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Das sagen Volkswirte zum Ifo-Index Spotanalyse

Andreas Scheuerle, Deka Bank

Andreas Scheuerle, Deka Bank
"Die globalen Frühindikatoren drehen nach oben, und das Ifo-Geschäftsklima sinkt. Auf den ersten Blick sieht das wie eine verkehrte Welt aus. Doch in der Industrie, die vom Exportgeschäft lebt, hat sich die Stimmung tatsächlich auch spürbar gebessert. Dagegen ließen die Impulsgeber des letzten Jahres - Bau und Einzelhandel - unerwartet kräftig Federn. Hier macht sich wohl die schwächere Einkommensperspektive – geringere Lohn- und Beschäftigungszuwächse – dämpfend bemerkbar.

Noch ist das nur ein einzelner schwacher Monat nach zwei Anstiegen des Geschäftsklimas. Der Aufwärtstrend lässt aber anders als bei Sentix, den ZEW-Konjunkturerwartungen oder dem Industrie-Einkaufsmanagerindex länger auf sich warten."

Das sagen Volkswirte zum Ifo-Index Spotanalyse

Andreas Scheuerle, Deka Bank

Andreas Scheuerle, Deka Bank
"Die globalen Frühindikatoren drehen nach oben, und das Ifo-Geschäftsklima sinkt. Auf den ersten Blick sieht das wie eine verkehrte Welt aus. Doch in der Industrie, die vom Exportgeschäft lebt, hat sich die Stimmung tatsächlich auch spürbar gebessert. Dagegen ließen die Impulsgeber des letzten Jahres - Bau und Einzelhandel - unerwartet kräftig Federn. Hier macht sich wohl die schwächere Einkommensperspektive – geringere Lohn- und Beschäftigungszuwächse – dämpfend bemerkbar.

Noch ist das nur ein einzelner schwacher Monat nach zwei Anstiegen des Geschäftsklimas. Der Aufwärtstrend lässt aber anders als bei Sentix, den ZEW-Konjunkturerwartungen oder dem Industrie-Einkaufsmanagerindex länger auf sich warten."

Dr. Michael Holstein, Leiter Volkswirtschaft bei der DZ Bank

Michael Holstein, Leiter Volkswirtschaft bei der DZ Bank
"Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Januar wieder etwas eingetrübt, weil die Erwartungen für die kommenden Monate nach drei Verbesserungen in Folge erneut heruntergeschraubt wurden. Damit droht das zarte Pflänzchen der Hoffnung auf eine bessere Weltkonjunktur schon wieder zu verdorren. Dabei war es im Januar mal nicht die Industrie, die für die Eintrübung verantwortlich ist, sondern der Dienstleistungsbereich und die Bauwirtschaft, also die Stützpfeiler der angeschlagenen deutschen Konjunktur."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, VP-Bank, Liechtenstein
"Der Ifo-Index holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Der konjunkturelle Aufschwung bleibt eine Wackelpartie. Nach dem Teilabschluss eines Handelsabkommens zwischen den USA und China ist die Feier vorbei, im Januar herrscht Katerstimmung.

Der Rückgang im Januar zeigt, dass man in den deutschen Chefetagen skeptisch ist. Der Strukturwandel in der Automobilwirtschaft und der ungewisse Ausgang der Verhandlungen mit Großbritannien über ein Freihandelsabkommen belasten. Darüber hinaus gesellt sich aktuell mit dem Coronavirus ein weiterer temporärer Belastungsfaktor hinzu. Kein Wunder also, dass die Stimmung in den deutschen Unternehmen gedrückt bleibt."

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe
"Die politischen Risiken lasten weiter auf der Stimmung. Deshalb ist die Stimmungslage fragil. Der Brexit liegt auf Wiedervorlage, zudem beginnt sich der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU zurzeit hochzuschaukeln. Das Verarbeitende Gewerbe bleibt angezählt. Ein gesamtwirtschaftliches Rezessionssignal sendet das Geschäftsklima aber nicht."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBW
"Eine faustdicke Überraschung. Wir hatten mit einer Verbesserung gerade der Erwartungen gerechnet, weil mit dem 'Hard Brexit' und den Kompromisssignalen im Handelsstreit zwei Belastungsfaktoren weggefallen sind. Jetzt ist es anders gekommen. Offenbar hat die Schwäche der Industrie mit Zeitverzug auch die Dienstleister erreicht. Da kann man nur hoffen, dass dort auch die Erholung der Industrie, die wir inzwischen an den Daten ja auch ablesen können, ankommt. Alles in allem zeigt es, dass wir vor einem schwierigen Jahr stehen."

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank
"Zwar ist das Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Wirtschaft als Ganzes im Januar unerwartet gefallen (von 96,3 auf 95,9). Aber der entscheidende Index für das exportorientierte verarbeitende Gewerbe ist merklich gestiegen. Der Trend weist hier wie beim Einkaufsmanangerindex zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder nach oben. Das stützt unsere Erwartung, dass der Rückgang der Industrieproduktion im Frühjahr auslaufen sollte. Allerdings erwarten wir weiterhin nur eine blutleere wirtschaftliche Aufwärtsbewegung."

Dr. Friederike Köhler-Geib

Friederike Köhler-Geib, Chefvolkswirtin KfW
"Anfang 2020 ist die Stimmung in den deutschen Unternehmen wieder etwas trüber. Das kam zwar überraschend, aber auch nicht gänzlich ohne Grund. Die Teileinigung im US-chinesischen Handelsstreit und der geregelte Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU eliminieren zwar die unmittelbaren Abwärtsrisiken, sie schaffen jedoch noch keine echten Impulse für die Konjunktur.

In den anstehenden Verhandlungen über die künftigen britisch-europäischen Beziehungen dürften sich neue Gräben auftun, die für einige Verunsicherung sorgen werden. Zudem ist ein Ende der bereits anderthalb Jahre dauernden und damit längsten Industrierezession seit der Wiedervereinigung bislang nur schemenhaft erkennbar, während der Bau und die Dienstleistungen zum Jahresanfang unerwartete Ermüdungserscheinungen zeigen. Die Hängepartie geht weiter."

Ulrich Wortberg, Helaba

Ulrich Wortberg, Volkswirt bei der Helaba
"Das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft hat enttäuscht. Der Index ist nach zwei Anstiegen in Folge wieder gesunken – trotz verbesserter sentix- und ZEW-Umfragen und trotz Anstiege der deutschen Einkaufsmanagerindizes. Das Szenario einer allmählichen Konjunkturbelebung wird laut ifo-Institut nicht untermauert und Zinssenkungserwartungen bezüglich der EZB könnten leicht forciert werden."