Container im Hafen
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Entgegen anderer Erwartungen Deutsche Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Stand: 15.05.2019, 09:39 Uhr

Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal dank der guten Binnenkonjunktur auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Doch Ökonomen warnen vor voreiligem Optimismus.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. In der zweiten Jahreshälfte 2018 war der Aufschwung zum Stillstand gekommen: Im dritten Quartal war Europas größte Volkswirtschaft sogar um 0,2 Prozent geschrumpft.

Es folgte eine Stagnation im Schlussvierteljahr. "Das Wachstum im ersten Quartal diesen Jahres ist ein erster Lichtblick", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf Reuters-Anfrage. "Gleichwohl ist es kein Grund zur Entwarnung." Die internationalen Handelskonflikte seien schließlich ungelöst. "Wir müssen weiter alles daran setzen, dass wir schnell tragbare Lösungen finden, die freien Handel ermöglichen", betonte Altmaier. "Davon profitieren alle."

Binnenkonsum zieht an

Positive Impulse kamen zu Jahresbeginn vor allem aus dem Inland. "In Bauten und in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert", betonten die Statistiker. "Auch die privaten Konsumausgaben legten gegenüber dem Vorquartal kräftig zu." Die Konsumausgaben des Staates schrumpften hingegen. "Gemischte Signale kamen von der außenwirtschaftlichen Entwicklung, da sowohl die Exporte als auch die Importe im Vergleich zum Vorquartal zulegten", hieß es.

"Die deutsche Wirtschaft hat einen vielversprechenden Start ins Jahr 2019 hingelegt", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Für eine Entwarnung ist es allerdings noch zu früh." Der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie mögliche Autozölle könnten die deutschen Exporte wieder spürbar belasten. "Man könnte von einem gelungenen Start sprechen, wenn da nicht die wieder aufflammenden Sorgen über einen eskalierenden Handelskrieg wären", sagte auch DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

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Schwaches Wachstum in diesem Jahr erwartet

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, mahnt zur Zurückhaltung: "Das recht starke Wachstum der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal markiert noch nicht das Ende des Abschwungs. Vielmehr wurde es durch die ungewöhnlich milde Witterung begünstigt, die die Bauproduktion deutlich steigen ließ. Im zweiten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft deshalb kaum wachsen, vielleicht sogar leicht schrumpfen. Eine nachhaltige Erholung erwarten wir erst für die zweite Jahreshälfte, wenn sich die chinesische Wirtschaft stabilisiert hat."

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Die deutsche Wirtschaft wächst - Grund zum Jubeln?

Die Dynamik dürfte sich im laufenden Frühjahrsquartal bereits wieder abschwächen, glaubt Christian Lips, Volkswirt der NordLB. Die EZB werde zwar keine neuen Stimulierungsmaßnahmen auflegen, doch eine Zinswende bleibt in weiter Ferne. Lips rechnet nicht vor Mitte nächsten Jahres mit der Zinswende.

Bundesregierung und EU-Kommission rechnen trotz des robusten Auftaktes mit einem schwachen Jahr 2019: das deutsche BIP dürfte nur um ein halbes Prozent zulegen, nachdem es 2018 noch zu 1,4 Prozent gereicht hatte.

lg