Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ

Warnung vor neuer Finanzkrise Die Sorgen der Notenbanker

Stand: 24.09.2018, 14:46 Uhr

Während die Kurse an der Wall Street immer neue Höhen erklimmen, warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), auch als Notenbank der Notenbanken bekannt, vor der Gefahr einer neuen Finanzkrise - und nennt auch gleich handfeste Gründe dafür.

Tatsächlich enthält der neueste Quartalsbericht der BIZ wenig Erfreuliches. So stellen die Notenbanker fest, dass sich die Kurse an der Wall Street zu sehr von der Realität, insbesondere der Schwellenländer, aber einiger europäischer Staaten, entfernt haben.

Dabei gehe von der derzeit zu beobachtenden weltweiten Umschichtung der Kapitalströme eine besondere Gefahr aus. Als Folge des Zinsanstiegs in den Vereinigten Staaten und der daraus resultierenden Aufwertung des Dollars wachse der Druck auf die Währungen von Staaten wie Brasilien, Argentinien oder die Türkei. Der daraus drohende wirtschaftliche Absturz dieser Länder werde nicht ohne Folgen für die Weltwirtschaft bleiben, so die Ökonomen der BIZ.

Schuldenquote höher als vor der Finanzkrise

Außerdem seien die globalen Schuldenstände viel zu hoch. Damit meinen die Notenbanker nicht nur die rasant gewachsene Verschuldung der USA, die inzwischen auf über 100 Prozent des BIP angewachsen ist. Auch insgesamt betrachtet, private und öffentliche Schuldner zusammen, sei die weltweite Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt inzwischen höher als vor der Finanzkrise 2008.

US-Verschuldung 1900 - 2020

US-Verschuldung 1900 - 2020. | Bildquelle: Futuretimeline.net, Fairesearch.de, Grafik: boerse.ARD.de

Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, sprach bei der Präsentation des Berichts von einer "Ironie der Geschichte", sei doch gerade die hohe Verschuldung vieler Privathaushalte in den USA Auslöser der letzten Krise gewesen. Und ausgerechnet von den Schulden gebe es nun mehr als je zuvor.

Riskante Finanzierungen

Sorge bereitet der BIZ auch die zunehmend riskante Finanzierung von Unternehmen. Schon vor einiger Zeit hatte der IWF in der stark gestiegenen Verschuldung vieler Unternehmen, allen voran in den USA, einen möglichen Auslöser für die nächste Krise gesehen. So seien besonders Kredite an hochverschuldete Kreditnehmer oder Schuldner mit zweifelhafter Bonität rasant gewachsen, moniert die BIZ. Beschleunigt werde dieser Trend durch die vermehrte Verbriefung solcher Kredite in sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLO), einem nahen Verwandten der Kreditverbriefungen vor der Finanzkrise.

Ein Dorn im Auge ist den Notenbankern zudem die in den vergangenen Jahren stark zugenommene Praxis vieler Unternehmen aus den USA und Europa, ihre Gewinne zum Rückkauf eigener Aktien zu verwenden, statt ihr operatives Ergebnis zu verbessern. Komme es zu einem Zinsanstieg, müssten sich die Unternehmen eventuell frisches Geld zu einem für sie ungünstigen Zeitpunkt besorgen.

Und was macht China?

Als weitere Gründe für einen Kursabsturz nennt die BIZ die angespannten Handelsbeziehungen zwischen China und den USA, den beiden führenden Volkswirtschaften. Dies könne das weltweite Wirtschaftswachstum belasten, die Gewinne der Unternehmen entsprechend schmälern und dadurch die Aktienkurse unter Druck bringen.

Sorge bereitet den Notenbankern auch das sich abschwächende Wachstum in China, der Lokomotive der Weltwirtschaft. Die Pekinger Führung könnte dadurch in Versuchung geraten, mit Hilfe Schulden finanzierter Programme die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch Schulden, wie oben beschrieben, gibt es bereits jetzt mehr als genug. Anleger sollten sich dieser Risiken bewusst sein und ihre Anlagen so breit streuen wie möglich, um die Verluste im Fall eines erneuten Crashs so gering wie möglich zu halten.

lg