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Experten zum Ifo-Index "Erneute Enttäuschung"

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer
"Das war ein frostiger Start in das neue Jahr. Denn nicht nur das Ifo-Geschäftsklima weist klar nach unten, sondern auch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Industrieländern. Wenn wir trotzdem für das erste Quartal keinen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts erwarten, dann liegt das an der nach wie vor starken Binnennachfrage (das Ifo-Geschäftsklima für den Dienstleistungssektor ist hoch) sowie an Sondereffekten. So dürfte sich die Autoproduktion von den Abgastest-Problemen erholen, nachdem die Autobauer bereits im vierten Quartal wieder deutlich mehr Aufträge erhalten hatten. Außerdem ist der Rhein nach dem Ende der Trockenheit wieder problemlos befahrbar, so dass die Industrieproduktion nicht mehr behindert wird.

Der Ausblick: Trotzdem können wir erst Entwarnung geben, wenn die auf Umfragen basierenden Frühindikatoren wieder nach oben drehen. Das jedoch hängt stark von China ab. Denn das Ifo-Geschäftsklima für die exportabhängige Industrie ist in den zurückliegenden zwölf Monaten vor allem deshalb eingebrochen, weil das Nachfragewachstum aus China deutlich nachgelassen hat. Aber die chinesische Regierung hat ein umfangreiches Konjunkturpaket geschnürt und dürfte im Zweifel nachlegen."

Experten zum Ifo-Index "Erneute Enttäuschung"

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer
"Das war ein frostiger Start in das neue Jahr. Denn nicht nur das Ifo-Geschäftsklima weist klar nach unten, sondern auch der Einkaufsmanagerindex für die Industrie – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Industrieländern. Wenn wir trotzdem für das erste Quartal keinen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts erwarten, dann liegt das an der nach wie vor starken Binnennachfrage (das Ifo-Geschäftsklima für den Dienstleistungssektor ist hoch) sowie an Sondereffekten. So dürfte sich die Autoproduktion von den Abgastest-Problemen erholen, nachdem die Autobauer bereits im vierten Quartal wieder deutlich mehr Aufträge erhalten hatten. Außerdem ist der Rhein nach dem Ende der Trockenheit wieder problemlos befahrbar, so dass die Industrieproduktion nicht mehr behindert wird.

Der Ausblick: Trotzdem können wir erst Entwarnung geben, wenn die auf Umfragen basierenden Frühindikatoren wieder nach oben drehen. Das jedoch hängt stark von China ab. Denn das Ifo-Geschäftsklima für die exportabhängige Industrie ist in den zurückliegenden zwölf Monaten vor allem deshalb eingebrochen, weil das Nachfragewachstum aus China deutlich nachgelassen hat. Aber die chinesische Regierung hat ein umfangreiches Konjunkturpaket geschnürt und dürfte im Zweifel nachlegen."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW
"Der starke Fall um fast zwei Punkte von 101,0 auf 99,1 ist eine erneute Enttäuschung. Dabei war die Einschätzung der Lage sogar noch erträglich. Aber die Erwartungen: unterirdisch. Die seit Monaten vorhandene Häufung der politischen Risiken (Brexit, Protektionismus etc.) sorgt offenbar bei den Unternehmen für ein Umdenken in Richtung Stagnation. Es wird Zeit, dass auch die Politik ihre Handlungsfähigkeit wieder unter Beweis stellt und sich der Risiken stärker annimmt, sonst werden wir die realwirtschaftlichen Folgen bald deutlicher spüren."

Andreas Scheuerle, DekaBank

Andreas Scheuerle, DekaBank
"Die Nachrichtenlage wird immer frostiger: Der Brexit wirkt immer bedrohlicher, in Frankreich laufen die Gelbwesten Sturm, in China schwächt sich die Konjunktur ab, in den USA herrscht seit einem Monat Stillstand in der Verwaltung und in Deutschland wartet man immer noch vergeblich auf einen Rückprall in der Automobilindustrie. Kein Wunder, dass die Zuversicht schwindet, kein Wunder, dass Konjunkturprognosen nach unten revidiert werden.

Doch es gibt auch wärmende Feuer in den arktischen Temperaturen: Unverändert positiv sind die Vorzeichen für den Konsum in diesem Jahr: Beschäftigungsaufbau, kräftige Lohnsteigerungen, Entlastungen bei Steuern und Abgaben und geringere Preissteigerungsraten. Das wärmt das Herz der Konsumenten. In den Unternehmensumfragen kommt dies aber nicht oder zu wenig zum Tragen."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank, Liechtenstein
"Es ist vor allem die schleppende Auslandsnachfrage, die derzeit die wirtschaftliche Expansion bremst. In China läuft es nicht rund, was die exportstarke deutsche Wirtschaft besonders deutlich zu spüren bekommt. Die jahrelange Fokussierung der deutschen Industrie auf China rächt sich im Moment. Gut, dass wenigstens die Binnenwirtschaft für positive Impulse sorgt, ansonsten wäre das Bild ein trostloses. Der private Konsum und die Investitionen halten die Wachstumsraten über Wasser. Die deutsche Bundesregierung sollte sich dies zu Herzen nehmen. Wichtiger als Steuersenkungen sind der Bürokratieabbau und Investitionen in das schnelle Internet. Auch die Verkehrsinfrastruktur hätte eine Runderneuerung verdient.

Gut ist, dass im ersten Quartal Nachholeffekte zu erwarten sind. Die Automobilproduktion kommt nach dem WLTP-Desaster auf Touren und auch die Lieferketten über die deutschen Flüsse nehmen nach dem trockenen Sommer wieder ihren gewohnten Gang auf. Möglicherweise sorgt der BIP-Zuwachs im ersten Quartal sogar für eine leicht positive Überraschung. Für die deutsche Wirtschaft ist die letzte Messe noch nicht gelesen. Dem Ifo-Geschäftsklimaindex könnten wieder bessere Zeiten entgegen stehen."

Ralf Umlauf, Helaba

Ralf Umlauf, Helaba
"Die konjunkturelle Schwäche ist noch nicht beendet, auch wenn eine Rezession in Deutschland unseres Erachtens unwahrscheinlich ist. Die dämpfenden Sondereffekte der zweiten Jahreshälfte 2018 sollten an Gewicht verlieren. Politische Unsicherheitsfaktoren belasten dagegen noch immer und stehen einer massiven Stimmungsaufhellung entgegen."

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