Adler am Gebäude der Federal Reserve in Washington

US-Zinsentscheid Fed lässt Leitzins unverändert

Stand: 30.01.2020, 10:46 Uhr

Nach drei Zinssenkungen im vergangenen Jahr hält die Fed jetzt wie angekündigt die Füße still. Die Währungshüter schwenken ein in den Wartemodus.

Erwartungsgemäß hat die Fed den Leitzins nicht verändert. Die Fed Funds Rate bleibt damit in einer Bandbreite zwischen 1,5 und 1,75 Prozent, erklärte die Bank am Mittwoch. Marktteilnehmer hatten genau dies erwartet.

Allerdings justierte die Fed beim Schlüsselsatz für die bei ihr deponierten Überschussreserven der Banken nach: Der im Fachjargon IOER genannte Satz wurde leicht von 1,55 auf 1,60 Prozent erhöht. Die Maßnahme gilt als Versuch, den am Interbankenmarkt fälligen Preis des Geldes stärker an die Mitte der angepeilten Leitzins-Spanne anzunähern. Zuletzt lag er eher im unteren Bereich des Korridors.

Die Fed hatte 2019 den Zins drei Mal gesenkt, auch wegen der mit dem Zollstreit verbundenen Unsicherheiten. Eine Teileinigung zwischen China und den USA sorgte zuletzt für Erleichterung. Fed-Chef Jerome Powell hat signalisiert, dass die Fed auf Sicht fahren will, solange die Wirtschaft rund läuft und die Inflation im Rahmen bleibt.

Angemessene Geldpolitik

"Der Ausschuss ist der Ansicht, dass der derzeitige geldpolitische Kurs angemessen ist, um eine nachhaltige Expansion der Wirtschaftstätigkeit, starke Arbeitsmarktbedingungen und eine Inflation nahe dem Zwei-Prozent-Ziel zu unterstützen", heißt es in der Erklärung zur Zinsentscheidung.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Damit wiederholte die Fed eine zentrale Aussage aus ihrem Statement vom Dezember. Notenbankchef Jerome Powell betonte auf der anschließenden Pressekonferenz, dass die Geldpolitik angemessen bleibe, solange die Daten nicht merklich vom Ausblick der Fed abwichen.

Gleichzeitig widersteht die Notenbank damit im Präsidentenwahljahr der Forderung Präsident Trumps, die Zinsen weiter zu senken. Immer wieder hatte Trump die Notenbank gedrängt, die Sätze immer weiter zu senken und dabei besonders Bankchef Powell auch unter der Gürtellinie attackiert.

Inflation weiter zu niedrig

Unzufrieden zeigte sich Powell mit der Entwicklung der Inflation. "Wir sind nicht zufrieden mit einer Inflationsrate, die dauerhaft unter dem Zwei-Prozent-Ziel liegt", sagte er. Laut Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner wird die zu niedrige Inflation zu einer der wichtigsten Prioritäten der Fed.

"Klare neue Signale gab es von der Fed nicht", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Doch liest man zwischen den Zeilen, so dürfte die US-Notenbank wohl eher bereit stehen, die Zinsen zu senken als zu erhöhen", schreibt Gitzel.

Die schwache Entwicklung in der Industrie könnte auf den Dienstleistungssektor übergreifen. Hinzu komme das Risiko durch den Coronavirus. "Aus unserer Sicht muss die Fed der US-Wirtschaft im laufenden Jahr zur Seite stehen", kommentierte Gitzel.

"Das Coronavirus ist ein ernstes Thema", sagte Powell. Allerdings sei es derzeit ungewiss, wie weit sich das Virus ausbreite und welche konkreten ökonomischen Folgen sich daraus ergeben.

In der Warteschleife

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"Nach den drei Zinssenkungen im vergangenen Jahr schwenkt die Fed jetzt auf einen abwartenden Kurs ein. Die exzellente Arbeitsmarktlage und ein solides Wachstum bei wieder höherer Inflation geben vorerst keinen Anlass für eine weitere Zinssenkung", kommentierte ZEW-Experte Friedrich Heinemann.

Börse reagiert gelassen

An der Wall Street, die sich derzeit mit den Auswirkungen des chinesischen Coronavirus beschäftigt und sich darüber hinaus auch noch mitten in der Berichtssaison befindet, wurden die Ausführungen am Mittwoch gelassen aufgenommen.

Der Leitindex Dow Jones gab allerdings bis zum Börsenschluss den Großteil seiner Gewinne wieder ab und schloss nur mit einem Miniplus von 0,04 Prozent. Der Euro handelte etwas höher und stabilisierte sich oberhalb der Marke von 1,10 Dollar.

Auch an den europäischen und asiatischen Märkten wurde der Zinsentscheid unaufgeregt aufgenommen. Der Dax tendiert zwar schwächer am Donnerstag, dies hat allerdings primär mit neuen Sorgen der Anleger zur Ausbreitung des Coronavirus zu tun.

Dax

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In Tokio verlor der Nikkei-Index 1,72 Prozent auf 22.977 Punkte. Der Hang Seng in Hongkong büßte 2,6 Prozent auf 26.449 Punkte ein. An den chinesischen Festlandsbörsen fand wegen des chinesischen Neujahrsfestes erneut kein Handel statt.

rm/rtr/dpa