Kodiakbär mit offenem Maul

Raue Zeiten für Goldlöckchen Endet jetzt das Aktien-Märchen?

von Angela Göpfert

Stand: 05.09.2017, 13:50 Uhr

Die Aktienmärkte befinden sich nur noch oberflächlich betrachtet in einem "Goldlöckchen-Szenario". Anleger sollten bedenken, wie das Märchen endet.

Die drei Bären kehren nach Hause zurück und verjagen das schlafende Goldlöckchen. Müssen auch Anleger jetzt analog zum Märchen die Rückkehr der Bären und damit ein Ende der besten aller Börsen-Welten fürchten?

Die Antwort auf diese Frage fällt sehr unterschiedlich aus – je nachdem, wen man fragt. Die großen Banken und Fondsgesellschaften, die ja letztlich auf den Vertrieb ihrer Produkte angewiesen sind, befinden sich naturgemäß auf der Seite der Optimisten.

Die Angst, etwas zu verpassen

So rechnet etwa Danske-Bank-Chefstrategin Tine Choi bis einschließlich 2018 mit einem Andauern des "Goldlöckchen-Szenarios", also mit einem weltwirtschaftlichen Wachstum oberhalb des langjährigen Durchschnitts bei gleichzeitig unterdurchschnittlichen Inflationsraten.

In solch einem Umfeld könne es sich für Anleger als teuer erweisen, an der Seitenlinie zu warten, schürt Choi die Angst der Anleger davor, etwas zu verpassen. Auch die Bank Sarasin meint, "das Goldlöckchen-Szenario treibt die Kapitalmärkte weiter an".

Noch zwölf Monate Goldlöckchen

Laut der amerikanischen Investmentbank JPMorgan befinden wir uns aktuell sogar in einem "Noch-besser-als-Goldlöckchen-Szenario": starke Unternehmensgewinne, eine nachhaltig niedrige Inflation und damit niedrige Zinsen sowie "zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit" für eine amerikanische Steuerreform.

Mit ihrer Meinung befinden sich die genannten Banken in guter Gesellschaft: Laut der jüngsten Umfrage der Bank of America Merrill Lynch glauben immerhin 42 Prozent der befragten Fondsmanager, dass das Goldlöckchen-Szenario noch weitere zwölf Monate anhalten wird.

Zinserhöhung in ferner Zukunft

Tatsächlich bindet derzeit die niedrige Inflation den Notenbanken weitgehend die Hände. Sie können es einfach nicht riskieren, mit zu starken Zinsanhebungen das Wachstum abzuwürgen.

Kein Wunder also, dass am Markt schon nur noch eine Minderheit damit rechnet, dass die Fed im Dezember die Zinsen weiter anheben wird. Und die EZB hat eine Zinserhöhung ohnehin schon auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben.

Fehlallokation von Ressourcen

Diese laxe Geldpolitik führt aber zu einer Fehlallokation von Ressourcen, die Notenbanken legen damit den Keim für die nächste Krise.

Die durch die geldpolitischen Lockerungsübungen der Zentralbanken geschaffene Liquidität führt nämlich statt zu einer Stimulierung von produktiven Investitionen zu einer spekulativen Überbewertung. Ablesbar ist dies auch an den Immobilienmärkten.

Inflationsindikator auf Drei-Jahres-Hoch

Sollte jetzt also nicht auch bald das Produktivitätswachstum anziehen, dürften wir eher früher als später eine Rückkehr der Inflation erleben.

Ein erstes Indiz für inflationäre Tendenzen der massiv anziehende Kupferpreis; der Preis für das rote Industriemetall notiert aktuell auf einem Drei-Jahres-Hoch. Zugleich zieht der Inflationsindikator Kupfer-Preis derzeit stärker an als der Preis für die Inflationsabsicherung Gold.

Das gibt zu denken

Das spiegelt sich in der steigenden Kupfer-Gold-Ratio wieder – für den renommierten amerikanischen Fondsmanager Jeff Gundlach ein sicheres Zeichen für anziehende Inflationsraten.

Die logische Folge wären anziehende Anleihenrenditen, steigende Zinsen und in ihrem Gefolge – etwas zeitverzögert – auch fallende Aktienkurse.

Fazit: Natürlich passiert all dies nicht über Nacht. Anleger sollten sich aber von dem offensichtlich interessengeleiteten Gerede eines anhaltenden "Goldlöckchen-Szenarios" an den Börsen nicht zur Sorglosigkeit verführen lassen und auf die Rückkehr der Bären vorbereitet sein.