Jerome Powell und die Zinsen

Nächste FOMC-Sitzung Fed: Falke oder Taube?

Stand: 30.01.2019, 12:13 Uhr

Wird Fed-Chef Jerome Powell die Erwartungen der Anleger erfüllen? Wenn der Notenbanker am Abend vor die Presse tritt, erhoffen sich die Investoren Hinweise auf die Geldpolitik in den nächsten Monaten. Zieht er die Zügel weiter an oder erstmal nicht?

Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten dürfte die US-Notenbank auf der am Abend anstehenden ersten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr voraussichtlich die Füße stillhalten, den Leitzins also unverändert lassen.

An den Finanzmärkten wird nach einer Serie von Erhöhungen bereits kräftig spekuliert, wie es mit der Geldpolitik weitergehen könnte. Gibt es in diesem Jahr noch zwei, vielleicht sogar drei Zinserhöhungen oder muss die Fed eine ganzjährige Pause einlegen, weil die Wirtschaft schwächelt?

Hinweise auf weiteren Kurs erhofft

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Anleger hoffen, dass Fed-Chef Jerome Powell die Pressekonferenz nach der Sitzung nutzen wird, um Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der mächtigen Notenbank zu geben. Die Währungshüter hatten den geldpolitischen Schlüsselsatz im Dezember zum vierten Mal im vergangenen Jahr angehoben - auf die neue Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent.

Zugleich wurden zwei weitere Schritte nach oben für 2019 avisiert. Doch laut Fed-Chef Powell ist dies kein "Plan" der Notenbank, der in Stein gemeißelt ist. Er sieht keinen Grund zur Eile auf dem Weg zu höheren Zinsen. Diese Aussage hatte an den Aktienmärkten eine kleine Erleichterungsrally entfacht.

Bleibt die Fed "geduldig"?

Dieses Mal warten die Anleger gespannt darauf, ob die Fed erneut das Wörtchen "geduldig" in ihrer Mitteilung benutzt. Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner rät der Notenbank: "Stillhalten ist das Gebot der Stunde." Die konjunkturelle Lage sei gegenwärtig widersprüchlich: Auf der einen Seite stark gefallene Stimmungsbarometer, andererseits eine an den harten Daten abzulesende sehr robuste US-Wirtschaft. "An erster Stelle zu nennen ist hier der Arbeitsmarkt, der mit hohen Stellenzuwächsen und geringen Entlassungen glänzt."

Zu den Stärken der amerikanischen Wirtschaft gehört auch die gute Stimmung der Verbraucher. Franck Dixmier von Allianz Global Investors gibt jedoch zu bedenken, dass die konjunkturellen Risiken von außerhalb zunehmen: "Angesichts der weltweiten Wachstumsverlangsamung, vor allem in China und Europa, haben sich die Wirtschaftsdaten verschlechtert."

Was kostet der Shutdown?

Unklar ist auch, welche Auswirkungen der fünfwöchige Stillstand von Teilen der Regierung wegen des Haushaltsstreits haben wird. Der Shutdown werde letztlich drei Milliarden Dollar kosten, schätzt die Kongress-Etatbehörde CBO. Auch die Fed ist von den Folgen des zu Wochenbeginn vorerst beendeten Shutdowns betroffen. Sie kann bei ihrer Zinsentscheidung voraussichtlich nicht auf die BIP-Daten für das 2018 zurückgreifen, deren Veröffentlichung sich verzögert.

Den Schätzungen der CBO zufolge, dürfte Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA in diesem Jahr nur noch um 2,3 Prozent zulegen, nach 3,1 Prozent im vergangenen Jahr. Dies sei neben den Folgen des Shutdown und der sich abschwächenden Weltwirtschaft auch den nachlassenden Effekten von Trumps Steuerreform geschuldet.

Baut die Fed die Bilanz weiter ab?

Angesichts dieser heraufziehenden Wolken könnte die Fed beim Abbau der aufgeblähten Bilanz etwas Tempo herausnehmen. Sie hatte ihr Portfolio in den Jahren nach der Finanzkrise auf fast 4,5 Billionen Dollar ausgeweitet und es mittlerweile wieder auf 4,1 Billionen Dollar zurückgefahren. Nach einem 2017 ausgearbeiteten Plan wird das Bilanzvolumen monatlich um bis zu 50 Milliarden Dollar verringert, dem Markt also Geld entzogen. Ein langsameres Tempo würde helfen, die Kurse an den Aktienmärkten zu stützen.

lg