Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Es wird wohl noch tiefer gehen Fed: Sind aller guten Dinge drei?

Stand: 29.10.2019, 13:20 Uhr

Alles andere als eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank Fed wäre eine ziemliche Überraschung. Aber wie so oft sind die Akteure an den Finanzmärkten mit ihren Erwägungen viel weiter in der Zukunft – und wer weiß, was in Fed-Chef Jerome Powell nach den regelmäßigen Trump-Attacken vorgeht?

Die meisten Analysten, Marktbeobachter, Experten und Investoren sind sich darüber einig: Die Fed dürfte mit einer weiteren Zinssenkung am Mittwoch den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte senken. Damit würde der er auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent sinken. "Wir erwarten eine Zinssenkung mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit", sagte Dave Lafferty, Chief Market Strategist bei Natixis Investment Managers.

"Die Fed wird wohl erneut eine Zinssenkung vornehmen – die dritte in Folge. Und erneut liefert die schwächelnde US-Industrie das Hauptargument, zusammen mit der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik", kommentiert Ökonom Tobias Rehbock von der deutschen staatlichen Förderbank KfW. Die Fed wolle damit nicht unbedingt einer Konjunkturabkühlung zuvorkommen, sagte Robert Pavlik, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung SlateStone Wealth. "Sie sind besorgt wegen der Auswirkungen des Handels- und Zollstreits."

Leitzinsvergeich USA, Eurozone

Leitzinsvergeich USA, Eurozone. | Bildquelle: Fed, EZB, Grafik: boerse.ARD.de

Teurer Zollkonflikt

Dabei ist es noch nicht so, dass die US-Wirtschaft mit echten Konjunkturproblemen zu kämpfen hat: Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, das Wachstum ist noch robust. Aufs Jahr gesehen wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal mit soliden zwei Prozent. Allerdings lag das Wachstum im ersten Quartal noch bei drei Prozent.

Am Mittwoch erwarten die Märkte die Zahlen für das dritte Quartal: Die Analysten der Deka Bank rechnen mit einem Plus von 1,7 Prozent, der Konsens liegt bei 1,6 Prozent. Außenhandel und Teilbereiche der Anlageinvestitionen dürften die jüngsten BIP-Zahlen schwächen, meinen die Experten. Das geht natürlich auch auf das Konto Donald Trumps und des von ihm forcierten Handelskonflikts mit China und der EU.   

Die Unsicherheit im Zollkonflikt werde die Welt laut einer Fed-Studie 850 Milliarden Dollar an Wirtschaftskraft kosten - allein 200 Milliarden davon die USA.

Beleidigen und an die Wiederwahl denken

Für Patrick Franke, Helaba-Analyst, würde eine weitere Senkung ausreichen, um die US-Wirtschaft auf Expansionskurs zu halten. "Aber über den weiteren Verlauf des Handelsstreits hat es letztlich primär Präsident Trump und nicht die Fed in der Hand, ob aus der konjunkturellen Abschwächung eine Rezession wird."

Die Wünsche des Anführers der freien Welt sind bekannt: Trump forderte wiederholt eine Senkung des Leitzinses auf null oder weniger und bezeichnete die Notenbanker auch schon mal als "Dummköpfe", Fed-Chef Jerome Powell und seine Kollegen seien naiv. Trump denkt selbstverständlich bereits an seine Wiederwahl Ende 2020 und kann deshalb keine schwächelnde Konjunktur und keinen starken Dollar gebrauchen.   

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Und was passiert im Dezember?

Die Aktienmärkte haben eine Zinssenkung vermutlich längst eingepreist. Mit einer signifikanten Kursreaktion ist daher eher nicht zu rechnen. Sollte Powell Hinweise auf eine weitere Lockerung noch in diesem Jahr geben, könnte es hingegen zu deutlicheren Reaktionen kommen.

Denn die Investoren spekulieren längst darüber, ob es im Dezember erneut zu einer Zinssenkung kommen könnte. Fed-Beobachter Thomas Strobel von UniCredit erwartet, dass die Währungshüter dann "eine Pause" in Sachen Zinsveränderungen einlegen. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer rechnet eher damit, dass die Fed zum Jahresende mit einer weiteren Senkung nachlegen wird.

Aber wie die Akteure an den Finanzmärkten nun einmal sind: Sie könnten das in Aussicht stellen einer weiteren Zinssenkung auch dahingehend interpretieren, die Lage sei schlechter als gedacht. Also dürfte Powell es vorziehen, sich in Notenbanker-Manier bedeckt zu halten.            

ts