EZB-Gebäude in Frankfurt

Heute erste Ratssitzung in diesem Jahr EZB weiter auf Autopilot

Stand: 23.01.2020, 08:27 Uhr

Europas Zinssparer müssen auch unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde weiter darben. Die Notenbank dürfte heute ihre zuletzt abwartende Haltung bestätigen.

Neue geldpolitische Entscheidungen werden nicht erwartet. Der Leitzins bleibt also unverändert bei Null, daran dürfte sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern, betonen die Volkswirte unisono. Der Einlagesatz, zu dem Banken Liquidität bei der Notenbank über Nacht parken können, bleibt nach Einschätzung von Ökonomen bei minus 0,5 Prozent.

"Die Zentralbank fährt mehr oder weniger auf Autopilot, und dieser Kurs wird von der Mehrheit des Rates auch unterstützt", erklärt Ulrike Kastens, Volkswirtin bei der Fondsgesellschaft DWS. Und weiter: "Unserer Meinung nach befindet sich die EZB in einer abwartenden Haltung und beobachtet, wie und ob die Maßnahmen aus den September-Entscheidungen wirken."

Keine Abkehr von der Nullzinspolitik zu erwarten

Christine Lagarde

Christine Lagarde. | Bildquelle: picture alliance/Xinhua

Eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik stehe für längere Zeit nicht an, schreibt auch die Dekabank in einer Vorschau. Auch die Inflationsraten sind zuletzt leicht gestiegen: So lag die Kernrate im Dezember 2019 bei 1,3 Prozent gegenüber Vorjahr, haben also ihren Tiefpunkt überschritten.

Zudem haben die geopolitischen Risiken und die Spannungen zwischen den USA und China nachgelassen. "In diesem Umfeld gibt es keine Rechtfertigung für Maßnahmen der EZB in irgendeine Richtung", urteilt Franck Dixmier, Anleihemanager bei der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors.

Überprüfung der geldpolitischen Strategie

Die Notenbank dürfte jedoch auf dieser Sitzung mit der Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie beginnen. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Mario Draghi, der sich als Einzelkämpfer verstand, dürfte Lagarde versuchen, innerhalb des Rates der nationalen Notenbankchefs einen Konsens herzustellen. Deshalb wird sie zunächst die Diskussion suchen. Die dürfte sich mindestens bis Ende des Jahres hinziehen, glauben Experten.

EZB-Beobachter erhoffen sich allerdings von der Pressekonferenz nach der Ratssitzung ein besseres Gefühl für die Überzeugungen und Prioritäten der neuen EZB-Präsidentin. Lagarde hat zuletzt gezeigt, dass sie offenbar gewillt ist, am zivilen Leben in Frankfurt teilzunehmen. So sprach sie auf dem Neujahrsempfang der Stadt und ließ sich beim Verspeisen einer Frankfurter "Grünen Soße" mit Oberbürgermeister Feldmann ablichten.

Keine Wandlung vom Saulus zum Paulus

Vorgänger Mario Draghi hatte solche Auftritte gemieden. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Charmeoffensive von Lagarde auch zu einer Befriedung des gespaltenen EZB-Rates beiträgt.

Dass sich die EZB unter ihrer Präsidentschaft stabilitätspolitisch vom Saulus zum Paulus wandelt, gilt ohne hin als unwahrscheinlich. Eher werde Uli Hoeneß Ehrenpräsident von Borussia Dortmund, schrieb jüngst Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank.

lg