EZB-Präsident Mario Draghi
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Letzte Zinssitzung des Jahres EZB bleibt betont locker

Stand: 14.12.2017, 16:16 Uhr

Die Europäische Zentralbank macht Sparern keine Hoffnung auf eine baldige Zinswende. Wie erwartet beließen die Geldpolitiker den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Die umstrittenen Anleihekäufe werden fortgesetzt. Über einen abrupten Stopp der Käufe sei nicht diskutiert worden, sagte Präsident Mario Draghi.

Die EZB hält trotz des immer mehr um sich greifenden Konjunkturaufschwungs die Geldschleusen weit offen. Die Währungshüter um EZB-Präsident Draghi bekräftigten am Donnerstag sogar die Option, ihre besonders in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe nötigenfalls noch auszuweiten. Der Preisdruck im Euro-Raum sei weiterhin verhalten, sagte Draghi im Anschluss an die Zinssitzung. "Ein großes Ausmaß an geldpolitischer Hilfe ist daher weiterhin notwendig."

Inflation selbst 2020 unter zwei Prozent

Markus Gürne
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Die EZB bleibt sich treu

Die Notenbank wird das Inflationsziel auch in den kommenden Jahren trotz verbesserter Konjunktur verfehlen. Die Volkswirte hoben zwar ihre Prognose für den Anstieg der Verbraucherpreise 2018 von 1,2 auf 1,4 Prozent an. Die Teuerungsrate bliebe damit allerdings deutlich unter dem Ziel von knapp zwei Prozent. Auch 2019 dürfte dieses mit 1,5 Prozent und 2020 mit 1,7 Prozent nicht erreicht werden.

Wie schon im Oktober kommuniziert, sollen die umstrittenen Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen ab Januar auf 30 Milliarden Dollar pro Monat halbiert werden. Das lässt sich als vorsichtiger Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik werten.

Keine Zinserhöhung mehr in der Draghi-Ära?

Den Leitzins will die EZB erst dann anheben, wenn die Anleihekäufe schon längere Zeit beendet sind. Volkswirte rechnen gegen Ende 2019, möglicherweise sogar erst 2020, mit einem ersten Zinsschritt. "Eine Zinserhöhung wird nicht vor dem Jahr 2019 auf der Agenda stehen", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Es könnte gut sein, dass es in der Ära Draghi überhaupt keine Zinserhöhung geben wird, erklärte Volkswirt Uwe Burkert von der LVBBW. Draghis Amtszeit endet im Oktober 2019. Sparer, die kaum noch Zinsen bekommen, müssen sich also weiter gedulden.

Schwindende Hoffnungen auf einen baldige Zinserhöhung in der Eurozone haben die Gemeinschaftswährung am Donnerstag belastet. Der Euro fiel während der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) zeitweise unter 1,18 Dollar. Der Dax dämmte seine Verluste ein.

Wachstumsprognose angehoben

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Deutlich zuversichtlicher zeigt sich die EZB für das Wirtschaftswachstum im Euroraum. Wie EZB-Präsident Mario Draghi mitteilte, wird für dieses Jahr eine Wachstumsrate von 2,4 Prozent erwartet. Das sind 0,2 Punkte mehr als bisher prognostiziert. Für 2018 rechnet die EZB mit einem Wachstum von 2,3 Prozent. Das sind 0,5 Punkte mehr als bislang erwartet.

Die Wirtschaft im Euroraum wächst mittlerweile robust. Die Preisentwicklung bedarf aus Sicht der Notenbank aber weiter der Unterstützung. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen. Gleichzeitig wächst die Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten, und durch die anhaltende Nachfrage der EZB werden die Zinsen am Anleihemarkt niedrig gehalten, was Kritiker vor einer gigantischen Anleihen-Blase warnen lässt.

Steinhoff-Anleihekäufe gestoppt

Bei der Pressekonferenz gab Draghi auch bekannt, dass die EZB die Käufe von Anleihen des kriselnden Möbelkonzerns Steinhoff inzwischen gestoppt habe, als die Probleme des Unternehmens bekannt wurden. Die Zentralbank hielt Ende vergangener Woche eine Anleihe des europäischen Zweigs von Steinhoff mit Fälligkeit im Jahr 2025. Es sei nicht ungewöhnlich, dass es Verluste gebe, sagte Draghi. Zur Höhe machte er keine Angaben. Die Zahlen, die kursierten, seien allerdings deutlich übertrieben.

nb/la