Janet Yellen

Geldwächter kämpfen für die Weltwirtschaft Die wichtigen Tage von Jackson Hole

von Bettina Seidl

Stand: 22.08.2017, 14:38 Uhr

Die Finanzelite trifft sich wieder in Jackson Hole. Die wichtigsten Notenbanker der Welt kommen ab Donnerstag in dem kleinen verschlafenen Städtchen am Fuße der Rocky Mountains zusammen. Es ist das Event des Jahres.

Die beschauliche Kulisse täuscht. In der Abgeschiedenheit der Rocky Mountains wird in diesen Tagen wieder Gewichtiges geredet. Das Who is Who der Finanzwelt kommt zusammen. Die oberste Riege der Notenbanker. Das diesjährige Motto: "Förderung einer dynamischen Weltwirtschaft“.

Das wundert ein wenig - als wenn die Wirtschaft nicht stark genug wachse. Um die 3,5 Prozent Wachstum werden der Weltwirtschaft für dieses Jahr vorhergesagt. Und die Notenbanken haben erheblich dazu beigetragen. Jetzt geht es eher darum, wie man aus dieser exzessiven Geldpolitik heraus kommt.

Jackson Hole 2017

Jackson Hole im Grand Teton Nationalpark, Wyoming

"Jackson Hole" findet dieses Jahr vom 24. bis zum 26. August statt - unter dem Titel "Fostering a Dynamic Global Economy". Fed-Chefin Janet Yellen hält ihre Rede Freitagmorgen (Ortszeit) zum Thema Finanzstabilität, EZB-Chef Mario Draghi folgt am Mittag.

Yellens letzter Auftritt

Für die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, könnte es der letzte Auftritt als Gastgeberin des Symposiums sein. Ihr Mandat läuft am 3. Februar 2018 aus, und es sieht nicht danach aus, als wäre Präsident Donald Trump ihr bester Freund. Trump warf ihr vor, auf Geheiß des früheren Präsidenten Barack Obama die Zinsen künstlich niedrig gehalten zu haben, um das Platzen einer Preisblase an der Wall Street zu dessen Amtszeit zu verhindern. Dem "Wall Street Journal" sagte Trump jüngst zwar, Yellen sei noch im Rennen. Es gebe aber noch zwei oder drei andere Kandidaten. Klingt nicht unbedingt nach einer zweiten Amtszeit Yellens.

Umso mehr wird Yellen noch ein Ausrufezeichen setzen wollen. Das Thema ihrer Rede lautet "Finanzstabilität" - doch alle Welt wartet natürlich auf einen Hinweis von ihr, wann und wie die Fed ihre im Zuge der Finanzkrise stark ausgeweitete Bilanz wieder zurückfährt, also insbesondere für fällige Anleihen nicht weiterhin neue nachkauft.

Aufgeblähte Fed-Bilanz

Amerikanische Dollarscheine

Durch den massiven Erwerb von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren zur Stützung der Konjunktur ist die Bilanzsumme der US-Zentralbank auf rund 4,2 Billionen Dollar gestiegen. Im Jahr 2007 hatte sie noch bei rund 800 Milliarden Dollar gelegen.

Jackson Hole im Grand Teton Nationalpark, Wyoming
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Was passiert in Jackson Hole?

Am Markt wird auf September getippt. Und damit könnten die Finanzteilnehmer richtig liegen, wie Fed-Mitglied William Dudley in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP vorige Woche durchblicken ließ. "Ich denke nicht, dass die Erwartungen der Marktteilnehmer unsinnig sind", sagte Dudley. Er gilt immerhin als enger Vertrauter von Fed-Chefin Yellen und ist stimmberechtigtes Mitglied im Fed-Offenmarktausschuss, der über die Leitzinsen entscheidet. Gut möglich, dass Yellen in Jackson Hole etwas Ähnliches von sich gibt. Eine spektakuläre Rede wird aber von ihr in diesem Jahr ebensowenig erwartet wie von Mario Draghi.

Herrn Draghis Vorsicht

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In den vergangenen Wochen hatten an den Börsen zunächst die Spekulationen zugenommen, der Chef der Europäischen Zentralbank könnte in Jackson Hole erste Hinweise geben, dass die EZB angesichts eines robusten Wirtschaftswachstums im Euro-Raum womöglich bald einen weniger expansiven Kurs einleiten könnte. Doch inzwischen ist man anderer Meinung. Einen Hinweis zur Drosselung der vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe wird es wohl nicht geben, heißt es jetzt von einem Insider. Draghi wolle der Diskussion in seinem Haus nicht vorzugreifen.

Der EZB-Chef dürfte seine Worte genau abwägen, die Erinnerung an die Konferenz im portugiesischen Sintra ist noch frisch. Die Konferenz ist das Pendant zu Jackson Hole, nur dass hier die Elite der Notenbankwelt auf Einladung der EZB zusammenkommt. Sie gilt mittlerweile als ähnlich wichtig wie die von der Fed organisierte Konferenz. Und hier hatte es Missverständnisse gegeben.

Mario Draghi ist noch nicht so sicher, ob er die Anleihekäufe zurückfahren soll. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Draghi hatte in Sintra gesagt, alle Zeichen deuteten auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin. Und Faktoren, die die Inflation drückten, seien vor allem temporär. An der Börse wurde das als Signal verstanden, die EZB bereite die Märkte darauf vor, ihre Staatsanleihenkäufe von monatlich 60 Milliarden Euro ab Januar herunterzufahren. Doch das war wohl nicht Draghis Absicht. Die EZB ruderte eiligst zurück.

Eine Gratwanderung

Deshalb erwarten die Finanzmärkte also jetzt einen zurückhaltenderen Draghi. Gleichwohl sind sie in Habachtstellung. Schließlich wird der EZB-Chef ausführen, wie die ultralockere Geldpolitik in Europa zur jüngst beobachteten Dynamisierung der Wirtschaft beigetragen hat. Da lässt sich jedes Wörtchen interpretierten.

Draghis Auftritt werde zu einer Gratwanderung, meint Esther Reichelt, Expertin bei der Commerzbank. "Auch wenn Draghi nicht den Anschein einer verbalen Intervention gegen die Euro-Stärke liefern möchte, sonderlich unbekümmert darf er sich auch nicht geben." Aus dem Protokoll zur jüngsten EZB-Sitzung geht hervor, dass die Notenbanker über die Gefahr eines zu stark steigenden Euro diskutiert hatten.

Doch auch wenn niemand etwas Gewichtiges von Yellen oder Draghi erwartet - oder vielleicht gerade deshalb: Jackson Hole könnte die Kurse ordentlich bewegen.