Jerome Powell

"Behutsame Zinserhöhungen keine Gefahr für Schwellenländer" Fed-Chef will Börsenbeben vermeiden

Stand: 08.05.2018, 14:38 Uhr

Drohen durch die straffere Geldpolitik in den USA Börsenturbulenzen und ein Währungsverfall in den Schwellenländern wie vor fünf Jahren? Das will der neue Fed-Präsident Jerome Powell unbedingt verhindern. in Zürich versuchte er die Märkte zu beruhigen.

Die Fed werde ihre Strategie "so klar und transparent wie nur möglich" kommunizieren, um die Erwartungen zu steuern und Turbulenzen zu vermeiden, versicherte Powell am Dienstag auf einer Veranstaltung der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. Der US-Notenbankchef trat damit Befürchtungen entgegen, durch die angepeilten Zinserhöhungen drohen Turbulenzen an den Finanzmärkten wie 2013.

Damals hatte Powells Vor-Vorgänger Ben Bernanke in einer Anhörung im US-Kongress beiläufig die Bemerkung fallengelassen, die Fed könnte bei anhaltend positiven Wirtschaftsdaten ihre Wertpapierkäufe allmählich zurückfahren. Ein Beben an den internationalen Märkten war die Folge. An den Finanzmärkten war von einem "taper tantrum" die Rede, einer Wutreaktion auf die Andeutung einer strafferen Geldpolitik. Die Währungen vieler Schwellenländer sackten 2013 teils dramatisch ab.

Milliardenabflüsse aus Schwellenländer-Anleihen

Der internationale Bankenverband IIF spricht bereits von einer Rückkehr des "Spuks des vergangenen taper tantrums". Denn laut ihrer Statistik hätten die Investoren rund 5,5 Milliarden Dollar binnen zwei Wochen aus den Anleihemärkten der Schwellenländer abgezogen. Durch die steigenden Zinsen in den USA erlebt momentan der Dollar einen neuen Höhenflug, der Kapital angeblich noch rascher aus den Emerging Markets absaugt als in der Frühphase des "taper tantrum".

Vor allem Argentinien und die Türkei leiden derzeit unter einem Kapitalabfluss und Währungsverfall. Argentinien stemmte sich jüngst gegen den Absturz des Peso, indem die Notenbank den Leitzins auf mittlerweile 40 Prozent (!!!) hievte. Damit dürfte nach Ansicht von Volkswirten die Gefahr vorerst gebannt sein, dass der Peso weiter rasant abrutscht. Doch dem einstigen Pleiteland droht bei dauerhaft hohen Zinsen eine Konjunkturkrise, warnte Ökonom Claudio Irigoyen von der Bank of America Merrill Lynch.

Auch in der Türkei reagierte die Zentralbank mit höheren Zinsen auf die Schwäche der Währung - sehr zum Leidwesen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Die aktuelle Lira-Verkaufswelle bezeichnete er am Dienstag als Angriff auf die heimische Wirtschaft und kündigte Gegenmaßnahmen an.

Powell: Länder können steigende Zinsen bewältigen

Fed-Chef Powell trat in Zürich Befürchtungen vor einer neuen Emerging-Markets-Krise entgegen. Er gehe davon aus, dass seine Politik der behutsamen Zinserhöhungen in diesem Jahr per se keine Gefahr für Schwellenländer darstellt. "Ich wische die voraussichtlichen Risiken nicht weg, die von der globalen Normalisierung der Geldpolitik ausgehen", sagte er. Aber die Länder könnten dies bewältigen.

Die Finanzmärkte seien nach Einschätzung von Powell gut auf die künftigen Schritte der Fed vorbereitet. "Die Märkte dürften von unseren Schritten nicht überrascht sein, wenn sich die Wirtschaft im Einklang mit den Erwartungen entwickelt", sagte er. Die Markterwartungen an die Geldpolitik der Fed entsprächen in etwa den Erwartungen der Notenbanker, ergänzte Powell.

Drei bis vier Zinsanhebungen in diesem Jahr

Aktuell signalisiert die Fed für dieses Jahr insgesamt drei Anhebungen ihres Leitzinses. Einen Schritt hat sie bereits im März getan, zwei weitere dürften demnach noch folgen. An den Finanzmärkten sind diese beiden zusätzlichen Zinsanhebungen im Wesentlichen eingepreist. Fachleute können sich jedoch auch noch einen vierten Schritt vorstellen - je nachdem wie sich die Inflation entwickelt.

nb

1/6

Die Kollegen des neuen Fed-Chefs Wie sind die anderen drauf?

Bank of Japan: Haruhiko Kuroda
Er steht für eine ultralockere Geldpolitik und wurde dafür vom japanischen Finanzminister Taro Aso im vergangenen November gelobt. Haruhiko Kuroda ist seit 2013 Chef der Bank of Japan - etwa genau so lang gab es eine Abschwächung des Yen. Davon profitieren der Export und der Arbeitsmarkt des Landes. Die japanische Notenbank will die Konjunktur anschieben: Seit einigen Jahren gibt es daher eine gigantische Geldschwemme. Die war notwendig: Japans Wirtschaft kämpfte lange Zeit mit Deflation aufgrund von niedrigen Löhnen und geringen Investitionen. Eigentlich endet Kurodas Amtszeit im April dieses Jahres. Doch aktuell sieht es danach aus, als stünden dem 73-Jährigen weitere fünf Jahre als Notenbankchef bevor.