Produktion von Autositzen bei Grammer

Erneutes Alarmsignal aus der Industrie Deutsche Firmen produzieren noch weniger

Stand: 06.12.2019, 09:35 Uhr

Neuer Dämpfer für die deutsche Konjunktur: Im Oktober ist die Produktion in der Industrie hierzulande weiter zurückgegangen - und das deutlich. Ökonomen hatten dagegen mit einem kleinen Wachstum gerechnet.

Die deutsche Industrie steckt in der Rezession fest: Die Betriebe haben ihre Produktion im Oktober bereits den zweiten Monat in Folge heruntergefahren. Sie stellten im Vergleich zum Vormonat 1,7 Prozent weniger her. Das ist der größte Rückgang seit einem halben Jahr.

Ökonomen hatten mit Mini-Wachstum gerechnet

Volkswirte wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten eigentlich ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent vorhergesagt. Im September war die Produktion bereits um 0,6 Prozent gefallen.

Die maue Weltkonjunktur, die Handelskonflikte rund um den Globus und die Brexit-Unsicherheiten hinterlassen offenbar zunehmend Spuren in der exportlastigen deutschen Industrie. "Die Konjunkturschwäche in der Industrie hält an", schrieb das Bundeswirtschaftsministerium.

Stabilisierung der Lage in den kommenden Monaten?

Immerhin gab es einen kleinen Lichtblick: Die Entwicklung bei Aufträgen und Geschäftserwartungen deute darauf hin, "dass sich in den kommenden Monaten eine Stabilisierungstendenz ergeben könnte", teilte das Ministerium mit.

Besonders alarmierend ist der drastische Einbruch der Investitionsgüterproduktion um 4,4 Prozent im Oktober. Auch die Bauproduktion wurde im Oktober um 2,8 Prozent gedrosselt. Dagegen stieg die Produktion von Vorleistungsgütern um 1,0 Prozent und die von Konsumgütern um 0,3 Prozent.

"Eine echte Schockzahl!"

"Nach den letzten Konjunkturdaten, die alles in allem eine gewisse Stabilisierung angedeutet haben, ist das nun wieder eine echte Schockzahl", meinte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. Nun gehe wieder das Zittern um das Wachstum im Schlussquartal los. Die Zahlen zeigten, dass eine Rezession der deutschen Wirtschaft noch nicht abgehakt sei, erklärte Thomas Gitzel von der VP Bank. "Das BIP läuft Gefahr, im vierten Quartal erneut zu schrumpfen."

Die technische Rezession in der Industrie ist noch nicht auf die Gesamtwirtschaft übergeschwappt. Im dritten Quartal wuchs das BIP um 0,1 Prozent wieder, nachdem es im zweiten Quartal noch geschrumpft war. Damit entging Deutschland der Rezession.

nb