Industrielandschaft mit Fabrikschornsteinen im Abendrot
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Weiteres Warnsignal Deutsche Industrie schwächelt auch im August

Stand: 07.10.2019, 11:24 Uhr

Brexit, Handelskonflikte, Wirtschaftssanktionen: Die deutsche Industrie steckt tief in der Auftragsflaute - wodurch eine echte Rezession immer wahrscheinlicher wird.

So sind die Bestellungen im August den zweiten Monat in Folge gesunken, im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Morgen mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,3 Prozent gerechnet. Im Juli hatte es einen Einbruch um 2,1 Prozent gegeben. "Die deutsche Industrie muss sich auf schwere Zeiten einstellen", kommentierte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein.

Während die Bestellungen aus dem Inland im August um 2,6 Prozent zurückgingen, erhöhten sich die Aufträge aus dem Ausland um 0,9 Prozent. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Euro-Zone um 1,5 Prozent zu. Die Bestellungen aus dem restlichen Ausland stiegen um 0,4 Prozent gegenüber Juli.

Tatsächliche Lage noch schlechter

Ökonom Marco Wagner von der Commerzbank glaubt, dass die tatsächliche Situation im August noch schlechter war als in den Daten dargestellt. "Denn wegen der frühen Lage der Sommerferien hatte der August mehr Arbeitstage als im Durchschnitt der letzten Jahre".

Auch andere Faktoren deuteten auf eine weitere Schwächung der deutschen Industrie hin, so Wagner. So hat sich die Stimmung der deutschen Unternehmer laut Frühindikatoren weiter eingetrübt. Beim Ifo-Geschäftsklimaindex sind die Erwartungen für die kommenden sechs Monate zuletzt weiter gefallen. Auch die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und den Dienstleistungssektor gingen zurück.

Ifo-Geschäftsklimaindex September 2019

Ifo-Geschäftsklimaindex September 2019. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Zunehmend strukturelle Probleme

Hinzu komme, dass die heimische Wirtschaft zunehmend unter strukturellen Problemen leide, so der Commerzbank-Ökonom. Besonders die Autohersteller hätten deshalb mehr und mehr Produktion ins Ausland verlagert, mit der - für die Branche typischen - Konsequenz, dass wichtige Zulieferer aus dem Chemiesektor mit ins Ausland ziehen. Für die Wirtschaft hierzulande werde es also nicht einfacher.

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Damit wird immer wahrscheinlicher, dass des im dritten Quartal zu einer technischen Rezession kommt. Davon sprechen Volkswirte, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Auch zum Jahresende hin sei wohl kaum mit einer nennenswerten Beschleunigung der Wirtschaftsleistung zu rechnen, prophezeien Ökonom.

Mehr Investitionen gefordert

Die Schwelle zu einer echten Rezession sinke beständig, so Konjunkturexperte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten jüngst prognostiziert, dass die hiesige Wirtschaft an einer Rezession vorbeischrammen werde.

Doch auch sie sind skeptischer geworden. So haben sie ihre Erwartungen an das Wachstum deutlich gekappt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2019 nur um 0,5 Prozent und 2020 um 1,1 Prozent steigen, teilten die Institute in ihrem Herbstgutachten mit. Im Frühjahr waren die Institute noch von einem Wachstum von 0,8 und 1,8 Prozent ausgegangen.

Die Ökonomen forderten deshalb die Bundesregierung auf, nicht blind an der "schwarzen Null" festzuhalten und mehr Geld für Investitionen auszugeben. Um die Konjunktur zu stabilisieren, müsse der öffentliche Haushalt atmen, dafür biete auch die Schuldenbremse Spielraum. Die Regierung zögert jedoch. Sie will erst im Fall einer schweren Rezession ein Konjunkturprogramm starten.

lg