EZB-Präsident Mario Draghi bei einer Anhörung beim Europäischen Parlament in Brüssel
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Kein Hinweis auf restriktivere Geldpolitik Draghi redet Euro noch stärker

Stand: 25.01.2018, 15:35 Uhr

Die Europäische Zentralbank hat erwartungsgemäß ihre Geldpolitik unverändert gelassen. Der Leitzins bleibt bei Null und die Anleihekäufe gehen bis September oder darüber hinaus weiter. Trotzdem treibt EZB-Chef Mario Draghi den Euro auf neue Höhen.

Die Gemeinschaftswährung stieg in der Spitze auf 1,2524 Dollar an - ein neues Drei-Jahres-Hoch, bevor er wieder unter die Schwelle von 1,25 Dollar rutschte. Vor der Pressekonferenz von Draghi notierte der Euro bei 1,2405 Dollar. Der Notenbankchef hatte zuvor gesagt, die Inflationsrate werde zwar in den kommenden Monaten auf dem aktuellen Niveau bleiben, zeige aber einen ermutigenden Aufwärtstrend.

Auch wiederholte er, dass die EZB keine Wechselkurspolitik betreibe, sondern ihre Politik an der Inflationsrate ausrichte. Damit erteilte er dem Eurokurs einen Freihfahrschein. Dabei waren die jüngsten Kursgewinne der Gemeinschaftswährung unter anderem mit Spekulationen auf eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik der EZB erklärt worden. Einen Hinweis auf eine baldige Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik gab die Notenbank nicht. Die Diskussion über eine Beendigung der monatlichen Anleihekäufe habe gerade erst begonnen.

Kein abruptes Ende der Anleihekäufe

Wie nach Ende September damit verfahren werden solle, sei nicht diskutiert worden, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der Zinssitzung in Frankfurt. Man müsse generell zwischen den Optionen einer Ausweitung des Programms, einer schrittweisen Drosselung und eines "plötzlichen Stopps" unterscheiden. "Und das ist exakt ein Teil der Diskussion, die wir haben werden", sagte Draghi. Welche Möglichkeit die wahrscheinlichste ist, ließ er offen. Zugleich verwies er auf seine frühere Äußerung, das Programm werde nicht abrupt enden.

Zunächst soll das auf 2,3 Billionen angewachsenes Wertpapierkaufprogramm noch bis mindestens September fortgeführt werden. Auch eine Verlängerung zu diesem Zeitpunkt sei weiterhin denkbar, falls die EZB keine nachhaltige Annäherung der Inflation an ihren Zielwert von knapp zwei Prozent feststellt. Selbst eine Ausweitung der monatlichen Käufe von derzeit 30 Milliarden Euro ist laut Notenbank möglich.

Wirtschaft wächst

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, die Käufe vorerst bis September 2018 mit einem halbierten monatlichen Kaufvolumen von 30 Milliarden Euro fortzusetzen. Einige EZB-Ratsmitglieder wie Estlands Notenbank-Chef Ardo Hansson hatten dafür plädiert, dann in einem Schritt auf Null zu gehen. Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben bereits seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Mit den Käufen wollen die Euro-Wächter Banken dazu bewegen, weniger in diese Papiere zu investieren und stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte auszureichen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist ihnen gelungen. Das Wachstum in den Euroländern hat in den letzten Monaten kräftig zugelegt. Auch 2018 dürfte die Wirtschaft weiter wachsen.

lg