Gebäude der FED in Washington

Umfangreiche Neubesetzungen Die Fed könnte sich komplett verändern

Stand: 02.02.2018, 15:14 Uhr

Kurz vor dem Amtsantritt des neuen Fed-Präsidenten Jerome Powell fragen sich viele Beobachter, wie es mit der amerikanischen Geldpolitik wohl weitergehen wird. Dabei scheiden sich die Geister gar nicht an der Person Powells.

Jerome Powell

Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vielmehr sorgen weitere zu erwartende Personalentscheidungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump für Gesprächsstoff. Innerhalb der ersten beiden Jahre seiner Amtszeit werden insgesamt sechs der sieben Sitze des "Board of Governors" der Fed neu vergeben. Der US-Präsident nominiert dessen Mitglieder, die dann vom Senat bestätigt werden müssen.

Die Mitglieder des Gouverneursrats sind auch Mitglieder im Federal Open Market Committee (FOMC), das über Änderungen des amerikanischen Leitzinses entscheidet. Das FOMC besteht aus insgesamt zwölf Mitgliedern, so dass die Personalentscheidungen Trumps sich durchaus maßgeblich auf die zukünftige Geldpolitik der größten Wirtschaftsmacht der Welt auswirken könnten. Schließlich wird die Hälfte der FOMC-Mitglieder neu besetzt.

Ein solcher Umbruch in den Schlüsselpositionen der Fed gilt daher auch bei vielen Beobachtern als in der Geschichte beispiellos.

Gouverneursrat der Fed

Die sieben Mitglieder "Board of Governors" leiten das Federal Reserve System. Wer im Gouverneursrat sitzt, ist auch stimmberechtigtes Mitglied im geldpoltischem Gremium Federal Open Market Committee (FOMC).

"Eine Art intellektuelle Metamorphose"

"Auch wenn Befürchtungen, es könnten unqualifizierte Personen eine entscheidende Rolle übernehmen, durch die bisherigen Nominierungen widerlegt wurden, werden spürbare Veränderungen nicht ausbleiben", sagt Gavyn Davies von Fulcrum Asset Management. "Die Fed wird eine Art intellektuelle Metamorphose durchlaufen", ergänzte er. "Bislang rekrutierten sich die Mitglieder des Gouverneursrats aus einer Gruppe weitgehend gleichgesinnter Wirtschaftswissenschaftler. Künftig dürften das Meinungsspektrum, die akademische Expertise und die beruflichen Vorerfahrungen der Mitglieder deutlich breiter aufgestellt sein."

Als mögliche Konsequenzen aus den Neubesetzungen sieht Davies unter anderem eine größere Bereitschaft für eine expansive Fiskalpolitik.

Steuerreform lässt tief blicken

Dass genau das ein Ziel von Trump sein könnte, zeigt auch die lange Zeit nicht für möglich gehaltene Steuerreform, die der Politiker Ende vergangenen Jahres durchdrückte. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt lief die amerikanische Wirtschaft unter Volldampf. Durch die zusätzliche Stimulation könnte die amerikanische Volkswirtschaft möglicherweise überhitzen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preissteigerungsraten.

Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC)

Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC). | Bildquelle: Federal Reserve Bank

Die Fed scheint Entsprechendes bereits zu ahnen. Erst in dieser Woche strich sie noch unter der Leitung von Powell-Vorgängerin Janet Yellen eine Formulierung aus ihrem Text, wonach die Inflation auf absehbare Zeit unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent bleiben dürfte.

Nun muss die Notenbank aber noch beweisen, dass sie ihr Ziel auch mit ihrem größtenteils neuen Personal auch tatsächlich verteidigen will.

ME