Christine Lagarde

Sitzungen von Fed und EZB diese Woche "Es wird mehr nötig sein"

Stand: 27.04.2020, 15:27 Uhr

Während die japanische Notenbank der Wirtschaft mit weiteren Lockerungsmaßnahmen unter die Arme greift, dürften die Fed und EZB auf ihren Sitzungen erstmal Bilanz ziehen. Doch schon droht der nächste Kapitalbedarf.

Die meisten Experten gehen zwar davon aus, dass die beiden weltweit führenden Notenbanken, die Fed und die EZB, auf ihren Sitzungen in dieser Woche ihren beispiellosen Kriseneinsatz zunächst nicht ausweiten werden.

EZB-Gebäude in Frankfurt

EZB-Gebäude in Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Doch einige Ökonomen befürchten, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen werden. "Die EZB muss sich auf eine länger andauernde Abwehrschlacht einstellen", meint Volkswirt Ulf Krauss vom Bankhaus Helaba. Trotz der bereits auf den Weg gebrachten geldpolitischen Stützungsmaßnahmen sei nicht von einer ruhigen Zinssitzung am Donnerstag auszugehen: "Wir glauben, dass die EZB bereits eine Menge getan hat, aber es wird mehr nötig sein", meinen auch die Volkswirte der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Zweistelliger Wirtschaftseinbruch

Die Bank rechnet damit, dass die Wirtschaft im Euro-Raum 2020 um zehn Prozent einbrechen wird. Um gegenzusteuern, werde die EZB in den kommenden Monaten ihr neues Pandemie-Anleihen-Kaufprogramm wohl um eine Billion Euro aufstocken und dies in zwei Tranchen von jeweils 500 Milliarden Euro - "eine im Juni und die andere zum Jahresende für 2021", sagen die Experten voraus.

Aus Sicht von Christian Lips, Chefvolkswirt der NordLB, hat die EZB zwar bereits umfangreiche Liquiditätsspritzen beschlossen und ihre für 2020 anvisierten Anleihenkäufe auf inzwischen 1,1 Billionen Euro aufgestockt. Dazu habe sie die Sicherheiten-Vorschriften für Banken gelockert. Dennoch seien die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen zuletzt deutlich gestiegen.

Angst vor neuer Schuldenkrise

An den Börsen nährt dies laut Händlern die Furcht vor einer neuen Staatsschuldenkrise in Europa. "Daher gehen wir davon aus, dass die EZB noch einmal nachlegen wird", meint Lips. "Dazu gehören dann sicher noch mehr Anleihenkäufe, aber wohl auch eine Zinssenkung beim Einlagesatz." Dabei werde dann ein größerer Teil der Gelder als bisher von den Strafzinsen ausgenommen. Seit September 2019 verlangt die EZB Strafzinsen in Höhe von 0,5 Prozent auf Gelder, die Geschäftsbanken über Nacht bei ihr parken.

Konstantin Veit von der Fondsgesellschaft Pimco geht davon aus, dass der EZB-Rat zunächst seine Bereitschaft, alles Notwendige zu tun, abermals bekräftigt, weitreichende geldpolitische Entscheidungen aber keine zu erwarten sind. "Gleichwohl haben die Währungshüter die Gelegenheit ihre jüngste Entscheidung zur Behandlung von "Fallen Angels" zu erklären - also Wertpapiere als Sicherheiten zu akzeptieren, deren Bonität auf Ramschniveau herabgestuft wurde.

Insgesamt hat die EZB ein Anleihekaufprogramm in Höhe von 1,1 Billionen Euro aufgelegt. Dies entspricht nach Berechnungen von Pimco neun Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone.

Was macht die Fed?

Noch massivere Maßnahmen hat die Fed ergriffen. Dazu gehören zwei Leitzinssenkungen bis nahe an die Nulllinie, massive Käufe von US-Staatsanleihen, Geldspritzen für die Banken sowie Kreditprogramme, die mittelbar US-Unternehmen und Verbrauchern zugute kommen sollen.

Jerome Powell

Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Seit Anfang März, als die Krise die USA übermannte, ist die Fed-Bilanz deshalb um mehr als zwei Billionen auf zuletzt 6,5 Billionen Dollar gestiegen. "Dies stellt das Tempo, das nach der Lehman-Pleite von 2008 erreicht wurde, bei weitem in den Schatten", sagt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner.

Angesichts dieser Schwemme von Krisenmaßnahmen erwarten die US-Ökonomen der Deutschen Bank zunächst keine größeren Schritte. Die Sitzung am Dienstag und Mittwoch, an die sich wie stets eine Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell anschließt, dürfte in erster Linie einer Zusammenfassung der bisherigen Maßnahmen dienen.

lg/dpa/rtr