Schlapper Luftballon in Deutschland-Farben

Prognose der Deutsche Bank Research "Deutsches BIP schrumpft um 14 Prozent"

Stand: 13.05.2020, 13:02 Uhr

Wie schlimm wird die Rezession in Deutschland? Viele Ökonomen rechnen damit, dass nach zwei schlimmen Quartalen eine V- oder gar U-förmige Erholung kommt. Die Experten der Deutschen Bank glauben das nicht.

Die Deutsche Bank Research hat am Mittwoch eine neue Studie veröffentlicht mit dem sinnigen Titel "Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft". Demnach könnte die Rezession in Deutschland noch viel schlimmer ausfallen als bislang erwartet. Die Ökonomen der Deutschen Bank prophezeien für das zweite Quartal einen Einbruch des BIP um 14 Prozent.

Konsum bricht als Stütze weg

Schuld daran ist vor allem der wegbrechende Konsum. Er dürfte nach Einschätzung der Deutsche-Bank-Experten alleine im zweiten Quartal um 20 Prozent absacken. Denn im April "hatten die Menschen überhaupt keine Möglichkeiten zum Geld ausgeben" und zogen sich aufgrund der sozialen Distanzierung in ihr Zuhause zurück.

Anders als in der Finanzkrise entfällt diesmal der Konsum als wichtige Konjunkturstütze. 2009 ging der private Konsum um lediglich 0,1 Prozent zurück.

Neben dem Konsum dürfte auch der Dienstleistungssektor die deutsche Wirtschaft schwer belasten. Nach Einschätzung der Deutsche-Bank-Ökonomen könnte der Dienstleistungssektor im zweiten Quartal um knapp 15 Prozent niedriger ausfallen als im ersten Quartal. "Auch ein Rückgang um 20 Prozent erscheint durchaus möglich."

Keine V-förmige Erholung

Im zweiten Quartal dürfte die Konjunktur in Deutschland die Talsohle erreicht haben. Danach komme es zu einem Aufschwung, sind die Autoren der Deutsche-Bank-Studie überzeugt. Allerdings werde dieser nicht so stark ausfallen wie von vielen Ökonomen erwartet. "Wir rechnen nicht mit einer V-förmigen Erholung", schreiben die Ökonomen der Deutsche Bank Research.

Im dritten Quartal werde das BIP um sechs Prozent, im vierten Quartal nur um 2,5 Prozent wachsen, prognostizieren sie. Daraus ergibt sich für das Gesamtjahr einen BIP-Rückgang von neun Prozent. Angesichts des weltweit asynchronen Verlaufs der Corona-Pandemie und der Einschränkungen des Welthandels werde die Erholung nicht so dynamisch ausfallen wie erhofft, glauben die Experten der Deutschen Bank. "Durch die soziale Distanzierung wird der Aufschwung von der Angebotsseite her gedämpft und die Nachfrage belastet, da die sozialen Aktivitäten der Verbraucher wohl nicht so schnell das Vorkrisen-Niveau erreichen werden", heißt es in der Studie.

Tatsächlich planen 30 bis 40 Prozent der Bundesbürger, weniger zu reisen, weniger die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und auch weniger häufig ins Konzert, Kino oder ins Theater zu gehen. Das ergab eine Umfrage von McKinsey Anfang Mai.

Erholung 2021 weniger stark als erhofft?

2021 dürfte Deutschland aus der Rezession kommen. Das BIP werde dann um vier Prozent zulegen, prophezeien die Ökonomen der Deutschen Bank. Selbst im vierten Quartal des nächsten Jahres werde das BIP immer noch um rund vier Prozent unter dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise liegen.

Trotz der umfangreichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung dürfte die Arbeitslosigkeit 2020 ansteigen. Die Deutsche-Bank-Ökonomen rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf knapp sieben Prozent. 2021 werde sie auf lediglich sechs Prozent sinken.

Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt.

Forschungsinstitute sind optimistischer

Die Deutsche Bank ist damit deutlich skeptischer als die führenden Forschungsinstitute. Diese rechnen für 2020 mit einem BIP-Rückgang von 4,2 Prozent und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 5,5 Prozent. Für 2021 prophezeien sie eine kräftige Erholung. Das BIP werde dann um 5,8 Prozent steigen, sagen sie im Frühjahrsgutachten voraus.

Die Experten haben sich in ihrer Analyse auf ein Szenario für die Konjunkturentwicklung geeinigt, das eher einer Mischung gleicht zwischen einem "V" - also einer schnellen Erholung - und einem "U", einer langsameren Belebung. Dies sei aber abhängig davon, wann Bund und Länder Maßnahmen rund um Ausgangs- und Kontaktsperre lockerten, hieß es. "Je länger die Einschränkungen dauern, je eher wird aus dem V- ein L-Szenario."

Pessimisten halten das V-Szenario jedoch für maßlos übertrieben. Der Spitzenökonom Nouriel Roubini hält ökonomisch allenfalls eine U-förmige Erholung für möglich. Und auch die Rückkehr zum Wachstum sollte niemanden darüber hinwegtäuschen, dass die Welt in den 2020er-Jahren eine andere sein wird. Sie werde an die Große Depression der 1930er-Jahre erinnern, glaubt er.

nb