Demographie

Rentnerpaar mit Picknickkorb

Inflationsrate wieder negativ Treibt uns die Demographie in die Deflation?

von Bettina Seidl

Stand: 29.04.2016, 13:57 Uhr

Die Inflation im Euroraum ist zum wiederholten Male negativ ausgefallen. Sind das erste Anzeichen des demographischen Wandels? Ökonom Martin Hüfner gibt Entwarnung.

Europa ist eine alternde Gesellschaft. Mancher befürchtet, dass dies in eine deflationäre Abwärtsspirale führen könnte. Angeführt wird immer wieder das Beispiel Japans. Das Land ist von der Alterung am meisten betroffen, und seit nunmehr 20 Jahren kämpft es auch mit einer extrem niedrigen Inflation, zeitweise sogar Deflation. Droht Europa das gleiche Schicksal? Wird Europa ein zweites Japan? Ist die aktuell negative Inflation ein erster Vorbote?

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon, gibt Entwarnung. Er führt die rückläufige Inflation nicht auf demografische Faktoren zurück. Im Wesentlichen rührt sie von der konjunkturellen Schwäche, und aktuell spielten technische Faktoren eine Rolle. So seien zum Beispiel Pauschalreisen, die über Ostern gebucht wurden, im April nicht mehr dabei.

Im Alter lässt man sich's gut gehen

Auch sieht er den Zusammenhang zwischen Demografie und Inflation, der in der Vergangenheit wissenschaftlich nachgewiesen wurde, nicht mehr. Früher war es in der Tat so, dass ältere Menschen, die in der Regel ausreichend ausgestattet sind mit Konsumgütern, weniger kaufen.

Assenagon-Vermögensverwalter Martin Hüfner

Martin Hüfner, Assenagon. | Quelle: Unternehmen

"Inzwischen scheinen sich die Verhältnisse jedoch zu ändern", so Hüfner. "Ältere Menschen entwickeln ein neues Selbstverständnis." Sie haben Zeit, sind fitter als Angehörige früherer Generationen, wollen reisen. "Sie wollen es sich gut gehen lassen. Sie kaufen sogar die neuesten digitalen Produkte - auch wenn sie sie nicht immer bedienen können", so der Volkswirt.

Demographischer Wandel fördert Inflation

So kommt auch eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr zu einem völlig anderen Schluss. Sie hat nachgewiesen, dass Länder mit einer größeren Zahl von älteren Menschen gemessen an der Gesamtbevölkerung im Schnitt eine höhere Geldentwertung aufweisen.

"Demografie dämpft also nicht mehr länger die Geldentwertung, sie fördert sie sogar", sagt Hüfner. Darauf richtet die EZB aber derzeit nicht ihren Fokus. Sie sorgt sich um die zu niedrige Inflation. Daher wird sie weiter für gute Liquidität sorgen - gar nicht schlecht also für den Aktienmarkt.