Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Geldpolitik Fed: Pump up the Volume

Stand: 10.06.2020, 17:30 Uhr

Die EZB wird wegen ihrer Anleihenkäufe kritisiert. Doch die amerikanische Notenbank Fed pumpt noch viel mehr Geld in die Märkte. Die kurzfristigen Folgen sind relativ klar: steigende Aktienkurse. Wir alle sind gespannt auf die langfristigen. Heute erwarten wir den neuen Fed-Zinsentscheid.

Seit Mitte März stieg die Bilanzsumme der US-Notenbank Fed von 4,2 auf 7,1 Billionen Dollar, also 7.100 Milliarden. Denn um den Corona-Schock der Weltwirtschaft zu mindern, setzen Notenbanken vor allem auf Liquidität. So hat die Fed ihren Leitzins auf fast Null verringert, und kauft in bisher ungekanntem Ausmaß Wertpapiere wie Staatsanleihen. Hinzu kommen zahlreiche Kreditprogramme für Unternehmen und Verbraucher.

Die EZB zieht so gut sie kann mit: Vor wenigen Tagen verkündete Madame Lagarde, dass die europäische Zentralbank im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie noch einmal kräftig nachlegt. Sie stockte ihr Notkaufprogramm für Anleihen um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1,35 Billionen Euro auf.

Bilanzsummen EZB und Fed

Bilanzsummen EZB und Fed.

Euphorie an der Börse

Für die Aktienmarkt sind es blendende Zeiten: "Neben der Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung haben die Liquiditätsmaßnahmen der Zentralbanken und die Konjunkturpakete der Regierungen einen erheblichen Einfluss auf den Börsenverlauf der letzten Wochen gehabt. Die Dynamik an den Märkten hat zu einer Euphorie geführt, die mittlerweile auch Privatinvestoren erreicht hat", schreibt David Wehner, Senior Portfoliomanager bei Do Investment.

"Ökonomische Gesetzmäßigkeiten scheinen derzeit außer Kraft gesetzt. Selten gab es eine solche Diskrepanz zwischen negativen realwirtschaftlichen Daten und der Börseneuphorie", hat Helaba-Experte Markus Reinwand festgestellt.

Shawn Snyder, Investmentstratege bei Citi Personal Wealth Management, hat sich den Zusammenhang zwischen wachsender Fed-Bilanz und den Aktienkursen einmal angesehen. Im US-Sender CNBC zieht er eine aktuelle Parallele zur Zeit von 2010 bis 2015. Zwischen S&P 500 und der Fed-Bilanz habe eine Korrelation von 0,98 gegeben. Das bedeute, Kurse und Fed-Bilanz bewegten sich zu 98 Prozent der Fälle in die selbe Richtung. Die Bilanzsumme der Fed sei definitiv ein Haupttreiber für den Aktienmarkt, so Snyder.

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
3.674,23
Differenz relativ
+0,12%

Am Mittwoch eher wenig Neuigkeiten

Aber vor Rückschlägen ist die Börse keineswegs sicher. "Mittlerweile hat der Aktienmarkt hohe fundamentale Bewertungskennzahlen erreicht, die in den nächsten Monaten durch Unternehmensberichte bestätigt werden müssen", findet Wehner.

Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie könne ferner der massive Aufbau von Neuschulden laut Wehner zu schnell steigenden Zinsen im Laufzeitensegment 10 bis 30 Jahre führen, was schon in der Vergangenheit eine Aktienmarktkorrektur ausgelöst habe.

Das Gegenmittel: Die Märkte anhaltend mit Liquidität fluten. Und das, obwohl die Langfrist-Folgen dieser Politik unvorhersehbar sind. Aber bezüglich des aktuellen Zinsentscheids erwarten Fachleute keine wesentlichen Neuerungen. Beachtung dürften jedoch neue Prognosen zu Wachstum, Inflation und Arbeitsmarkt hervorrufen. Die Fed reicht diese Schätzungen nach, die eigentlich im März hätten veröffentlicht werden sollen.

Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Drohen Negativzinsen?

Darüber hinaus wird die Notenbank neue Zinsprognosen bekanntgeben. Diese sind Ergebnis der Einschätzung der einzelnen Ratsmitglieder. Fachleute gehen davon aus, dass die meisten Fed-Notenbanker aufgrund der extremen Verwerfungen der Corona-Krise auf Jahre hinaus mit Zinsen an der Nulllinie rechnen.

Paul Ashworth, US-Chefökonom des britischen Analysehauses Capital Economics, kann sich grundsätzlich weitere Maßnahmen der Fed vorstellen. Allerdings dürften diese nicht akut anstehen. Schon seit längerem diskutiert wird etwa die Möglichkeit negativer Leitzinsen.

In diesen Tagen plädiert eine Studie der Notenbank in St. Louis für Negativzinsen, um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden. Negativzinsen lehnt die Fed bislang ab. Ein Argument lautet, die Erfahrungen in anderen Wirtschaftsräumen wie Japan oder der Eurozone seien durchwachsen. Sollte sich die Fed doch irgendwann dafür entscheiden, könnten die Akteure an den Finanzmärkten das so interpretieren, als gingen der Fed die Möglichkeiten aus.

ts