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Die größten Handelskriege in der US-Geschichte Pasta, Bananen, Autos und immer wieder Stahl

Geschichte der US-Handelskriege

Seit 1827 sanken die Handelskosten deutlich und der Freihandel nahm zu. Aber freier Handel ist wie eine Partnerschaft: Jeder hat seine Bedürfnisse. Beiderseitige Zufriedenheit ist daher manchmal nicht so leicht – vor allem wenn eine Seite nur an sich denkt. Wie protektionistische Maßnahmen enden können, zeigen die größten Handelskonflikte in der US-Geschichte.  

Die größten Handelskriege in der US-Geschichte Pasta, Bananen, Autos und immer wieder Stahl

Geschichte der US-Handelskriege

Seit 1827 sanken die Handelskosten deutlich und der Freihandel nahm zu. Aber freier Handel ist wie eine Partnerschaft: Jeder hat seine Bedürfnisse. Beiderseitige Zufriedenheit ist daher manchmal nicht so leicht – vor allem wenn eine Seite nur an sich denkt. Wie protektionistische Maßnahmen enden können, zeigen die größten Handelskonflikte in der US-Geschichte.  

US-Handelskrieg - 1930 Smoot-Hawley-Gesetz

1930: Smoot-Hawley Tariff Act
Am 17. Juni 1930 erließen die USA ein Bundesgesetz, den Smoot-Hawley Tariff Act: Damit sollte die Wirtschaft der USA vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden. In der Folge stiegen die Zölle für über 20.000 Produkte auf Rekordhöhe. Namensgeber und verantwortlich für das Gesetz waren die Konkressabgeordneten Senator Red Smoot aus Utah und Willis Hawley aus Oregon.

Der Außenhandel litt beträchtlich: Von 1929 bis 1933 sanken die Importe um 66 Prozent, die Exporte um 61 Prozent. Um gegenzuhalten, führten viele weitere Staaten höhere Zölle ein – der Multilateralismus und der Welthandel schienen begraben. Viele Ökonomen kritisierten das Gesetz: Es habe die Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem Börsencrash an der New Yorker Börse begann, nur verschlimmert. 23 Handelspartner und zahlreiche bekannte Ökonomen, wie Irving Fisher und Frank Graham, protestierten dagegen. Unter anderem Autohersteller Henry Ford und Banker Thomas Lamont hielten das Gesetz ökonomisch für "blödsinnig". 1932 mussten die Verantwortlichen abdanken: Sie wurden nicht wiedergewählt.

US-Handelskrieg - 1963 Hühner-Massenexporte aus USA

1963: Die Hühnchen-Krise
Zoff ums Hühnchen gab es 1963: Die USA exportierten ihre Hühner für einen Spottpreis nach Europa. Das wollte man hier nicht so hinnehmen: Um die europäischen Landwirte zu unterstützen, erließen Deutschland und Frankreich kurzerhand Zölle auf die Billig-Importe. Die USA reagierte daraufhin wiederum mit Zöllen auf Lastwagen und Brandy – und es gibt sie bis heute.

US-Handelskrieg - 1981 Autokrieg wg. japanischer Autoimporte

1981: Die Flitzer-Fehde
Als Japan in den 70ern eine stabile Wachstumsphase verbuchen konnte, wurde das Land gleichzeitig zu einem großen Exporteur. Das machte sich auf dem amerikanischen Markt in den 80ern bemerkbar: Das US-Geschäft mit Fahrzeugen florierte – denn die japanischen Autobauer waren den heimischen Herstellern in der Produktion voraus. Branchenriesen wie General Motors gefiel das so kurz nach der Ölkrise natürlich gar nicht.
Unter Präsident Ronald Reagan begann 1981 der "Autokrieg". Die beiden Staaten einigten sich auf eine freiwillige Exportbeschränkung. Die USA wähnten sich als Sieger – doch es kam anders: Die Nachfrage nach japanischen Autos nahm zu, doch das Angebot war zu gering. Als Folge stieg der Preis für "einen Japaner". Das ließ die Gewinne der japanischen Autohersteller steigen: Sie verbesserten ihre Produktion – und expandierten in die USA. Honda eröffnete 1982 das erste Werk, Nissan und Toyota folgten kurz danach – und prägen bis heute die amerikanische Autokultur. Übrigens: Die Einfuhrbeschränkung ist 1985 ausgelaufen. Aber Japan behielt sie bis 1993 bei – weil es eben trotzdem so gut lief.

US-Handelskrieg 1982 Holzkrieg mit Kanada

1982: War of the Woods
Auch Nachbarn streiten sich mal: 1982 begann der große Nadelschnittholz-Streit zwischen den USA und Kanada. Der Vorwurf der USA: Die kanadische Holzindustrie sei durch die Regierung subventioniert worden. Statt über den Wettbewerb, sollen die Behörden die Preise festgelegt haben. Das fanden die USA unfair und machten ihre Handelsrechtsvorschriften geltend: Sie belegten Holz mit einem Ausgleichszoll, um den Preis bis auf den Marktpreis anzuheben. Immer wieder flammte der Streit neu auf. Viele Jobs in der Branche gingen auf kanadischer Seite verloren.

2006 schlossen die beiden Streithähne das Softwood Lumber Agreement (SLA) ab. Demnach wurden US-Zölle und kanadische Steuern auf Holz aufgehoben. 2015 lief das Abkommen aus. Seitdem ist der Streit erneut eskaliert: Im November 2017 legte die US-Handelsministerium die Zölle in Höhe von 20 Prozent auf kanadische Holzimporte fest. Der US-Handelsverband der Bauunternehmen NAHB warnte vor den Folgen für Amerikaner: Bis zu 8.000 Jobs könnten durch den Preisanstieg verloren gehen.

US-Handelskrieg - 1985 Pasta-Krieg

1985: Pasta-Clinch
1985 war die Regierung von Reagan frustriert, weil Europa die amerikanischen Zitrusprodukte verschmähte. Daher erhoben die USA Zölle auf europäische Pasta-Importe. Darauf reagierte die EG in reiner Kindergarten-Politik-Manier mit höheren Einfuhrsteuern für Walnüsse und Zitronen.

US-Handelskrieg - 1993 Bananenkrieg mit Europa

1993: Bananen-Battle
1993 ging’s um die Banane: Die Europäische Gemeinschaft (heutige EU) wollte Europas Bauern und Produzenten aus den früheren Kolonien in Afrika und der Karibik vor der Billig-Banane aus Lateinamerika schützen. Sie führte daher im Juli 1993 mit der Bananenmarktordnung Zölle auf die Billig-Banane ein. Darunter litten die US-Unternehmen Chiquita und Dole Food, die in Ecuador und Costa Rico anbauten. Auf ihre Bitte hin klagte die US-Regierung unter Präsident Bill Clinton vor der Welthandelsorganisation (WTO) – die gab den USA recht. Die USA führten daraufhin Strafzölle auf viele europäische Produkte ein, unter anderem Wein und Käse.

Auch für die Verbraucher in der EU blieb das nicht ohne Folgen: Der Preis für Bananen stieg deutlich. Im April 2001 einigten sich die Parteien auf eine bestimmte Einfuhrmenge. Der Streit flammte erneut auf, als die EU wieder Zölle auf Bananenimporte erhob und diese für AKP-Länder teilweise steuerfrei ließ – diesmal klagte Ecuador. Erst 2009 kam die Einigung: Die EU verpflichtete sich, die Zölle zu senken und Produzenten in AKP-Ländern finanziell zu unterstützen.

US-Handelskrieg - 2002 weltweiter Stahlkrieg der USA

2002: Streit um Stahl
Schon beim letzten großen Handelskonflikt 2002 ging es genau darum: Die US-Stahlindustrie wiederzubeleben. Dafür hob Präsident Bush den Zolltarif auf bis zu 30 Prozent an. Nur Mexiko und Kanada waren durch das NAFTA-Abkommen befreit. Das ging kurz gut – dann brach die Beschäftigung ein. Die EU ließ deswegen Orangen aus Florida besteuern.

US-Handelskrieg - 2018 Donald Trump

2018: Immer wieder Stahl
Auch 2018 ist es unter anderem die amerikanische Stahlindustrie, die im Fokus von Donald Trump steht. Außerdem will er auf Autos, Aluminium und viele andere Konsumgüter Zölle erheben – und hat es teilweise schon getan. Auf über 800 chinesische Produkte und Stahl müssen 25 Prozent gezahlt werden – Aluminium wird mit 20 Prozent belegt. Die Strafzölle treffen Kanada, Mexiko, China und Europa.

Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker (l.), Japans Premierminister Shinzo Abe und der Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk

Andere rücken näher zusammen
Einige betroffene Staaten wollen nun noch enger zusammenarbeiten und den Freihandel stärken. Am 17. Juli unterzeichnete die EU dafür das bisher größte Freihandelsabkommen mit Japan. Es soll ab März 2019 in Kraft treten: Die EU verzichtet darin auf 99 Prozent der Zölle auf japanische Produkte, Japan auf 94 Prozent bei EU-Importen.

Ein deutliches Zeichen Richtung USA. Mit Blick auf die Geschichte sollte Donald Trump besser aufpassen, dass er am Ende nicht als Verlierer aus dem Ring steigt.