Zwei Containerschiffe in entgegengesetzter Richtung

Auch für USA und China lohnenswert Deutschland gehört zu den größten WTO-Profiteuren

Stand: 30.12.2019, 08:57 Uhr

Handelskonflikte und Sanktionen: US-Präsident Donald Trump richtet sich nicht gerade nach den Regeln der WTO. Dabei lohnt sich der freie Welthandel laut einer Studie besonders für die USA, genau wie für China. Und auch Deutschland zählt zu den größten Profiteuren.

Die drei größten Exportländer der Welt profitieren am stärksten von der Welthandelsorganisation WTO. Die Länder erzielten durch die Mitgliedschaft in der Organisation die mit Abstand größten Einkommensgewinne. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervor. Eine Gruppe von Wissenschaftlern berechnete die Wohlstandseffekte einer WTO-Mitgliedschaft mit internen als auch externen Handelsflüssen.

Donald Trump

US-Präsident Donald Trump gilt nicht gerade als Unterstützer der WTO. | Bildquelle: Imago

66 Milliarden US-Dollar brachte die Mitgliedschaft demnach der Bundesrepublik im Jahr 2016, mehr profitiert haben nur die USA mit 87 Milliarden und China mit 86 Milliarden Dollar. Dabei bezeichnete Trump die WTO im Sommer 2018 noch als "schlechtesten jemals abgeschlossenen Deal". Er sieht in ihr eine Einschränkung der Souveränität der USA, da die Institution seine Strafzölle gegen die EU und China als unrechtmäßig erklären könnte.

"Die WTO ist das Betriebssystem der Weltwirtschaft, das täglich dafür sorgt, dass Waren und Dienstleistungen in einer stabilen, regelbasierten Umgebung zirkulieren können", sagte Christian Bluth, Handelsexperte der Bertelsmann Stiftung.

WTO in der Krise

Die WTO feiert am 1. Januar ihren 25. Geburtstag - zum Feiern dürfte der Organisation mit Sitz in Genf aber gerade nicht zumute sein. Denn seit Anfang Dezember können Handelsdispute wie der zwischen den Vereinigten Staaten und China nicht mehr geordnet beigelegt werden, weil es im Streitschlichtungsverfahren keine Berufungsrichter mehr gibt.

Die USA haben neue Ernennungen seit Jahren - zuletzt Mitte Dezember - blockiert. Sie wollen nötige Reformen, haben aber keine detaillierten Ideen vorgelegt. China bezeichnete das Verhalten der Nordamerikaner als bisher "schwersten Schlag" gegen die WTO. Ohne funktionierende Streitschlichtung könnte das gesamte System ins Wanken geraten.

"Ohne Durchsetzung von Regeln kann ein regelbasiertes System nicht lange bestehen," sagte auch Bluth. Die WTO brauche dringend ein Update, um weiterhin Wohlstand generieren zu können. Wer statt der WTO auf ein System von rein bilateralen Handelsabkommen setze, würde enorme Wohlstandseinbußen im internationalen Handel riskieren. Weltweit habe die WTO 2016 einen Wohlstandszuwachs von rund 855 Milliarden US-Dollar geschaffen. Dies entspreche in etwa einem Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes.

Deutsche Unternehmen auf Welthandel angewiesen

Unter der Krise der Welthandelsorganisation leiden aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags gerade hiesige Firmen. "Die Erosion der WTO durch die brach liegende Streitschlichtung trifft die international vernetzte deutsche Wirtschaft besonders stark", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur. Deutsche Unternehmen seien auf einen Welthandel mit fairen Regeln angewiesen.

Schweitzer sagte, die EU und Deutschland sollten rasch eine "große Koalition der Willigen" für eine breit getragene Initiative anführen. "So wäre die Durchsetzung von WTO-Recht zumindest zwischen den "likeminded countries" abgesichert - und damit etwas mehr Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen möglich."

Außerdem müssten die Welthandelsregeln mit den großen wirtschaftlichen Veränderungen seit 1995 besser Schritt halten. "Gerade bei Subventionen und E-Commerce brauchen die Unternehmen moderne und faire weltweite Regeln", so Schweitzer. "Zudem ist es wichtig, dass sich die WTO auf eine Agenda für kleine und mittlere Unternehmen verständigt, um die Einbindung des Mittelstands in globale Wertschöpfungsketten zu erleichtern."

Exporte von Nicht-WTO-Ländern schrumpfen

164 Mitgliedsländer hat die WTO - die meisten profitieren laut der Bertelsmann-Studie von der Mitgliedschaft in der Organisation. Nicht-Mitglieder hätten mit Wohlstandseinbußen und einem Exportrückgang zu kämpfen. So gingen den Autoren zufolge die nominalen Exporte in Nicht-WTO-Ländern von 1980 bis 2016 um 5,5 Prozent zurück. In WTO-Mitgliedsländern seien sie im selben Zeitraum um 14 Prozent gewachsen.

Die WTO zählt neben dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den bedeutendsten internationalen Institutionen in der Wirtschaftspolitik. Die Organisation soll Handelsabkommen überwachen und eine Plattform für Verhandlungen zum Zollabbau sowie anderen Hemmnissen im Welthandel darstellen.

tb/dpa-AFX