Europäische Zentralbank
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Keine Anleihekäufe mehr EZB: Genug ist genug

Stand: 13.12.2018, 13:52 Uhr

Die Europäische Zentralbank hat heute wie erwartet das Ende der milliardenschweren Anleihenkäufe zum Jahreswechsel verkündet. Eine Anhebung des Leitzinses wie in den USA bleibt aber Zukunftsmusik - bis weit in das nächste Jahr hinein. Auch die Banken müssen sich gedulden.

Um weitere Turbulenzen an den Aktienmärkten zu vermeiden, geht die Notenbank natürlich äußerst behutsam vor und leitet die geldpolitische Wende schrittweise und zeitlich gestaffelt ein.

In einem ersten Schritt sollen zunächst die Anleihenkäufe zum Jahreswechsel eingestellt werden. Sie werden dann ein Volumen von knapp 2,6 Billionen Euro erreicht haben. Der Löwenanteil entfällt mit etwa zwei Billionen Euro auf Staatsanleihen der Euroländer. Daneben hat die Notenbank unter anderem Unternehmensanleihen, Kreditverbriefungen und mit Vermögenswerten besicherte Bankanleihen gekauft.

Auslaufende Titel ersetzen

EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Käufe neuer Wertpapiere sollen mit Beginn des neuen Jahres enden, weil das Hauptziel des Programms - die Vermeidung einer als konjunkturschädlich geltenden Deflation - nicht mehr akut ist. Außerdem ist in einigen Ländern wie Deutschland eine Knappheit an kaufbaren Papieren absehbar.

Auch danach wollen die Währungshüter aber noch für längere Zeit auslaufende Titel ersetzen. Denn ab 2019 will die EZB die Erlöse aus fällig werdenden Wertpapieren wieder in neue Titel reinvestieren. Analysten erwarten für heute Angaben, wie sie dabei vorgehen will.

Wirtschaftliche Risiken

Allerdings kommt die "Einstellung" des Kaufprogramms zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Wachstum im Euroraum hat sich in den vergangenen Monaten spürbar abgekühlt. Für das kommende Jahr erwarten Ökonomen nur noch ein Wachstum von 1,5 bis 1,7 Prozent. Zahlreiche Risiken wie Handelskonflikte, der Brexit oder der Streit um den italienischen Staatshaushalt sorgen für Verunsicherung.

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Die Dax-Prognosen der Banken Von 9.500 bis 13.200 Punkte

Dr. Ulrich Stephan

Ulrich Stephan (Deutsche Bank)
Die Deutsche Bank zeigt sich vorsichtig optimistisch. Anlagestratege Ulrich Stephan traut dem Dax einen Sprung auf 12.300 Punkte bis zum Jahresende zu. Allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass es beim Brexit, bei Italien und beim chinesisch-amerikanischen Handelsstreit nicht zu einer Eskalation kommt.

Gerade deshalb werden Stimmen laut, die eine zusätzliche geldpolitische Stützung fordern. In der Diskussion stehen etwa zusätzliche Langfristkredite für die Banken, genannt TLTROs. Diese hat die EZB in der Wirtschaftsflaute großzügig vergeben, um die Kreditvergabe der Banken anzuheizen. Die ersten TLTROs laufen zwar erst 2020 aus, aus regulatorischen Gründen müssen sich die Banken aber bereits im kommenden Jahr nach Ersatzliquidität umschauen.

Keine Anhebung der Leitzinsen vor Sommer 2019

Keine Sorgen bereitet derweil die Inflation. Sie liegt zwar über dem Zielwert der EZB von mittelfristig knapp zwei Prozent, scheint ihren Höhepunkt aber bereits überschritten zu haben, weil die Ölpreise wieder deutlich gesunken sind. Die "unterliegende" Teuerung, die derartige Effekten ignoriert, liegt seit langer Zeit recht konstant bei etwa einem Prozent.

Vergleich der jährlichen Rendite auf Aktien, Anleihen und Staatsanleihen seit 1900

Aktien, Anleihen und Staatsanleihen. | Bildquelle: Credit Suisse

Unter diesen Umständen ist vorerst nicht mit einer Anhebung des Leitzinses zu rechnen. Er soll noch bis über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Rekordtief von Null Prozent verharren. Die Experten der Deutschen Bank erwarten eine erste Anhebung erst im Laufe des Jahres 2020. Die Sparer, die ihr Geld weiterhin auf einem Sparkonto liegen haben, können also auf absehbare Zeit keine Wende zum Besseren erwarten.

Erst kommt der Einlagensatz dran

Zunächst dürften die Währungshüter damit beginnen, den Einlagensatz für Banken anzuheben. Dieser liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken. Geldhäuser in Deutschland und Frankreich fordern schon seit längeren eine Abschaffung dieser Maßnahme, die auf ihre Erträge drückt. Am Donnerstag hat die EZB diesen Satz unverändert gelassen. Stefan Schneider, Volkswirt bei der Deutschen Bank, erwartet eine Anhebung im kommenden Jahr auf plus 0,25 Prozent.

lg