Europäische Zentralbank
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Erste Ratssitzung nach der Sommerpause EZB lässt Märkte weitgehend kalt

Stand: 13.09.2018, 15:06 Uhr

Die Europäische Zentralbank wird ab Oktober wie erwartet die monatlichen Anleihenkäufe auf 15 Milliarden Euro zurückfahren. Der Leitzins bleibt noch mindestens ein Jahr unangetastet. Dax und Euro bewegen sich kaum.

Der Dax reagiert zunächst kaum, gerät im Lauf der Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi aber etwas unter Druck und ringt mit der runden Marke von 12.100 Punkten. Der Euro gibt zunächst leicht nach auf 1,1618 Dollar, klettert im weiteren Verlauf auf 1,1685 Dollar, den höchsten Stand seit zwei Wochen. Diese Verteuerung ist aber sowohl den rückläufigen US-Inflationsdaten geschuldet als den Aussagen von Draghi.

Die Europäische Zentralbank hat nämlich auf ihrer ersten Ratssitzung nach der Sommerpause genau das angekündigt, was von den Märkten erwartet wurde. Wie im Juni in Aussicht gestellt, halbiert die Notenbank das Volumen ihrer monatlichen Anleihenkäufe ab diesem Oktober auf 15 Milliarden Euro. Ein Ende des - vor allem in Deutschland - umstrittenen Programms zum Kauf von Staats- und Unternehmenspapieren peilen die Währungshüter unverändert zum Jahresende 2018 an.

Nicht eilig mit der Zinswende

Unabhängig davon haben es die Währungshüter nicht eilig mit der Zinswende. Eine Wende hin zu höheren Zinsen wollen die Währungshüter frühestens im Herbst 2019 einläuten. Bis dahin bleibt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent, zudem müssen Geschäftsbanken weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Eine Änderung der Zinspolitik ist frühestens im Herbst nächsten Jahres zu erwarten.

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Dies dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass der Anstieg der Verbraucherpreise - insbesondere mit Blick auf die Kernteuerung - noch nicht zufriedenstellend ist und sich die konjunkturelle Dynamik abgeschwächt hat, vermutet Helaba-Volkswirt Ulrich Wortberg.

Schwächeres Wachstum erwartet

Draghi sagte auf der Pressekonferenz, er erwarte ein leichtes Anziehen der Inflation zum Jahresende. Bis dahin werde sie auf dem derzeitigen Niveau von rund zwei Prozent pendeln. 2019 dürfte sie den neuesten Prognosen zufolge auf 1,7 Prozent zurückgehen. Auch für 2020 erwarten die Volkswirte der Notenbank eine Inflationsrate in der Eurozone von 1,7 Prozent. Beim BIP-Wachstum geht die Notenbank für dieses Jahres von 2,0 Prozent aus. Im nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum auf 1,8 Prozent leicht abschwächen.

An den Anleihenmärkten wird die EZB auch dann noch ein gewichtiger Marktteilnehmer bleiben, wenn sie keine neuen Papiere mehr erwirbt: Gelder aus auslaufenden Anleihen will sie nämlich wieder investieren. Seit Beginn des Programms im März 2015 bis Ende August 2018 hat die EZB Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,5 Billionen Euro gekauft.

Ziel ist, auf diesem Weg der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach Zahlen des Statistikamtes Eurostat um 2,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke.

lg