Flaggen vor dem EU-Parlament

"Euro-Break-up"-Indikator steigt Euro-Krise durch Corona-Krise?

Stand: 31.03.2020, 09:21 Uhr

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Pandemie stellen die Euro-Mitgliedsländer vor schwere Prüfungen. Besonders die "Krisenländer" der Eurozone wie Italien oder Spanien stehen vor dem Kollaps. Bricht die Gemeinschaft unter der Last auseinander?

Zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass eines oder mehrere Länder die EU in den kommenden Monaten verlassen könnten, ist höher geworden. Das belegt zumindest der "Euro-Breakup-Index", den die Marktforscher von Sentix seit 2012 ermitteln.

Austrittswahrscheinlichkeit deutlich gestiegen

Der Wert für den Index kletterte binnen Monatsfrist auf 13,4 Prozent, was in etwa einer Verdopplung gegenüber dem Wert des Vormonats entspricht. Übersetzt bedeutet das, dass dieser Anteil der rund 1.000 befragten privaten und institutionellen Anleger mit einem Austritt mindestens eines Landes aus der Gemeinschaft innerhalb der kommenden zwölf Monate rechnet (s. unsere Grafik).

sentix Euro Break-Up Index

sentix Euro Break-Up Index.

Die Haushaltslage in den beiden Ländern dürfte sich dramatisch verschlechtern, so die Forscher, eine erhebliche Steigerung der Staatsverschuldung sei damit praktisch unausweichlich. "Die Anleger sorgen sich nun, dass die Finanzierung vor allem für Italien und Spanien zu einer so großen Herausforderung werden könnte und damit die Euro-Stabilität in Gefahr gerät", so Sentix zu den aktuellen Ergebnissen.

Italien oder Spanien?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch die Teilindizes für Italien und Spanien klettern auf neue Mehrjahreshochs. Bei Italien liegt der Wert nun bei 11,3 Punkten, so hoch wie seit Februar 2017 nicht. Für Spanien stieg die Austrittserwartung auf 3,4 Prozent und damit so hoch wie seit Juni 2016 nicht.

Durch die Hintertür könnte also die Euro-Krise eine Wiederauflage erfahren, die Gemeinschaft steht möglicherweise vor der größten Zerreißprobe seit der Griechenland-Krise. Auch wenn diese neue Krise durch einen exogenen Schock ausgelöst wurde.

AB