Leere Fabrikhalle

Dämpfer im August Deutsche Wirtschaft: Schwungvolle Erholung geht anders

Stand: 21.08.2020, 10:32 Uhr

Wer damit gerechnet hat, dass die Wirtschaft in Deutschland und Europa kraftvoll in den Vorwärtsgang schaltet, wird enttäuscht sein. Die frischen Daten zu den Einkaufsmanagerindizes fallen ernüchternd aus.

Der Einkaufsmanagerindex, der die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern zusammenfasst, fiel um 1,6 auf 53,7 Punkte, teilte das Markit-Institut mit. Damit hielt sich das Barometer zwar den zweiten Monat in Folge über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem deutlich besseren Wert von 55,0 Zählern gerechnet.

"Zweifel an der Dynamik"

"Die Erholung hat etwas an Schwung verloren", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. "Die Verlangsamung konzentrierte sich auf den Dienstleistungssektor, wo das Wachstum angesichts erneuter Reisebeschränkungen und eines anhaltenden Rückgangs der Gesamtbeschäftigung, der die Inlandsnachfrage weiterhin untergräbt, nahezu zum Stillstand kam."

Die Rücksetzer kämen wegen der wieder eingeführten Coronabeschränkungen grundsätzlich nicht überraschend, kommentiert Helaba-Experte Ralf Umlauf. "Das Ausmaß lässt aber Zweifel an der Dynamik der konjunkturellen Erholung aufkommen."

Lichtblick Industrie?

Das Barometer für die Dienstleister fiel 4,8 auf 50,8 Punkte, während das für die Industrie um zwei auf 53,0 Punkte zulegen konnte und den höchsten Stand seit knapp zwei Jahren erreichte. "Die Industrie schnitt relativ positiv ab, zumindest was die Trends bei Produktion und Auftragseingang betrifft", sagte Smith. "Der weitere Personalabbau in den Fabriken erinnert jedoch daran, dass es noch Nachholbedarf gibt und die Unternehmen weiter unter Druck stehen, ihre Kosten zu senken."

"Obschon sich die Lage in der deutschen Industrie im August weiter verbessert hat, bestätigen die von Markit gelieferten Zahlen einmal mehr, dass es ein langer und steiniger Weg aus der Krise wird", meint Uwe Burkert, Chefvolkswirt bei der LBBW.

Industrieanlage

Industrieanlage. | Bildquelle: imago images / McPHOTO

Die deutsche Wirtschaft war im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent so stark geschrumpft wie noch nie, da die Corona-Beschränkungen zur Schließung von Geschäften und Fabriken führte. Für das laufende Sommerquartal rechnen Experten mit einem deutlichen Wachstum.

Enttäuschend schwach

Auch die Daten für Frankreich fallen ernüchternd aus und liegen sehr deutlich unter den Prognosen der Experten. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie notiert dort sogar unterhalb der Marke von 50.  

In der Eurozone besteht ebenfalls kein Grund zum Jubeln. Mit 50,1 Punkten erreicht der Index für Dienste gerade eben so den Wachstumsbereich, mit 51,7 Punkten sieht es in der Industrie etwas besser aus. Aber auch in der Eurozone hier werden die Expertenschätzungen insgesamt signifikant unterboten.

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Die wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren boerse.ARD.de erklärt

Ifo-Geschäftsklimaindex
Der weitaus wichtigste konjunkturelle Frühindikator in Deutschland ist der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Börsianer den Index, der gegen Ende jedes Monats veröffentlicht wird.

Für den Index befragen die Wirtschaftsforscher rund 9.000 deutsche Unternehmen, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate einschätzen. Die Gegenwart müssen die Unternehmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen. Bei dem Blick in die nahe Zukunft darf es gemäß Fragebogen "besser", "gleich" oder "schlechter" laufen. Das Ifo-Institut saldiert die Prozentanteile der positiven und negativen Antworten, gewichtet diese nach Branchen und bildet dann den Mittelwert. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zum Basisjahr 2015 gesetzt.

Die Marktteilnehmer blicken fast ausschließlich auf die Veränderung des Gesamtindex im Vergleich zum Vormonat. Steigt der Index, hellt sich die Konjunkturlage in Deutschland auf. Sinkt er, trüben sich die Aussichten ein. Als besonders aussagekräftig gilt die Tendenz über mehrere Monate. Steigt der Ifo-Index drei Mal in Folge, lässt dies einen Konjunkturaufschwung erwarten.