Jerome Powell

Spannende FOMC-Sitzung Fed: Doch vier Zinserhöhungen in diesem Jahr?

Stand: 21.03.2018, 10:56 Uhr

Die Märkte erwarten, dass der neue Fed-Chef Jerome Powell heute Abend eine Anhebung des Leitzinses verkündet. Nun stellt sich die Frage, ob die Notenbank auch ihren Ausblick ändert - und damit den Weg für weitere Zinsschritte freimacht.

Daran, dass Fed-Chef Powell, der Anfang Februar Janet Yellen an der Spitze der US-Notenbank abgelöst hatte, an der Zinsschraube dreht, gibt es unter den Marktteilnehmern kaum Zweifel. Denn die US-Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit liegt auf einem Tiefstand von 4,1 Prozent und die Teuerungsrate pendelt um die von der Notenbank angestrebten Marke von zwei Prozent. Erwartet wird eine weitere Eröhung um 25 Basispunkte auf einen Korridor von 1,5 bis 1,75 Prozent. Ihre Entscheidung veröffentlichen die Währungshüter heute Abend um 19 Uhr MEZ.

Doch in welchem Tempo die Fed die Zinsen weiter anhebt, bleibt die große Frage: Erst Anfang Februar hatte die Sorge, die Notenbank könne angesichts robuster Lohnzuwachsdaten den Leitzins in diesem Jahr vier Mal anheben, Unruhe an den Finanzmärkten geschürt und zeitweise zu drastischen Kursverlusten geführt. Die Fed signalisierte daraufhin, dass eine sachte, schrittweise Anhebung ihrer Auffassung nach nicht die Konjunktur abzuwürgen drohe und zugleich Lohnzuwächse erlaube, ohne die Inflation zu stark anzukurbeln.

Alle Augen auf die "Forward Guidance"

Die Notenbank versuche, den Märkten zu vermitteln, "lasst uns nicht durchdrehen", sagt Wirtschaftsforscher Joseph Gagnon vom Peterson Institute for International Economics. Die US-Wirtschaftsdaten entwickelten sich seit der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed im Januar eher durchwachsen. Das Handelsdefizit vergrößerte sich, die Verkäufe im Einzelhandel sowie auf dem Auto- und Häusermarkt entwickelten sich schwächer als zuvor, auch die Bestellungen für Gebrauchsgüter blieben hinter den Erwartungen zurück. Die Stimmung in der Industrie und bei Dienstleistungsunternehmen ist ausgesprochen positiv, das Vertrauen der Konsumenten gar auf einem Rekordhoch.

Franck Dixmier, Allianz Global Investors

Franck Dixmier. | Bildquelle: Unternehmen

Deshalb dürften sich die Anleger stärker auf die Forward Guidance der Fed konzentrieren als auf die Zinserhöhung von 25 Basispunkten, die bereits in den Märkten eingepreist sei, glaubt Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei der Fondsgesellschaft AllianzGI.

"Restriktivere Haltung gerechtfertigt"

"Die anhaltende Stärke der US-Wirtschaft lässt uns glauben, dass eine restriktivere Haltung der Fed gerechtfertigt ist. Wir gehen davon aus, dass die Fed ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft erhöht und den darunter liegenden Inflationstrend als nachhaltig erachtet", so Dixmier weiter. Das könnte dazu führen, dass sich die Zinserwartungen der FOMC-Mitglieder ändern und sich leicht nach oben verschieben.

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Zuletzt hatten besonders die Lohnsteigerungen Angst vor steigenden Inflationsraten ausgelöst. Allerdings blieben die Anhebungen im Jahresvergleich moderat. Im Januar kletterten sie zwar kurzzeitig um 2,9 Prozent, einen Monat später fielen sie auf 2,6 Prozent zurück.

Unsicherheitsfaktor Trump

Bisher haben die Märkte 2018 drei Zinsschritte eingepreist, gefolgt von mindestens einem weiteren 2019. Franck Dixmier von AllianzGI will jedoch auch vier Zinserhöhungen nicht ausschließen, gefolgt von zwei weiteren 2019. Hervé Chatot von der Fondsgesellschaft La Française AM meint, es komme entscheidend auf die Pressekonferenz an, um zu sehen, ob Jerome Powell die Tür für eine vierte Anhebung öffnet.

Als der wichtigste Unsicherheitsfaktor für die Märkte gilt derzeit aber nicht die Geldpolitik der Fed, sondern die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten. Denn seine Strafzoll-Androhungen könnten eine Spirale von Vergeltungsmaßnahmen in Gang setzen. Das wiederum könnte die Preise in den USA weitaus stärker steigen lassen als bislang - und damit die Fed nötigen, bei der weiteren Abkehr von der lockeren Geldpolitik stärker als gewollt aufs Tempo zu drücken.

lg