Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex von Juni 2017 bis Februar 2018
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Ifo-Index auf dem Rückzug Deutsche Wirtschaft wird skeptischer

Stand: 22.02.2018, 10:28 Uhr

Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich deutlich abgekühlt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Februar kann das hohe Niveau der Vormonate nicht behaupten.

Der Ifo-Geschäftsklima-Index, der wichtigste deutsche Frühindikator, hat sich im Februar von seinem im Vormonat erreichten Rekordniveau verabschiedet und den Rückwärtsgang eingelegt. Der Index fiel auf 115,4 Punkte zurück nach 117,6 Zählern im Januar. Analysten hatten im Vorfeld zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber einen Wert von 117,0 Punkten prognostiziert. "Die deutsche Wirtschaft tritt auf die Euphoriebremse", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Lage und Erwartung fallen ebenfalls

Die 7.000 befragten Manager beurteilten auch ihre Geschäftslage und die Erwartung für die kommenden sechs Monate nicht mehr so optimistisch wie im Vormonat. Die Teilkomponente für die Geschäftslage fiel auf 126,3 Punkte nach 127,7 Punkten, erwartet worden war ein Wert von 127,0 Punkten. Auch die Geschäftserwartung der Unternehmen sank im Februar auf 105,4 nach 108,4 Punkten im Vormonat. Experten hatten einen Wert von 107,9 Punkten erwartet.

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Wie wird der Ifo-Geschäftsklimaindex ermittelt?

Deutschlands Wirtschaft wächst damit weiter. Es fragt sich aber, ob die Zahlen schon eine Trendwende einleiten.

Markus Gürne
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Geschäftsklima kühlt sich ab

Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen Thüringen sieht das noch nicht so: "Der Rückgang des Ifo-Index' kommt vor dem Hintergrund der schwächeren ZEW- und PMI-Werte nicht unerwartet, wenngleich das Ergebnis unter den Erwartungen liegt. Insgesamt betrachtet erscheint es aber verfrüht, auf eine konjunkturelle Trendwende zu setzen."

Aktienmarkt weitet seine Verluste aus, Renten steigen

In einem ohnehin schwachen Marktumfeld fällt der Dax nach den Zahlen weiter zurück und verliert aktuell über ein Prozent. Aufwärts geht es hingegen am Rentenmarkt, der Bund-Future legt aktuell um gut einen Viertel Prozentpunkt auf 158,64 Prozent zu. Der Euro steigt auf niedrigem Niveau leicht an, bleibt aber gegen den Dollar bei 1,2284 Dollar unter Druck. Nicht zuletzt die zuletzt deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen in den USA treiben den Greenback derzeit an. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren derzeit mit 2,93 Prozent, so hoch wie seit 2014 nicht mehr.

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rm

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"Rückgang mit Ansage" Stimmen zum Ifo-Index-Anstieg

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank, Liechtenstein
"Der Rückgang des Geschäftsklima-Index kam mit Ansage. Zu den belastenden Faktoren gehören die von der Trump-Administration vorgeschlagenen Handelsrestriktionen und die gestiegenen längerfristigen Finanzierungskosten. Dies dürfte den ökonomischen Ausblick eingetrübt haben. Unabhängig von den aktuellen Belastungsfaktoren gilt aber, dass das Wachstum kaum mehr an Dynamik gewinnen kann. Wir sahen in den vergangenen Quartalen bereits bemerkenswerte Wachstumsraten, eine weitere deutliche Beschleunigung ist nicht zu erwarten. Wenn nun also wichtige Konjunkturbarometer nachgeben, ist dies weniger ein Zeichen einer bevorstehenden wirtschaftlichen Schwäche als vielmehr eine Annäherung an die ökonomische Realität. Der Wachstumsausblick für das Jahr 2018 bleibt derweil freundlich."