Präsident der Federal Reserve Jerome Powell
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Nur zwei Zinsschritte 2019 Fed tritt leicht auf die Bremse

Stand: 19.12.2018, 20:05 Uhr

Wie erwartet hat die US-Notenbank am Mittwochabend deutscher Zeit eine weitere Leitzins-Anhebung beschlossen. Spannender für die Finanzmärkte war allerdings die Vorgabe für das kommende Jahr. Denn die bedeutet eine sanftere Zinspolitik.

Trotz harscher Kritik aus dem Weißen Haus schraubt die US-Notenbank Fed den Leitzins weiter in die Höhe und will 2019 nachlegen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld steigt um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, wie die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch mitteilten.

Wirtschaft nicht abbremsen

Es ist angesichts der boomenden Wirtschaft bereits der vierte Schritt nach oben in diesem Jahr. 2019 sollen nur noch zwei Anhebungen folgen. Im September hatte die Fed noch drei Erhöhungen signalisiert. Powell hatte jüngst betont, die Fed nähere sich einem Zinsniveau, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde. Daher sei nun ein behutsames Vortasten ratsam.

Kurz vor Beginn der Zinssitzung hatte US-Präsident Donald Trump erneut versucht, die unabhängigen Währungshüter unter Druck zu setzen. Per Twitter warnte er die Fed davor, die an den Finanzmärkten erwartete Zinsanhebung zu beschließen. Die Notenbanker dürften keinen "weiteren Fehler" machen.

Auswirkungen des Handelsstreits

Mit der langsameren Zinsanhebung im kommenden Jahr reagiert die US-Notenbank auch auf die etwas ungünstigeren Konjunkturaussichten - in den USA, aber auch rund um den Globus. Ein zu schneller Zinsanstieg könnte die fragile Wirtschaft zu sehr abbremsen. Einige Experten gehen davon aus, dass die USA, aber auch Europa vor einer möglichen Rezession stehen. Dabei spielen auch die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China eine Rolle.

Am Aktienmarkt sorgte die Zinsentscheidung zunächst für wenig Bewegung. Der Dow-Jones-Index in New York gab allerdings einen Großteil seiner Tagesgewinne wieder ab. Der Dax notierte im abendlichen Späthandel wenig verändert. Am Devisenmarkt rutschte der Euro wieder unter die Marke von 1,15 Dollar.

AB

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Stimmen zum US-Zinsentscheid Experten sehen die Fed auf Kurs, Märkte besorgt

Friedrich Heinemann, ZEW

Friedrich Heinemann (ZEW):
"Es ist richtig, dass die Fed auf Normalisierungskurs bleibt und sich weder von der Polemik aus dem Weißen Haus oder schlechteren Konjunkturdaten davon abhalten lässt. Die Fed leistet mit dieser beharrlichen Politik einen wichtigen Beitrag für eine höhere Resilienz der US-amerikanischen Volkswirtschaft in der nächsten Krise. Anders als die Europäische Zentralbank hat die Fed im nächsten Abschwung wieder einen nennenswerten Spielraum in der Zinspolitik.

Und der stetige Bilanzabbau ist ein Signal an den Kongress, dass sich dieser nicht auf eine ewige monetäre Finanzierung der Haushaltsdefizite verlassen darf. Solche klare Signale an die Haushaltspolitiker würde man sich auch für Europa wünschen."