Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Erste Zinssenkung seit 2008 erwartet Fed: Ein kleiner oder großer Schritt?

Stand: 29.07.2019, 15:23 Uhr

Dass die amerikanische Notenbank auf ihrer entscheidenden Sitzung am Mittwoch die Zügel der Geldpolitik lockern wird, gilt als ausgemacht. Die Frage ist nur, ob die Zinsen um einen Viertelpunkt oder mehr gesenkt werden und wie Zentralbankchef Powell die Entscheidung begründet.

Einer Umfrage der Agentur Bloomberg zufolge rechnet eine große Mehrheit der 75 befragten Ökonomen mit einer Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne zwischen 2,0 bis 2,25 Prozent. Nur etwas mehr als zehn Befragte erwarten ein Stillhalten der Fed. Für die Finanzmärkte wären unveränderte Zinsen eine große Überraschung, da ein Zinsschritt um 0,25 Punkte quasi vollständig eingepreist ist. Entsprechend deutlich wären die Marktbewegungen, falls die Fed ihren Leitzins konstant halten sollte.

Die Erwartung einer Zinssenkung - es wäre die erste seit Ende 2008, als die Fed ihren Leitzins infolge der großen Finanzkrise nahe Null senkte - hat die Notenbank selbst genährt. Zentralbankchef Jerome Powell verwies zuletzt mehrfach auf das schwächere Wachstum der Weltwirtschaft und die hohe Unsicherheit wegen der zahlreichen Handelskonflikte. Hinzu kommt eine immer noch unter der Zielgröße von zwei Prozent verharrende Inflationsrate.

Trump keift erneut gegen Powell

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Die Fed werde "angemessen handeln", so die zentrale Botschaft Powells. Dies wurde von Experten als Hinweis auf eine Zinssenkungen in dieser Woche gedeutet. Weil sich die US-Wirtschaft seit längerem deutlich besser schlägt als die Weltwirtschaft, wird an den Finanzmärkten von einem "Insurance Cut" gesprochen - also einer vorsorglichen Zinssenkung. Auch dürfte die Notenbank bemüht sein, die Zinssenkung nicht als Einknicken vor der Politik erscheinen zu lassen. Denn Donald Trump fordert einen solchen Schritt schon lange.

Auch am Montag griff er die Notenbank erneut an und warf den Währungshütern Untätigkeit vor, während die EU und China ihre Zinsen weiter drückten und Geld in das Finanzsystem pumpten. "Und bei sehr niedriger Inflation tut unsere Fed nichts - und wird wahrscheinlich vergleichsweise wenig tun. Was für ein Jammer." Trump hat sich besonders auf die Person von Jerome Powell eingeschossen. Den hat er zwar selbst ins Amt gehoben, wirft ihm nun aber schlechte Arbeit vor. Die Angriffe gipfelten in der Aussage, er könne Powell bei Bedarf degradieren. Ganz so eigenmächtig wie der türkische Präsident Recep Erdogan, der den Notenbankchef seines Landes feuerte, kann Trump offenbar doch nicht entscheiden. Jedenfalls ist Powell fest entschlossen, ihm Amt zu bleiben.

Frühzeitige Reaktion

Jerome Powell und die Zinsen

Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Ohnehin liegt der amerikanische Leitzins bereits jetzt wesentlich niedriger als in früheren Phasen einer vergleichbar solide wachsenden US-Wirtschaft mit ungewöhnlich niedriger Arbeitslosigkeit. Mit anderen Worten: Der geldpolitische Spielraum der Fed, um auf eine kommende wirtschaftliche Abschwächung zu reagieren, ist heute geringer als früher. Dies spreche grundsätzlich für eine frühzeitige Reaktion der Geldpolitik auf wirtschaftliche Risiken, argumentieren viele Fachleute.

Die Fed, die neben Vollbeschäftigung auch für stabile Preise sorgen soll, blickt jedoch mit Sorge auf die seit langem vor sich hindümpelnde Inflation. Sie achtet besonders auf Preisveränderungen bei persönlichen Verbraucherausgaben, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden. Hier lag die Steigerungsrate zuletzt bei 1,6 Prozent und damit unter dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent.

Wie geht es weiter?

Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe findet es überraschend, dass die schon seit langem gesunkenen Inflationserwartungen nun plötzlich im Fokus der Fed stehen: "Es scheint eher, als beuge sie sich dem von US-Präsident Donald Trump ausgelösten politischen Druck." Alle Augen dürften daher darauf gerichtet sein, wie Powell den Zinsbeschluss vor der Presse begründen wird.

Auch erwarten die Aktienmärkte Hinweise darauf wie es in den kommenden Monaten weitergehen könnte. Bereits jetzt gehen viele Investoren davon aus, dass der Zinsschritt an diesem Mittwoch nicht der letzte in diesem Jahr sein dürfte.

lg