Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Erste Zinssenkung seit 2008 Die Fed macht den Zinsschritt

Stand: 31.07.2019, 20:33 Uhr

Erwartungsgemäß hat die US-Notenbank zum ersten Mal seit 2008 wieder die Leitzinsen in den USA gesenkt. Der "kleine" Zinsschritt um 25 Basispunkte soll der US-Wirtschaft und der Kreditwirtschaft weitere Unterstützung bieten. Weitere Senkungen scheinen nicht ausgeschlossen.

Einer Umfrage der Agentur Bloomberg zufolge rechnete eine große Mehrheit der 75 befragten Ökonomen mit einer Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne zwischen 2,0 bis 2,25 Prozent. Nur etwas mehr als zehn Befragte erwarteten ein Stillhalten der Fed.

Entsprechend reagierten die Aktien- und Devisenmärkte am Abend gefasst. Der Dow-Jones-Index in New York büßte einige Punkte ein, stabilisierte sich dann aber moderat im Minus. Am Devisenmarkt rutschte der Euro unter die Marke von 1,11 Dollar.

"Schädliche Handelspolitik"

Volkswirte sind in ersten Stellungnahmen eher skeptisch über die Wirksamkeit der Zinssenkung. Otmar Lang von der Targobank hält sie für eine "unnötige Zinssenkung, die aber auch keinem schadet". Laut Friedrich Heinemann vom ZEW ist sie eine Reaktion auf die "hochgradig schädliche Handelspolitik" von US-Präsident Donald Trump.

Die Erwartung an eine Zinssenkung hatte die Notenbank selbst genährt. Zentralbankchef Jerome Powell verwies zuletzt mehrfach auf das schwächere Wachstum der Weltwirtschaft und die hohe Unsicherheit wegen der zahlreichen Handelskonflikte. Hinzu kommt eine immer noch unter der Zielgröße von zwei Prozent verharrende Inflationsrate.

Trump keift erneut gegen Powell

Die Fed werde "angemessen handeln", so war vor dem Zinsschritt stets die Botschaft Powells. Dies wurde von Experten als Hinweis auf eine Zinssenkungen in dieser Woche gedeutet. Weil sich die US-Wirtschaft seit längerem deutlich besser schlägt als die Weltwirtschaft, wird an den Finanzmärkten von einem "Insurance Cut" gesprochen - also einer vorsorglichen Zinssenkung.

Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump die Notenbank erneut angegreiffen und den Währungshütern Untätigkeit vorgeworfen, während die EU und China ihre Zinsen weiter drückten und Geld in das Finanzsystem pumpten. "Und bei sehr niedriger Inflation tut unsere Fed nichts - und wird wahrscheinlich vergleichsweise wenig tun. Was für ein Jammer." Trump hat sich besonders auf die Person von Jerome Powell eingeschossen. Den hat er zwar selbst ins Amt gehoben, wirft ihm nun aber schlechte Arbeit vor.

Frühzeitige Reaktion

Ohnehin liegt der amerikanische Leitzins bereits jetzt wesentlich niedriger als in früheren Phasen einer vergleichbar solide wachsenden US-Wirtschaft mit ungewöhnlich niedriger Arbeitslosigkeit. Mit anderen Worten: Der geldpolitische Spielraum der Fed, um auf eine kommende wirtschaftliche Abschwächung zu reagieren, ist heute geringer als früher. Dies spreche grundsätzlich für eine frühzeitige Reaktion der Geldpolitik auf wirtschaftliche Risiken, argumentieren viele Fachleute.

Die Fed, die neben Vollbeschäftigung auch für stabile Preise sorgen soll, blickt jedoch mit Sorge auf die seit langem vor sich hindümpelnde Inflation. Sie achtet besonders auf Preisveränderungen bei persönlichen Verbraucherausgaben, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden. Hier lag die Steigerungsrate zuletzt bei 1,6 Prozent und damit unter dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent.

lg/AB