Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

"Könnten bereits in Rezession sein" Fed-Chef Powell sieht noch Spielraum

Stand: 26.03.2020, 15:22 Uhr

Normalerweise äußern sich Zentralbanker nicht im Fernsehen. Nun aber stellte sich US-Notenbankpräsident Jerome Powell vor die TV-Kameras - mit deutlichen Worten. Doch er versuchte auch zu beruhigen.

Die US-Wirtschaft steckt nach Einschätzung von Powell infolge der Virus-Krise bereits im wirtschaftlichen Abschwung. "Wir könnten bereits in der Rezession sein", sagte der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Fed dem Sender NBC am Donnerstag.

Zugleich äußerte der Fed-Chef die Hoffnung, dass die weltgrößte Volkswirtschaft im späteren Jahresverlauf wieder wachse. Zuvor müsse jedoch die Virus-Krise unter Kontrolle gebracht werden. "Der Virus gibt den Zeitplan vor", sagte Powell.

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Er erklärte zudem, dass die Fed trotz massiver Lockerungsschritte und einem Leitzins nahe null infolge der Krise noch über Mittel zur Krisenbekämpfung verfüge. "Wir versuchen eine Brücke zu schlagen in eine Zeit ökonomischer Stärke", erläuterte der Fed-Chef. Er versicherte, dass der Notenbank "die Munition" nicht ausgehen werde. Die Fed habe "noch Spielraum" für weitere Maßnahmen.

Ein Indiz für die drastische Lage: Fernsehauftritte von Zentralbankern sind äußerst selten. In der Regel halten sie sich mit Ausnahme von Auftritten bei akademischen Fachkonferenzen oder der Verkündung von Zinsentscheidungen eher im Hintergrund. Eine Ausnahme war der ehemalige Fed-Chef Ben Bernanke, der während der Finanzkrise vor gut zehn Jahren ebenfalls einen TV-Auftritt absolvierte.

Breit angelegtes Hilfsprogramm

Seitdem das neuartige Coronavirus auf die westliche Welt übergegriffen hat und ein Konjunktureinbruch droht, hat die Fed ihre Geldpolitik massiv gelockert. Unter anderem senkte sie ihren Leitzins auf fast null Prozent.

Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Mit dem jüngst beschlossenen breit angelegten Programm soll außerdem der Kreditfluss an Haushalte und Firmen abgesichert werden. Die Währungshüter seien bereit, überall dort einzugreifen, wo es bei Krediten klemme, so Powell.

Zudem stellte die US-Notenbank in Aussicht, ihre bereits umfangreichen Wertpapierankäufe bei Bedarf auszuweiten, um das reibungslose Funktionieren der Märkte und die Umsetzung der Geldpolitik zu gewährleisten. Experten bezweifeln allerdings, ob sie damit eine Pleitewelle verhindern kann.

Rekordzahlen in der Arbeitslosigkeit

Die Stilllegung großer Teile der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens zur Bekämpfung der Virus-Ausbreitung lässt in vielen Branchen die Einnahmen wegbrechen. In Rekordtempo schlägt sich das auch auf den US-Arbeitsmarkt durch. In der vergangenen Woche stellten mehr als drei Millionen Amerikaner Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Die Zahl hat sich im Vergleich zur Vorwoche verzehnfacht.

Die Politik will sich mit einem zwei Billionen Dollar schweren Hilfspaket dagegen stemmen. Es soll Familien, arbeitslosen Arbeitnehmern und Unternehmen unter die Arme greifen und sieht Milliarden-Hilfen für das Gesundheitssystem vor. Am Freitag dürfte das Gesetz auch vom Repräsentantenhaus gebilligt werden und anschließend in Kraft treten.

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Allein die Ankündigung der Hilfezahlungen sorgte für Auftrieb am US-Aktienmarkt. Am Donnerstag setzte sich die Erholung - wohl auch dank Powells Worten - den dritten Tag in Folge fort. Nachdem das weltweit bekannteste Börsenbarometer, der Dow Jones, zu Wochenbeginn noch auf den tiefsten Stand seit November 2016 abgesackt war, hat es sich nun bereits wieder um 16 Prozent erholt.

tb