Präsident der Federal Reserve Jerome Powell
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Straffe Geldpolitik gestoppt Fed bläst Zinserhöhungen 2019 ab

Stand: 21.03.2019, 08:46 Uhr

Die US-Notenbank lässt locker: Sie stellt ihre vor gut drei Jahren begonnene geldpolitische Straffung vorerst ein und wird 2019 voraussichtlich nicht mehr an der Zinsschraube drehen.

Am Mittwochabend verkündete Fed-Chef Jerome Powell die Zinspause. Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten will die US-Notenbank die Ära aggressiver Zinserhöhungen vorerst beenden und dieses Jahr eine Pause einlegen. Seit Ende 2015 hatten die Währungshüter neun Erhöhungen durchgeführt. Erst 2020 könnte noch eine Zinsanhebung kommen. Der Leitzins ist nun in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent in etwa auf einem Niveau, das die Wirtschaft laut Powell weder anschiebt noch bremst.

"Gute Zeit, geduldig zu sein"

"Jetzt ist eine großartige Zeit, um geduldig zu sein", betonte der Fed-Chef. Aus den Konjunkturdaten lasse sich kein Grund ableiten, Zinsen zu erhöhen oder zu senken. Noch im Dezember hatte die Fed die Situation ganz anders gesehen und zwei Erhöhungen für 2019 avisiert.

Die US-Wirtschaft hat sich nach Einschätzung der Federal Reserve abgekühlt. Zwar bewertet die Notenbank die Lage am Arbeitsmarkt weiterhin als stark. Das Wirtschaftswachstum habe sich jedoch abgeschwächt. Der Anstieg der Konsumausgaben und der Investitionen sei langsamer geworden.

Bilanzabbau wird im Herbst gestoppt

Zur vorläufigen Abkehr vom Kurs der geldpolitischen Straffung gehört auch, dass die Fed den im Herbst 2017 begonnenen Abbau ihrer billionenschweren Bilanz stoppen will. Ab Mai soll der Abbau zunächst weniger schnell erfolgen. Konkret sollen dann nicht mehr Wertpapiere im Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar ohne Wiederanlage auslaufen, sondern nur noch Wertpapiere im Wert von bis zu 15 Milliarden Dollar nicht mehr in neue Wertpapiere investiert werden.

Ende September soll der Bilanzabbau dann ganz eingestellt werden. Danach soll die Bilanzsumme der Fed in etwa konstant gehalten werden. Darüber hinaus will die Fed ab Oktober einen Teil der auslaufenden Hypothekenpapiere, die das Gros ihrer Bilanz ausmachen, in Staatsanleihen umschichten.

"Es riecht ein wenig nach Panik"

Auf die Ansagen der Notenbank reagierten die Aktienmärkte verhalten. Kurzzeitig machte die Wall Street Verluste wett. Der Dow rutschte dann aber zum Handelsende wieder ins Minus. Der Dollar gab etwas nach.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
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ARD-Börse: Fed macht Vollbremsung - Eine Panikreaktion?

"Die Fed hat die weitere Normalisierung der Geldpolitik abgeblasen. Das ist ein Paukenschlag mit Tusch - und riecht ein wenig nach Panik", meinte Chefvolkswirt Otmar Lang von der Targobank. Manche Experten rechnen sogar damit, dass schon bald wieder über eine Lockerung der Geldpolitik gesprochen wird: "Der Flirt mit Leitzinssenkungen wird im zweiten Halbjahr wohl beginnen", prophezeit Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

nb