildquelle: Nationale Statistikämter, Bloomberg

Macrons Reformen tragen Früchte

Die Wirtschaftsreformen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron tragen mittlerweile erste Früchte. Die Reformen sollen Wachstum auf lange Sicht fördern. Zudem tragen Steuersenkungen und eine geringere Abhängigkeit von Exporten zum Erfolg bei. "Was die Wirtschaftspolitik in Frankreich betrifft, müssen wir einen Daumen nach oben geben", erklärte Berenberg-Ökonom Florian Hense bei "Bloomberg".

Seit Macron die Unternehmenssteuern gesenkt und die Arbeitsgesetze geändert hat, steigen die Privatinvestitionen und die Beschäftigung in Frankreich enorm.

Erholung in Frankreich, Stagnation in Deutschland

Wie die Wirtschaftsweisen am Mittwoch in ihrem Jahresbericht schrieben, stehe Deutschland zwar vor keiner tiefergehenden Rezession, Aussicht auf schnelle Besserung gebe es aber nicht. Gleichzeitig erholt sich die französische Wirtschaft, was europaweite Auswirkungen auf politischer Ebene haben könnte. Macron gewinnt damit Boden, um seine Agenda weiter voranzutreiben.

Neben einer aktiveren Industriepolitik und der Schaffung von "European Champions" im Wettbewerb mit den USA oder China fordert der Staatschef eine stärkere Lastenverteilung zwischen den Mitgliedsstaaten der EU.

Wachstum teils schuldenfinanziert

Die derzeitige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) spielt Frankreich laut Axa-Chefökonom Gilles Moec in die Hände. Da Investitionen in unserem Nachbarland größtenteils durch Kredite finanziert würden, fördere dies das Wirtschaftswachstum.

Skyline von La Defense, Paris

Das Wachstum stimmt, aber die Verschuldung ist beachtlich. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bis Frankreich sich wirtschaftlich wirklich mit Deutschland messen kann, hat es aber noch einen weiten Weg vor sich. Jährlich verbraucht der französische Staat selbst 56 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dementsprechend hoch fällt auch die Staatsverschuldung aus, die in Frankreich beinahe 100 Prozent des BIP beträgt.

Die Arbeitslosenquote in Frankreich ist noch gut doppelt so hoch wie in Deutschland. Derzeit sinkt sie aber. Die Regierung weist darauf hin, dass seit der Änderung der Arbeitsgesetze der Anteil neuer Arbeitsplätze mit unbefristeten Verträgen gestiegen sei.

Deutlicher Anstieg bei Unternehmensgründungen

Die fünfjährige Amtszeit Macrons ist erst zur Hälfte vorbei - bisher hat er viel erreicht. Nicht nur die Investitionen sind gestiegen, auch die Zahl der Neugründungen ist seit seinem Amtsantritt in die Höhe geklettert. Insbesondere die Zahl der Start-ups nahm deutlich zu.

Unternehmensgründungen in Frankreich und die Wahl Macrons

Unternehmensgründungen in Frankreich. | Bildquelle: Insee/Bloomberg, picture alliance/Hector Retamal/AP/dpa, Montage: boerse.ARD.de

Im vergangenen Monat erklärte Finanzminister Bruno Le Maire im französischen RTL Radio: "Nichts wird uns davon abhalten, das Land zu verändern. Emmanuel Macron wurde dafür gewählt."

ms