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Sechs Prozent weniger Exporte nach China Erste Vorboten einer schlimmen Krise?

Stand: 09.03.2020, 08:53 Uhr

Die deutschen Exporte nach China sind im Januar um sechs Prozent gesunken, ein sattes Minus, das sich bereits im Februar deutlich ausgeweitet haben dürfte. Auch Chinas Außenhandel ist stark rückläufig. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Den neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes zufolge sanken die deutschen Ausfuhren nach China im Januar um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 7,3 Milliarden Euro. Auch die Importe aus China gingen, wenn auch nur leicht, um 0,5 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zurück. "Aus den bisher vorliegenden Ergebnissen lassen sich keine eindeutigen Auswirkungen des Coronavirus ableiten", betonte das Statistikamt.

"Bereits in den Februar-Zahlen dürfte die Ausbreitung des Virus ihre Spuren hinterlassen", befürchtet Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Dies gelte nicht nur für die Industrie, die zunehmend unter einer schwächeren Nachfrage aus Asien und fehlenden Vorprodukten leiden werde. "Denn es mehren sich die Anzeichen, dass auch der die Wirtschaft bisher stabilisierende Dienstleistungssektor mehr und mehr leidet. Darum gehen wir trotz der guten Januar-Zahlen für die Industrie und den Einzelhandel davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal leicht schrumpfen wird."

China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Deutschlands: Waren im Wert von fast 206 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr zwischen beiden Ländern hin und her geschickt.

Chinas Exporte sacken ab

Insgesamt exportierten die deutschen Unternehmen zu Jahresbeginn Waren im Wert von 106,5 Milliarden Euro in die Welt. Das ist ein Rückgang von 2,1 Prozent zum Januar 2019. Kalender- und saisonbereinigt blieben die Exporte gegenüber dem Vormonat Dezember unverändert, während die Importe um 0,5 Prozent zunahmen.

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Welche Auswirkungen die Ausbreitung des Coronavirus auf die Wirtschaft Chinas hat, wurde am Wochenende sichtbar. Danach sackten die Exporte Chinas im Januar und Februar im Vergleich zu den ersten zwei Monaten des Vorjahres um 17,2 Prozent ab. Die Einfuhren gingen um vier Prozent auf knapp 300 Milliarden Dollar zurück. Insgesamt schrumpfte der Außenhandel damit um elf Prozent.

Deutsche Industrie vor Corona auf Erholungskurs

Die deutsche Industrie hat sich vor der Ausbreitung des Coronavirus auf Erholungskurs befunden. Ihre Produktion legte im Januar mit 2,9 Prozent zum Vormonat so kräftig zu wie seit über zwei Jahren nicht mehr, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte.

Die gesamte Produktion - zu der neben der Industrie auch der Bau und die Energieversorger zählen - wuchs im Januar um 3,0 Prozent. Ökonomen hatten hier lediglich mit einem Plus von 1,7 Prozent gerechnet.

Ökonomen warnen

Zuvor waren bereits die Aufträge so stark gestiegen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. "Die Industrieproduktion hat sich in den vergangenen Monaten stabilisiert", erklärte das Ministerium. Wegen der Coronavirus-Epidemie warnte es aber vor Rückschlägen.

"Trotz der zuletzt wieder günstigeren Entwicklung der Auftragseingänge und des Geschäftsklimas bleibt der Ausblick für das Produzierende Gewerbe angesichts der neuen Risiken durch die Ausbreitung des Coronavirus mit Unsicherheiten behaftet", hieß es dazu. Auch Ökonomen warnen davor, dass der Höhenflug wegen der weltweiten Coronavirus-Epidemie ein abruptes Ende nehmen dürfte. Diese dürfte die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" dämpfen und Lieferketten unterbrechen.

Wie tief die Einschnitte für die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal sein werden, lasse sich bislang nur vage prognostizieren, erklärt Volkswirt Thomas Gitzel. Für das Wachstum im ersten Quartal seien die heutigen Zahlen zur Industrieproduktion aber von hoher Relevanz. Je besser das Zahlenwerk, desto besser könnten drohende Einbrüche im Februar und März kompensiert werden.

lg