Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Nach dem Fed-Entscheid Fed-Chef Powell: Die Null bleibt stehen

Stand: 17.09.2020, 07:45 Uhr

Es steht fest: Die US-Märkte können langfristig mit Nullzinsen rechnen. Fed-Chef Jerome Powell zeigt sich entschlossen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Die Aktienmärkte reagieren trotzdem enttäuscht.

Die US-Notenbank will ihren Leitzins voraussichtlich bis Ende 2023 bei nahe Null belassen. Das geht aus einer von der Federal Reserve (Fed) veröffentlichten Prognose hervor. Die Zentralbank beließ den Zinssatz auch am Mittwoch unverändert. Zur Begründung hieß es, der Geldmarktausschuss gehe davon aus, dieses Zinsniveau beizubehalten, bis die Ziele der Vollbeschäftigung und einer Inflationsrate von rund zwei Prozent erreicht seien.

"Im Grunde sagen wir, dass die Zinsen hochgradig konjunkturstützend bleiben werden, bis die Erholung der Wirtschaft weit vorangekommen ist", sagte Powell nach dem Zinsbeschluss. Eine anhaltende Unterstützung der Notenbank und auch der Regierung sei nötig. Das Virus verursache erhebliche ökonomische und menschliche Härten, erklärte die Fed: "Die Federal Reserve ist entschlossen, ihre gesamte Bandbreite an Werkzeugen zu nutzen, um die US-Wirtschaft in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen."

Federal Reserve in Washington

Federal Reserve in Washington. | Bildquelle: Imago

Fed hebt Konjunkturprognose an

Für 2020 erwartet die Notenbank wegen der Corona-Krise nun ein Schrumpfen der Wirtschaft um 3,7 Prozent. Im Juni war noch ein Einbruch von 6,5 Prozent befürchtet worden.

Auch die Prognose für die Arbeitslosenquote ist nun optimistischer. Sie soll bis Jahresende auf 7,6 Prozent fallen, nach einer Prognose von 9,3 Prozent im Juni. Bis Ende 2021 erwartet die Fed demnach eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent. Auch das wäre allerdings noch deutlich höher als vor der Zuspitzung der Corona-Pandemie. Im Februar hatte die Quote noch bei sehr niedrigen 3,5 Prozent gelegen.

Zuletzt hatte die Notenbank in einem an der Börse vielbeachteten Strategieschwenk bekannt gegeben, kurzzeitig auch höhere Inflationsraten zu tolerieren, um wieder Vollbeschäftigung zu erreichen. Damit hatte sie kräftig Öl ins Börsenfeuer gegossen.

Powell: Erholung schneller als erwartet

Notenbankchef Powell stellte die Endgültigkeit des Nullzinsbeschlusses heraus und bestätigt damit den Strategieschwenk - und damit in der Lesart der Märkte auch die Aussichten auf weiter reichlich vorhandene Liquidität. Powell sprach zwar von einer schneller als erwarteten Erholung, gleichzeitig aber auch von weiter hoher Arbeitslosigkeit und einer Teuerung, die unter dem Inflationsziel liege.

Der Ausblick bleibe extrem unsicher. Nach wie vor sieht die Fed in der kritischen Gesundheitslage einen Hauptbremsklotz. Eine volle wirtschaftliche Erholung werde es erst dann geben, wenn die Menschen sich sicher fühlten, sagte der Fed-Chef weiter.

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"Trump bekommt was er will"

"Die Botschaft ist, dass die Zinsen auf Jahre sehr niedrig bleiben und das sogar dann, wenn die Inflationsrate deutlich anzieht", sagte Friedrich Heinemann vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW. "Hinzu kommt, dass sie neue geldpolitische Entscheidungen nun gerne auf die Zeit nach dem 3. November 2020 vertagt, um nicht den Präsidentschaftswahlkampf zu beeinflussen."

Aus Sicht des Chefvolkswirts der Targobank, Otmar Lang, bekommt US-Prädident Donald Trump nun das, was er wollte und sogar mehr. "Dass die Zinsen dauerhaft so niedrig bleiben würden, hätte sich wohl nicht mal er in seinen kühnsten Träumen ausgemalt." Sollte Trump die Wahl im November verlieren, könne er zumindest nicht die Fed dafür verantwortlich machen.

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, rechnet damit, dass der Druck auf die Fed, ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen, nach der US-Wahl zunehmen wird. Dies werde vor allem dann der Fall sein, sollte eine Einigung auf ein weiteres Corona-Hilfspaket im US-Kongress nicht gelingen. Zuletzt lagen die beiden politischen Lager noch weit auseinander. "Ein mögliches Mittel hierfür könnten eine Erhöhung der Anleihekäufe sein sowie Schritte, welche die Hürden für eine künftige Leitzinsanhebung faktisch nochmals höher setzen", glaubt Burkert.

US-Präsident Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance/Zuma Press

Dollar zieht an, Nasdaq fällt zurück

Die US-Börsen haben nach dem Entscheid der Notenbank uneinheitlich geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,1 Prozent höher auf 28.032 Punkten aus dem Handel. Der technologielastige Nasdaq gab dagegen 1,3 Prozent auf 11.050 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,5 Prozent auf 3385 Punkte ein. Im frühen Handel hatte die Hoffnung auf eine anhaltende Flut billigen Notenbankgeldes die Wall Street noch gestützt.

Am Devisenmarkt fiel der Euro zum Dollar auf den tiefsten Stand seit Mitte August. Der Kurs der Gemeinschaftswährung sank heute im frühen Handel bis auf 1,1738 US-Dollar und baute damit die Verluste der Vortage aus.

Nach Einschätzung von Stephen Innes, Marktstratege beim Broker AxiCorp, sei die jüngste Dollar-Schwäche zunächst beendet. Dafür sorgten unter anderem die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in einigen europäischen Ländern und Aussagen von EZB-Vertretern, dass der starke Euro unter anderem für die niedrige Inflation in der Eurozone verantwortlich sei und daher mit Sorge betrachtet wird.

dpa/rm/ts