Jerome Powell und höhere Zinsen
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Wann gibt es eine Zinspause? US-Notenbank in der Zwickmühle

von Andreas Braun

Stand: 19.12.2018, 06:45 Uhr

Wenn US-Notenbankchef Jerome Powell heute Abend die neueste Zinsentscheidung der Notenbank verkündet, liegen schwere Stunden hinter ihm. Der Druck auf die Fed, ihre Zinspolitik zu verändern, wächst. Und zwar von außen, aber auch von innen.

Der "Masterplan" der Währungshüter sah eigentlich einen kleinen Zinsschritt im Dezember und dann noch drei weitere Anhebungen des Leitzins-Niveaus im kommenden Jahr vor. Nach der vierten Zinserhöhung in diesem Jahr dürfte der US-Leitzins dann ab Mittwoch in der Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent ein turbulentes Jahr 2018 beenden. Inzwischen geht die Mehrzahl der Zins-Experten davon aus, dass es im kommenden Jahr nur noch zwei Umdrehungen an der Zinsschraube geben wird, nämlich im März und im Juni.

Neue Informationen zu den Zinsprojektionen der Notenbank haben das Zeug dazu, die Finanzmärkte am Mittwochabend deutscher Zeit noch einmal kräftig durchzurütteln. Kommt die Zinspause vielleicht sogar früher als gedacht? Und wie schätzen Powell und seine Kollegen im Offenmarktausschuss der Fed die konjunkturelle Lage in den USA ein?

Druck vom Präsidenten

Gegenwind selbst für den allgemein erwarteten Zinsschritt kommt von US-Präsident Donald Trump in gewohnter Vehemenz: Es sei "unglaublich", dass die Fed einen solchen Schritt "überhaupt erwägt", schrieb Trump am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Am Dienstag legte er nach mit der Aussage, die Fed möge "keinen weiteren Fehler" begehen. Als Argumente gegen eine Zinserhöhung nannte der US-Präsident, dass der Dollar "sehr stark" sei, es "praktisch keine Inflation" gebe und "die Welt um uns herum in die Luft fliegt". Als Beispiel für internationale Krisen führte Trump an, dass "Paris brennt". Auch verwies er auf die deutliche Verlangsamung des Wachstums der chinesischen Wirtschaft.

Auch wenn Trump mit seiner Argumentation nicht den Kern des Problems trifft, dürften seine Äußerungen den Druck auf die Fed und ihren - einst von Trump ernannten - Chef Jerome Powell deutlich erhöhen. Die Notenbanker sind nun fast gezwungen, zumindest die Dezember-Zinserhöhung wie geplant vorzunehmen; schon alleine, um öffentlich zu zeigen, dass die Notenbank dem unverhohlenen Druck aus dem Weißen Haus standhält.

Investoren werden nervös

Dabei gibt es auch intern durchaus Gegenstimmen zur offiziellen Zinserhöhungslinie. Der Chef des Fed-Ablegers von St. Louis, James Bullard, glaubt, dass die imaginäre "neutrale Zone" bereits überquert wurde und der Zins die Wirtschaft hemmt. Derzeit liegt der Leitzins mit 2,0 bis 2,25 Prozent knapp unterhalb dieses neutralen Niveaus, bei dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst wird. Auch Fed-Direktorin Lael Brainard wähnt die Notenbank "an der Wegscheide". Sie befürchtet, dass Investoren zusehends nervös werden könnten.

Zinsstruktur US-Staatsanleihen

Zinsstruktur US-Staatsanleihen. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Wenn der Anleihemarkt bebt

Die Nervosität könnte begründet sein, schaut man auf die "inverse Zinsstrukturkurve", die sich derzeit am Anleihemarkt anzubahnen scheint. Dabei werfen kurzlaufende Zinsanlagen mehr Rendite ab als länger laufende. Dies gilt als ein mögliches Warnsignal für die Konjunktur und erhöhte Rezessionsrisiken. In der Vergangenheit ist eine solche Zinskurve einer tatsächlichen Rezession mit schöner Regelmäßigkeit vorangegangen. Nach einer Statistik der Nachrichtenagentur Bloomberg sind die Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte dann allerdings mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren eingetreten. Ob die Fed den Zeitpunkt gekommen sieht, deshalb nun schnell auf die Zinsbremse zu treten, werden die Finanzmärkte am Abend erfahren.